Obama: «Noch nie dagewesene Naturkatastophe»
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Obama«Noch nie dagewesene Naturkatastophe»

Der Ölteppich im Golf von Mexiko nimmt immer gewaltigere Ausmasse an. Nun ist US-Präsident Barack Obama vor Ort eingetroffen.

US-Präsident Barack Obama hat den Menschen in der Ölpest-Region am Golf von Mexiko jede mögliche Hilfe zugesagt. Die Regierung werde tun, «was immer und wie lange es nötig ist, um diese Krise zu beenden», sagte Obama am Sonntag bei einem Besuch an der Küste des besonders stark betroffenen Bundesstaats Louisiana.

Der Präsident traf in Venice am Mississippi-Delta mit Vertretern der Küstenwache und anderen Experten zusammen, um sich aus erster Hand über das Ausmass der Ölpest und über die Gegenmassnahmen informieren zu lassen. «Wir haben eine massive und möglicherweise noch nie dagewesene Naturkatastophe», sagte Obama anschliessend.

Er bekräftigte, dass der britische Konzern BP für den anhaltenden Ölaustritt verantwortlich sei, und «BP wird die Rechnung dafür bezahlen». Die Ursachen für den Unfall müssten gründlich aufgeklärt werden, aber im Mittelpunkt stehe jetzt «der unermüdliche Versuch», den Ölfluss ins Wasser zu stoppen. «Wir werden nicht ruhen, bis die Lecks geschlossen sind und die Region gesäubert ist», sagte Obama.

Vor seinem Besuch hatte es Kritik gegeben, der Präsident und die Regierung hätten nicht rasch genug auf die Katastrophe auf den Unfall reagiert. Obama wies das zurück. Man habe sich vom ersten Tag an auf das Schlimmste vorbereitet, auch wenn man das Beste gehofft habe, sagte der Präsident, der noch am Sonntagabend in Washington zurückerwartet wurde.

Betroffen sind vier US-Bundesstaaten: Florida, Louisiana, Alabama und Mississippi. Überall wurde der Notstand ausgerufen. Am Sonntag verhängten die US-Behörden zudem ein Fischfangverbot für die Küstengewässer zwischen dem Mississippi-Delta in Louisiana und der Bucht von Pensacola in Florida. Der Stopp soll zunächst zehn Tage dauern.

Ölteppich wächst und wächst

Nach Erkenntnissen von Forschern verdreifachte sich die Ausdehnung des Ölteppichs binnen weniger Tage. Das Wetter spielt weiter nicht mit: Wegen starker Winde und hohem Seegang konnten Einsatzkräfte die Ölsperren, die das Öl von der Küste fernhalten sollen, nicht aufs Meer bringen. Meteorologen erwarten erst im Laufe der Woche eine deutliche Wetterbesserung.

Unterdessen erhöhte die amerikanische Regierung den Druck auf den britischen Ölkonzern BP, sich beim Stopfen des Lecks und der Eindämmung des Ölteppichs stärker zu engagieren. BP, der die Ölplattform geleast hatte, ist nach wie vor weit davon entfernt, den massiven Austritt von Öl ins Wasser zu stoppen.

Damit grassiert an der Golfküste immer stärker die Angst vor einer Katastrophe mit schweren wirtschaftlichen Folgen. Nicht nur, dass die Golfküste Amerikas reichste Ausbeute an Crevetten und Austern bietet. Viele Menschen in den bedrohten Anliegerstaaten von Texas bis Florida leben vom Tourismus.

Der immer noch wachsende Teppich hat eine Länge von schätzungsweise mehr als 200 Kilometern und ist rund 110 Kilometer breit. Die Behörden halten es für unvermeidlich, dass der Teppich die Küste belasten wird. «Es ist nur noch eine Frage des wo und wann», sagte Thad Allen von der Küstenwache.

Möglicherweise schlimmste Katastrophe

Umweltschützer befürchten, dass sich die Verschmutzung zur schlimmsten Katastrophe dieser Art in der amerikanischen Geschichte auswachsen könnte. Bisheriger trauriger Höhepunkt war 1989 der Tanker «Exxon Valdez», das vor der Küste Alaskas auf ein Riff auflief. Der US-Kongress schränkte daraufhin die Öl-Schifffahrt vor der Küste Alaskas ein.

Seit dem Versinken der Bohrinsel tritt Rohöl in 1500 Metern Tiefe aus mehreren Lecks aus. Tausende Helfer sind im Einsatz, 300 Schiffe und Flugzeuge stehen bereit. Nach Schätzungen der US-Behörden laufen täglich etwa 700 Tonnen Öl ins Meer. Wenn es weiter in diesen Mengen sprudelt, dauert es keine zwei Monate, bis das Ausmass des «Exxon- Valdez»-Unglücks erreicht ist.

Auf der Bohrinsel «Deepwater Horizon» hatte sich am 20. April eine Explosion ereignet, zwei Tage später versank sie im Meer. Die Plattform gehört dem an der Schweizer Börse kotierten Unternehmen Transocean mit Sitz in Zug. (sda/dapd)

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