Bergung Wanderer Vorarlberg (A): «Noch nie retteten wir so viele Menschen aus einer Notsituation»
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Bergung Wanderer Vorarlberg (A)«Noch nie retteten wir so viele Menschen aus einer Notsituation»

Eine grosse Schülergruppe und acht Lehrpersonen wurden mit zwei Helikoptern über Stunden von einem Bergkamm im Vorarlberg evakuiert. Zuerst haben die Einsatzkräfte mit zwei zu rettenden Personen gerechnet.

von
Shannon Zangger
Marion Alder
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Die über 100 Personen mussten mit zwei Helikoptern in 17 Hin- und Rückflügen gerettet werden. 

Die über 100 Personen mussten mit zwei Helikoptern in 17 Hin- und Rückflügen gerettet werden. 

Landespolizeidirektion Vorarlberg
Die Lehrerpersonen wählten die Route über eine «Tracking-App» aus. Eine Rezension beschrieb die Strecke als «eine wirklich klasse Feierabendrunde». (Symbolbild)

Die Lehrerpersonen wählten die Route über eine «Tracking-App» aus. Eine Rezension beschrieb die Strecke als «eine wirklich klasse Feierabendrunde». (Symbolbild)

20Min/ Simon Glauser
Die Strecke sei jedoch im neuen Kartenmaterial nicht mehr ersichtlich und werde auch nicht mehr ausgeschildert. «Man muss absolut schwindelfrei und erfahren sein.» (Symbolbild)

Die Strecke sei jedoch im neuen Kartenmaterial nicht mehr ersichtlich und werde auch nicht mehr ausgeschildert. «Man muss absolut schwindelfrei und erfahren sein.» (Symbolbild)

20Min/ Simon Glauser

Darum gehts

Am Dienstagnachmittag mussten 99 deutsche Schülerinnen und Schüler sowie acht Lehrpersonen vom Heuberggrat mit zwei Helikoptern von der Bergrettung evakuiert werden. Die Lehrpersonen wählten, basierend auf einer Google-Suche, einen Wanderweg, der über Stock und Stein geht. Dies, weil eine Rezension die Route als «wirklich klasse Feierabendrunde» bezeichnete.

Die Bergrettung Vorarlberg erklärt auf Anfrage, wie der Rettungseinsatz abgelaufen ist und welche Komplikationen die Bergungen erschwerten. «Wir haben festgestellt, dass sich immer mehr Personen an sogenannten «Tracking-Apps» orientieren», sagt Klaus Drexel, Mediensprecher der Bergrettung Vorarlberg.

«Wir rechneten mit zwei Personen»

Nachdem der Notruf beim Pager der Bergrettung Vorarlberg eingegangen war, rückten die Rettungskräfte mit ihrem Rettungshelikopter «Christopherus» aus. «Als der Notruf bei uns einging, dachten wir zuerst, dass es sich um zwei Personen handelt», sagt Klaus Drexel auf Anfrage von 20 Minuten. Sie seien sehr erstaunt gewesen, als sie eine Menschenmenge mit über 100 Personen vorfanden.

Auch für die erfahrene Rettungstruppe war es eine neue Situation. «Noch nie mussten wir so viele Menschen aus einer Notsituation befreien», so Drexel. Mit dem Helikopter via Taubergung könne man pro Flug und Helikopter drei Personen retten.

Damit die Einsatzzeit verkürzt werden konnte, wurde der Polizei-Helikopter «Libelle, C8» mit in die Rettungsaktion eingeschaltet. Da viele Flüge nötig waren, bis alle Schüler und Schülerinnen geborgen werden konnten, dauerte die Rettungsaktion lange an. «Wir fingen um 15 Uhr mit den Bergungen an und hatten sie um 21.30 Uhr abgeschlossen», so Drexel. 

Ausgesetzte Wanderroute

Kleinwalsertal Tourismus erklärt auf Anfrage, dass es sich beim Heuberggrat um eine ausgesetzte Wanderroute handelt. «Man muss absolut schwindelfrei und erfahren sein», sagt Elmar Müller, Vorstandsmitglied. Auch als erfahrener Wanderer sei man im Normalfall sicher vier Stunden unterwegs.

Weiter sagt Müller, dass sie diese Route nicht empfehlen würden. Sie sei im neuen Kartenmaterial nicht mehr ersichtlich und werde auch nicht mehr ausgeschildert. «Es gibt extrem viele Routen für jede Könnerstufe», so Müller.

Route soll auf schwächste Person abgestimmt sein

Es gebe bestimmt Tausende Bergwanderer-Websites. Die Seite «Hikr.org», über die sich die Lehrpersonen informiert haben, habe Müller bisher nicht gekannt. Bei solchen Bewertungen im Internet gebe es ein Problem: «Was für die einen eine gemütliche Abendrunde ist, ist für andere eine sehr anspruchsvolle Wanderung», sagt Müller.

Wenn man eine Wanderung in einer grösseren Gruppe planen möchte, könne man beispielsweise im Tourismusbüro nachfragen. Laut Müller sei es wichtig, dass man auf das Können der Gruppe eingehe: «Die Route sollte auf die schwächste Person abgestimmt sein.» Weiter soll man auf die Hinweise in der Routenbeschreibung achten: «Wenn es eine Kletterausrüstung braucht oder nur für erfahrene Wanderer geeignet ist, soll man das befolgen», so Müller.

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