USA: Nötigte der Star-Prediger junge Männer?
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USANötigte der Star-Prediger junge Männer?

Eddie Long wettert in den USA gegen Schwule. Nun steht der schwarze Prediger selbst unter dem Verdacht, mehrere junge Männer zum Sex gezwungen zu haben.

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Unter Verdacht: Bishop Eddie Long soll junge Anhänger sexuell genötigt haben. (Bild: AP Photo/John Amis)

Unter Verdacht: Bishop Eddie Long soll junge Anhänger sexuell genötigt haben. (Bild: AP Photo/John Amis)

Als Eddie Long im Jahr 1987 die New Birth Missionary Baptist Church in Lithonia, einem Vorort von Atlanta, übernahm, hatte die kleine Gemeinde knapp 300 Mitglieder. 23 Jahre später zählt New Birth 25 000 Gläubige – und sein Prediger ist Multimillionär. Doch seit Wochen steht Bishop Long im Mittelpunkt eines Skandals: Vier Männer aus seiner Gemeinde beschuldigen ihn, sie zu sexuellen Handlungen genötigt zu haben.

Drei dieser Männer kennen Long aus dem Förderprogramm LongFellows, bei dem junge Anhänger in einem strengen spirituellen sowie körperlichen Training geschult werden - meistens vom Glaubensoberhaupt höchstpersönlich.

Im Ausland oder im eigenen Haus

Anthony F. war zum Zeitpunkt der angeblichen Missbräuche 17 Jahre alt. Prediger Long kümmerte sich liebevoll um den jungen Mann, der vaterlos aufgewachsen war. Er nannte ihn seinen «Sohn im Geiste», besuchte ihn regelmässig zu Hause. Dabei sei der Priester zu ihm ins Bett gekrochen und habe «sexuelle Handlungen» an ihm vollzogen, heisst es nun in einer Klageschrift.

Auch Maurice R. kam mit 14 Jahren sehr jung in das LongFellows-Programm. Mit 17 erhielt er von seinem Beschützer einen Chevy Malibu, schreibt die «New York Times». Auf einer Auslandsreise nach Neuseeland hätten dann die beiden eine sexuelle Beziehung begonnen. Ähnlich lauten die Anschuldigungen von Spencer L.: Auch er wurde während einer Missionarreise nach Kenia im Juli 2005 Opfer von Longs Übergriffen: Der damals 17-Jährige wurde zunächst mit einer Schlaftablette ausser Gefecht gesetzt. Danach habe sich Long an ihm vergangen. Der Prediger versicherte seinem Schüler, es sei «gut für deine geistige Gesundheit».

Long predigt Schwulenhass und Enthaltsamheit

Der 57-jährige Long bestreitet die Vorwürfe vehement – und deutet auf eine Verleumdungskampagne hin. Er sei «nicht nur einfach eine Kirche, sondern ein internationales Unternehmen», behauptete er schon im Jahr 2005 in einem Interview. «Wir sind keine Truppe von Hinterwäldlern, die nichts anderes machen, als Babys zu taufen. Ich habe mit dem Weissen Haus zu tun. Ich habe mit Tony Blair zu tun. Ich habe mit Staatspräsidenten auf der ganzen Welt zu tun. Ich führe eine Multimillionen-Dollar-Gemeinde.» Seine starke politische Position bestätigte er schliesslich ein Jahr später, als er den Trauergottesdienst für Martin Luther Kings Witwe Coretta in seiner New-Birth-Kathedrale abhielt.

Die New Yorker Anwältin der vier mutmasslichen Opfer will aber Bildmaterial besitzen, das die sexuellen Beziehungen beweisen kann. Laut «Washington Post» soll Long den Klägern per Handy Fotos von sich geschickt haben, in denen er in seinem Badezimmer im Muskelshirt posiert.

Dabei gilt Eddie Long als Schwulenfeind. In Seminaren, die Namen wie «Runter vom Irrweg» haben, will er die Homosexualität heilen. Auch für Heterosexuelle hat er etwas auf dem Programm: Mit einer «Selbstkontrolle»-Karte, bei dem sich der Gläubige die Frage stellen muss «Welche drei Dinge könnte ich jetzt tun, statt Sex zu haben», versucht Long, die sexuelle Enthaltsamkeit zu fördern.

Sollten sich nun die Vorwürfe bestätigen, wäre dies, so sagte ein befreundeter Priester, «der Inbegriff der Heuchelei».

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