Aktualisiert 10.02.2012 18:34

Ein Android-Klon?Nokia spendiert seinen Handys ein Facelifting

Nokia hat ein angestaubtes Handy-Betriebssystem? Das war einmal. Mit einer runderneuerten Benutzeroberfläche soll der Exodus zum iPhone und zu Android gestoppt werden.

von
owi

Die Finnen halten Wort. Wie vor einem halben Jahr angekündigt, hat Nokia nun eine vollständig überarbeitete Version seines in die Jahre gekommenen Handy-Betriebssystems veröffentlicht. Das neue Betriebssystem heisst Nokia Belle und steht ab sofort für die Modelle C7, E7, N8, C6-01, X7 und E6 bereit. Für das Nokia 500 wird das Update, das eine völlig umgekrempelte Benutzeroberfläche liefert, in den kommenden Wochen ebenfalls bereitstehen.

Wer das alte Symbian bereits abgeschrieben hat, sollte nochmals einen Blick auf Nokia Belle werfen. Wie zuvor Apple beim iPhone haben sich nun auch die Finnen von Android inspirieren lassen: Eine Menü-Leiste mit Benachrichtigungen für neue SMS, E-Mails oder verpasste Anrufe lässt sich jetzt auf dem Touchscreen vom oberen Bildschirmrand nach unten wischen. Diese sogenannte Notification Bar erlaubt auch den Schnellzugriff auf WLAN, Bluetooth, MP3-Player und andere häufig genutzte Funktionen. Ebenfalls von Android bekannt sind in der Grösse veränderbare Live-Widgets (Mini-Programme), die Informationen wie neue E-Mails, Facebook-Nachrichten oder Termine direkt auf dem Home-Screen zeigen.

Technisch auf der Höhe der Zeit

Für Nokia-Nutzer nichts Neues ist hingegen der Austausch von Fotos, Videos und anderen Dateien zwischen zwei Handys via Near Field Communication (NFC). Nokia hat seit 2008 Handys mit NFC im Angebot. Diese in Europa noch kaum bekannte Technologie ist beim iPhone noch Zukunftsmusik und bei Android erst seit Version 4.0 ein relevantes Thema (Stichwort Android Beam).

Nokia Belle unterstützt austauschbare Mikro-SD-Speicherkarten bis 64 Gigabyte. Nokia-Handys können daher wie Android-Geräte als USB-Massenspeicher für alle möglichen Dateien genutzt werden. Ebenfalls praktisch: Der Webbrowser unterstützt Flash. Angesichts der zahlreichen Verbesserungen wäre eine einfache Update-Möglichkeit über WLAN mehr als wünschenswert gewesen. Doch genau hier muss Nokia passen. Das fast 300 Megabyte grosse Belle-Update muss über die PC-Software Nokia Suite installiert werden.

Nokia Belle in Aktion

Quelle: YouTube/9999schorsch

Nur vier Jahre Lebenserwartung

Neuerdings setzt Nokia mit der Lumia-Reihe (Lumia 800 und Lumia 710) auf Windows Phone als primäres Betriebssystem. Eher billige und Mittelklasse-Modelle wie die kürzlich erschienen Nokia 700 und 701 werden aber mit Nokia Belle ausgeliefert. Das eigene Betriebssystem wollen die Finnen laut eigenen Angaben noch bis 2016 weiterentwickeln. Spätestens in vier Jahren aber sollen alle Nokia-Handys mit dem moderneren und übersichtlicheren Betriebssystem Windows Phone laufen.

Das Fazit: Mit Belle liefert Nokia ein runderneuertes Betriebssystem für Mittelklasse-Handys ab, das sich endlich auf dem Niveau der Konkurrenz bewegt. Ein Problem beheben aber weder Nokia Belle noch Windows Phone: Für beide Betriebssysteme gibt es nur einen Bruchteil der Apps, die man vom iPhone oder Android her kennt.

So wird Nokia Belle installiert

Quelle: YouTube/Nokia

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