Luzerner Kantonsspital – «Noch nie meine Berufskolleginnen und -kollegen so müde und erschöpft erlebt»
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Luzerner Kantonsspital«Noch nie meine Berufskolleginnen und -kollegen so müde und erschöpft erlebt»

Der Leiter der Pflege beim Luzerner Kantonsspital sorgt sich auf Linkedin um sein Personal. Das Spital bestätigt, dass die aktuelle Situation sehr herausfordernd ist.

von
Rochus Zopp
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Das Luzerner Kantonsspital ist am Limit. Um die Bettenkapazitäten für Covid-Fälle zu erhöhen, werden Operationssäle geschlossen. Das führe aber zunehmend zu Engpässen in der dringlichen Behandlung von schwerkranken Non-Covid-Patienten.

Das Luzerner Kantonsspital ist am Limit. Um die Bettenkapazitäten für Covid-Fälle zu erhöhen, werden Operationssäle geschlossen. Das führe aber zunehmend zu Engpässen in der dringlichen Behandlung von schwerkranken Non-Covid-Patienten.

Severin Ettlin
Auf Linkedin äussert sich der Leiter der Pflege des Luks. Er schreibt, die Belastung sei beim Personal deutlich spürbar.

Auf Linkedin äussert sich der Leiter der Pflege des Luks. Er schreibt, die Belastung sei beim Personal deutlich spürbar.

Linkedin/Michael Döring-Wermelinger
42 zertifizierte Intensivbetten werden im Kanton Luzern betrieben. Fast ein Drittel davon ist durch Covid-Patienten besetzt. Von diesen ist nur eine Person vollständig geimpft. (Symbolbild)

42 zertifizierte Intensivbetten werden im Kanton Luzern betrieben. Fast ein Drittel davon ist durch Covid-Patienten besetzt. Von diesen ist nur eine Person vollständig geimpft. (Symbolbild)

20min/Jacqueline Straub

Darum gehts

  • Das Luzerner Kantonsspital muss nicht dringliche Operationen reduzieren, damit genügend Ressourcen für Corona-Fälle vorhanden sind.

  • Wie der Leiter der Pflege des Spitals auf Linkedin schreibt, sei die Belastung deutlich spürbar.

  • Er habe seine Kolleginnen und Kollegen noch nie so müde und erschöpft gesehen.

  • Wegen der vielen Corona-Patienten müssen andere Operationen verschoben werden.

Die Zentralschweizer Spitäler sind am Limit. 42 zertifizierte Intensivbetten werden im Kanton Luzern betrieben. Fast ein Drittel davon ist durch Covid-Patienten besetzt. Von diesen ist nur eine Person vollständig geimpft. Freie Intensivpflegebetten weist der Kanton Luzern auf dem Statistikportal lustat nur noch drei aus. Nicht dringliche Eingriffe müssen am Luzerner Kantonsspital (Luks) verschoben werden. Das Spital Schwyz ist laut «Schweiz aktuell» schon ganz oben an der Auslastungsgrenze angelangt. Auch in anderen Kantonen sei die Situation ähnlich.

Aufstockung der Betten nicht möglich

Die angespannte Situation in den Spitälern hat Michael Döring-Wermelinger, den Leiter der Pflege des Luks, dazu veranlasst, einen Post auf dem sozialen Netzwerk Linkedin zu verfassen. Darin macht er sich Sorgen um sein Personal. Die Dauerbelastung der letzten Monate sei deutlich spürbar. Er habe noch nie in seiner Karriere seine klinischen Berufskolleginnen und -kollegen so müde und erschöpft erlebt, schreibt er. Zudem würden immer mehr Fachkräfte krankheitsbedingt ausfallen. Aufgrund des fehlenden Personals kann man in Luzern auch nicht wie vom Bund gewünscht mehr Betten bereitstellen. Marco Rossi, Chefarzt für Infektiologie, sagte gegenüber dem «Regionaljournal Zentralschweiz», dass es nicht möglich sei, die Kapazität zu erhöhen, da man kein Personal finde.

Wie das Luks auf Anfrage von 20 Minuten schreibt, sei die Situation sehr anspruchsvoll für das Personal und die Einsatzplanung herausfordernd. Nicht dringliche Eingriffe würden reduziert, damit die nötigen Ressourcen im Ärzte- und Pflegebereich sowie auch die Infrastruktur für die Pandemiefälle bereitgestellt werden können. «Damit verbunden ist eine Reduktion von Operationssälen, um die Bettenkapazitäten für Covid-Fälle zu erhöhen, was aber zunehmend zu Engpässen in der dringlichen Behandlung von schwerkranken Non-Covid-Patienten führt», schreibt das Luks weiter.

Luzerner Kantonspital passt die Besuchsregeln an

Als Reaktion auf die zunehmende Belastung des Spitalbetriebs passt das Luks ab dem Montag, dem 6. Dezember, seine Besuchsregeln im stationären Bereich an: Nach wie vor seien zwei Besuchspersonen pro Tag erlaubt. Die Besuche müssen jedoch neuerdings separat erfolgen und seien jeweils auf eine Stunde beschränkt. Ziel sei es, die Personenfrequenz und damit die Anzahl der Kontakte, sowie die Aufenthaltsdauer im Spital niedrig zu halten, wie das Luks in einer Mitteilung schreibt. Dadurch soll das Ansteckungsrisiko tief bleiben und der Spitalbetrieb wenig tangiert werden.

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Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

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Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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