Über 50’000 – Noch nie gabs so viele Firmengründungen wie 2021
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Über 50’000Noch nie gabs so viele Firmengründungen wie 2021

Im Baugewerbe und in der Krypto-Branche entstehen derzeit zahlreiche neue Firmen. Die Pandemie verstärkt den Trend zur Eigenständigkeit, denn durchs Homeoffice geht der Bezug zum Unternehmen verloren.

von
Fabian Pöschl
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2021 sind 7 Prozent mehr neue Firmen als im Vorjahr entstanden.

2021 sind 7 Prozent mehr neue Firmen als im Vorjahr entstanden.

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In der Pandemie haben viele den Entschluss umgesetzt, sich selbständig zu machen.

In der Pandemie haben viele den Entschluss umgesetzt, sich selbständig zu machen.

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Durch zwei Jahre im Homeoffice haben etwa viele Programmierer den Bezug zum Unternehmen verloren, sagt Startups.ch-CEO Michele Blasucci.

Durch zwei Jahre im Homeoffice haben etwa viele Programmierer den Bezug zum Unternehmen verloren, sagt Startups.ch-CEO Michele Blasucci.

imago images/Westend61

Darum gehts

  • In der Schweiz sind dieses Jahr über 50’000 neue Firmen entstanden.

  • In jedem Kanton gab es mehr Gründungen als im Vorjahr.

  • Auch nächstes Jahr könnte es wieder einen Rekord geben.

Das Corona-Krisenjahr 2021 hat der Schweiz einen neuen Rekord gebracht: Erstmals sind mehr als 50’000 neue Unternehmen im Schweizer Handelsregister eingetragen. Das sind über 7 Prozent mehr als im Vorjahr, wie eine Erhebung der Online-Firmengründungsplattform Startups.ch zeigt. Damals wurden 46’842 neue Firmen registriert, was ebenfalls schon ein Rekord war.

In der Krise war es für viele der richtige Moment für eine Firmengründung, sagt Startups.ch-CEO Michele Blasucci zu 20 Minuten: «Die Leute haben Zeit, um nachzudenken, was ihnen wirklich wichtig ist.» Viele Programmierer seien etwa seit fast zwei Jahren im Homeoffice und hätten fast keinen Bezug mehr zum Unternehmen. «Da ist es einfacher, die Firma zu verlassen und selber etwas zu machen.»

Manche Handwerksbetriebe kommen kaum nach mit der Arbeit

Verstärkt wurde der Trend durch die tiefen Hypothekar-Zinsen. «Die Leute sind in der Krise mehr zuhause und wollen es daheim schön haben. Deshalb wird enorm viel gebaut und renoviert», sagt Blasucci. Manche Betriebe würden nicht mehr nachkommen mit der vielen Arbeit. Deshalb hätten sich Angestellte selbstständig gemacht und Handwerksfirmen rund ums Bauen gegründet wie Maler- oder Elektrikerbetriebe.

Auch zahlreiche neue Krypto-Firmen entstehen wegen des Booms rund um die Blockchain und Krypto-Währungen. Zahlreiche Studenten hätten sich als Bitcoin-Händler einen Haupt- oder Nebenverdienst zugelegt. «Es herrscht Goldgräberstimmung. Viele sind fasziniert, dass man mit Krypto-Geld über Nacht reich werden kann. Das schaffen aber nur die wenigsten», sagt Blasucci.

Vom Krypto-Trend profitiere vor allem der Kanton Zug mit seinem Crypto Valley. In Basel entstanden viele neue Firmen aus verschiedensten Branchen wegen tiefer Steuern. Auch in der ganzen Schweiz gab es in jedem Kanton mehr Firmengründungen als im Vorjahr.

Hilfe vom Bund verhinderte Konkurse

Weniger Gründungen gab es in Branchen, die unter der Krise leiden, wie die Reise-, Event- und Gastrobranche. In der Gastronomie habe es zwar im Sommer einen Anstieg der Gründungen gegeben, dieser flachte aber schnell wieder ab. «Viele haben wohl auf Besserung durch die Impfung gehofft», sagt Blasucci.

Insgesamt gab es dieses Jahr fast 1230 Konkurse, das sind etwa 100 weniger als im Vorjahr. Viele Konkurse seien dank der zinslosen Darlehen verhindert worden, sagt Blasucci. Er hofft, dass die Firmen die Darlehen nicht bereits im nächsten Jahr zurückzahlen müssen, sondern erst, wenn sie finanziell ungefährdet sind.

Inwieweit sich die Dynamik auch im kommenden Jahr fortsetzen wird, sei schwierig zu vorauszusagen. Je länger die Pandemie dauert, desto mehr Zeit haben die Leute, sich mit einer Gründung auseinanderzusetzen. «Deshalb wird es wohl auch im nächsten Jahr einen Rekord geben», sagt Blasucci.

50’000 neue Firmen bringen langfristig bis zu 100’000 Jobs

Die Online-Firmengründungsplattform Startups.ch hat für ihrer Erhebung erstmals nach den Gründen für die Firmengründung gefragt. Von den fast 500 Teilnehmenden will die Hälfte endlich ihre Geschäftsidee umsetzen, ein Fünftel will der eigene Chef sein und nur eine befragte Person gründet mit der Aussicht auf finanziellen Erfolg. Als grösste Hürden bei der Firmengründung nennen die Befragten die Überwindung der Angst vor dem Scheitern oder fehlendes notwendiges Kapital. Die Gründerinnen und Gründer gaben auch an, wie viele Arbeitsplätze sie schaffen wollen. Bei der Hälfte der Befragten sollen es 1 bis 2 Arbeitsplätze sein, 70 Befragte wollen 3 bis 5 Angestellte und weitere 50 mehr als 5.

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