Noch mehr Gammelfleisch
Aktualisiert

Noch mehr Gammelfleisch

Kontrolleure fanden in Gotha seit drei Jahren abgelaufenes Geflügelfleisch, Fleisch ohne jegliche Kennzeichnung sowie grünlich verfärbte Ware mit Gefrierbrand und stechendem Geruch.

In dem Lager seien darüber hinaus Bratwürste und Hackfleisch ohne Kennzeichnung entdeckt worden.

Mitunter habe man nicht bestimmen können, um welche Fleischsorte es sich gehandelt haben könnte. Proben seien sofort zur Untersuchung ins Labor geschickt worden. Und auch die Staatsanwaltschaft habe die Ermittlungen aufgenommen, sagte Schulz. Es müsse nun geklärt werden, ob es sich um einen kriminellen Hintergrund oder um Schlamperei handele. Das Ministerium geht davon aus, dass von der vorgefundenen Ware nichts in den Handel gegangen sei. Die Überprüfungen liefen aber noch. Bislang gebe es keine Hinweise auf eine Verbindung zu den bisherigen Funden von Gammelfleisch in anderen Bundesländern.

Unterdessen kritisierte die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Renate Künast, das Verhalten von Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) im aktuellen Gammelfleisch-Skandal. Der Minister drücke sich vor Konsequenzen, sagte Seehofers Vorgängerin dem Deutschlandradio Kultur. So könne man seiner Klage, dass nicht genug bestraft werde, mit bundesweit tätigen Kontrolleuren abhelfen. Diese könnten etwa Beweismittel sicherstellen, damit die Richter besser verurteilen könnten.

«Ich frage mich, wo ist der Minister? Macht der Mann Urlaub? Die ersten sechs Tage des Gammelfleisch-Skandals war er überhaupt nicht existent, dann hat er warme Worte gesprochen über ein kommendes Verbraucherinformationsgesetz», monierte Künast. Dabei könnte der bayerische Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf schon heute nach den Regeln des Lebensmittelgesetzbuches Ross und Reiter nennen.

Dem widersprach das Schnappauf-Ministerium: «Eine Nennung ist nur möglich, wenn davon auszugehen ist, dass das Fleisch noch nicht verzehrt wurde», erklärte Sprecher Roland Eichhorn. Aber etwa bei den Funden in München sei davon auszugehen, dass das Fleisch bereits vor Monaten und Jahren verzehrt worden sei. «Deswegen durften wir den Namen nicht nennen», erklärte Eichhorn.

Künast erneuerte die Forderung nach dem Verbraucherinformationsgesetz, «damit das Individuum, aber auch Vereine und Verbände Wissen haben und sich wehren können». (dapd)

Deine Meinung