Aktualisiert 21.01.2010 14:02

Ovi Maps

Nokia: Gratis Navigation für alle

Der weltgrösste Handyhersteller geht in die Offensive und verschenkt die hauseigene Navigationssoftware für Smartphones.

von
mbu/ddp
Nokia bietet sein weltweites Navigationssystem Ovi Maps kostenlos an.

Nokia bietet sein weltweites Navigationssystem Ovi Maps kostenlos an.

«Google ist die Handgranate - dies ist die Atombombe.» Nokia-Manager Michael Halbherr schreckte vor drastischen Superlativen nicht zurück, als er am Donnerstag die neueste Version des konzerneigenen Ovi-Navigationssystems für Smartphones vorstellte. «Ovi Maps» ist kostenlos und mit Contents vernetzt wie einer Hotel- und Restaurantsuche. Das Kartensystem umfasst mehr als 180 Länder und kann bequem im Vorfeld auf dem Smartphone installiert werden, so dass die Navigation auch im Offline-Modus möglich ist. Dies ist besonders dann nützlich, falls der Nutzer keinen Datentarif hat oder ein Kunde mit Datentarif in Gebieten mit geringer Netzabdeckung beziehungsweise im Ausland unterwegs ist.

Anbindung an Facebook

46 Sprachen beherrscht das System, darüber hinaus aktualisiert sich die Software laufend automatisch, auch kostenlos, und braucht dafür nur ein Zehntel der Datenmenge des Konkurrenten Google, wenn man Halbherr glauben darf. Die Anbindung an Facebook ermöglicht es, eigenes Smart-Publishing sozusagen im Gehen durchzuführen. An einen Facebook-Eintrag kann der User ein eben geknipstes Foto anhängen und verschicken. Oder ein nahe gelegener Laden sendet an sich nähernde Ovi-Nutzer mal eben einen Gutschein. Der Datenschutz sei dabei gewährleistet, versichert Halbherr. Es würden nur Orte und Geschwindigkeiten gespeichert, keine Nutzerprofile mit individualisierten Daten.

Kollateralschaden bei Tom-Tom

Ob die «Atombombe» Google Maps und die angehängten Dienste und Hardware-Lösungen voll trifft, muss offenbleiben. Früher oder später wird es Anwendungen auch für Smartphones der Konkurrenz geben, etwa das iPhone. Ein erheblicher Kollateralschaden dürfte aber auf mittlere Sicht bei den Navigationsgeräten von Tomtom und seinen Verwandten eintreten. Sie werden damit eigentlich überflüssig, denn spätestens in drei bis vier Monaten sollen alle neuen Nokia-Smartphones das Ovi-System ab Werk an Bord haben und dazu gleich auch eine Halterung für die Windschutzscheibe.

Wo liegt jetzt der betriebswirtschaftliche Nutzen? Eine Preiserhöhung im klassischen Sinn wird es nicht geben. Die Lösung habe sehr hohe fixe Kosten, während der variable Teil minimal sei, sagt Halbherr. Das könne sich nur jemand leisten, der einen hohen Marktanteil hat. Am Ende werde es noch zwei, drei Player in diesem Markt geben und Nokia wird einer davon sein. «Wir trennen nicht mehr zwischen Hardware und Service», sagt Halbherr. «Wir machen damit unser Produkt wertiger.» Die Kunden greifen - so das Kalkül - dann eher zu einem grösseren, teureren Gerät, das eben wegen seiner Ausstattungsdetails mehr kostet und dem Hersteller dann eine bessere Marge bietet. Ausserdem sieht sich Nokia schon jetzt als Marktführer bei Navigationssystemen. Rund 23 Millionen Smartphones hat der finnische Konzern derzeit unter die Leute gebracht. Auf zehn aktuelle Modelle kann die neue Navigation jetzt schon heruntergeladen werden.

Auf diesen Geräten läuft Ovi Maps: Nokia N97 mini, Nokia 5800 XpressMusic, Nokia 5800 Navigation Edition, Nokia E52, Nokia E55, Nokia E72, Nokia 5230, Nokia 6710 Navigator, Nokia 6730 classic und Nokia X6.

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