27.07.2020 04:54

Dank Mama und CoronaNora hat mit vier Monaten alle Kantonshauptorte besucht

Eigentlich wollte die gebürtige Weinfelderin Noemi Schramm nur für die Geburt ihrer Tochter in die Schweiz kommen und dann zurück in die neue Heimat nach Sierra Leone. Die Pläne änderten sich, die Familie reiste durch die ganze Schweiz.

von
Jil Rietmann
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Eine Familie aus Afrika konnte wegen Corona nicht zurück nach Sierra Leone reisen.

Eine Familie aus Afrika konnte wegen Corona nicht zurück nach Sierra Leone reisen.

Privat
Kurzfristig entschied sich die Familie, die geplanten Flitterwochen in der Schweiz zu verbringen.

Kurzfristig entschied sich die Familie, die geplanten Flitterwochen in der Schweiz zu verbringen.

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Auch die im März geborene Tochter Nora war mit dabei.

Auch die im März geborene Tochter Nora war mit dabei.

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Darum gehts

  • Eine frischgebackene Familie konnte wegen Corona nicht zurück nach Afrika, wo sie wohnt.
  • Noemi Schramm nutzte die Chance, ihrem Mann aus Senegal die Schweiz näherzubringen.
  • Die Tour durch die Schweiz ersetzte gleichzeitig die geplanten Flitterwochen.
  • Immer mit dabei war die eben erst geborene Tochter.
  • Als Nächstes steht für die Familie eine Tour de Senegal an.

Mit vier Monaten bereits alle Hauptorte der Kantone in der Schweiz gesehen zu haben, hat wohl kaum ein Baby schon erlebt. Nora, die Tochter der gebürtigen Weinfelderin Noemi Schramm und Serge Ndao aus Senegal hat seit der Geburt genau das erlebt. «Wir leben in Sierra Leone», sagte Schramm der «Thurgauer Zeitung». Für die Geburt ihrer Tochter seien sie aber in die Schweiz gekommen, damit sie bei der Geburt ihre Muttersprache sprechen kann.

Anfang des Jahres kam das Paar in die Schweiz. Die beiden heirateten und planten ihre Flitterwochen. Doch dann kam Corona. «Nora ist am ersten Tag des Lockdown geboren worden», so Schramm. Zurück nach Sierra Leone konnten sie nicht mehr, weil die Grenzen geschlossen waren. Auch die geplanten Flitterwochen fielen ins Wasser. «Mein Mann und ich reisen sehr oft. Ich habe deshalb Nora von Anfang an gesagt, dass sie ein unkompliziertes Kind sein muss, sonst funktioniert es nicht», lacht Schramm.

Tour de Suisse als Flitterwochen

Um ihrem Mann ihr Heimatland näherzubringen und doch noch Flitterwochen machen zu können, änderten sich die Pläne der gebürtigen Weinfelderin. Es kam zur Tour durch die Schweiz. Der Weg führte durch alle Kantone der Schweiz und deren Hauptorte. «Besonders gut gefallen haben uns Basel und Neuenburg, das sind sehr sympathische Städte. In Solothurn hat uns vor allem die Solothurner Torte angesprochen», so Schramm. Grundsätzlich habe aber einfach «das Unterwegssein» am meisten Spass gemacht, führt die 32-Jährige gegenüber 20 Minuten aus. Auch ihrem Mann hat es gut gefallen. Ihm seien besonders die schönen Türen und Brunnen aufgefallen.

Auch die frisch geborene Nora habe sich gut geschlagen während der Touren. «Das Zugfahren mochte sie sehr, und wir haben sie immer so getragen, dass sie auch etwas sieht», sagt die Mama. Einen kleinen Zwischenfall gab es aber trotzdem: «Als wir in Luzern waren, hatte Nora eine Schreiattacke um Mitternacht. Das hat den Nachbarn wohl nicht so gefallen», meint die Gesundheitsökonomin.

The Schramm Connection

Die schweizerisch-sierraleonische Stiftung von Noemi Schramm unterstützte ursprünglich den Bau und die Etablierung einer Sekundarschule in Kenema im Osten von Sierra Leone. Die Stiftung finanziert und bietet allgemeine Hilfe für junge Sierraleoner(innen). «Die Idee ist, den jungen Erwachsenen zu helfen, sich selbst zu helfen», schreibt die Stiftung auf ihrer Website. Beispiele sind, dass ein Computerkurs finanziert wird für junge Unternehmer, Startkapital zur Verfügung gestellt wird oder einfach nur zugehört und ermutigt wird. Die Stiftung will die Leidenschaft junger Leute fördern und helfen, ihre Ziele umzusetzen.

Jetzt ist Papas Land dran

Um eine schöne Erinnerung an die Flitterwochen durch die Schweiz zu haben, erstellt Schramm ein Memory mit den Bildern, die sie während der Tour gemacht hat. So kann sich Nora später die Bilder ansehen, denn daran erinnern, wird sie sich nicht.

Am Mittwoch hat sich die frischgebackene Familie auf den Rückweg nach Sierra Leone gemacht. Doch das Paar hat schon die nächste Idee für eine Familienreise, nämlich durch das Heimatland von Ndao – nach der Tour de Suisse soll eine Tour de Senegal folgen. «Richtige» Flitterwochen seien nicht mehr nötig, so Schramm. «Die Tour ging sechs Wochen, da haben wir so tolle Erlebnisse gehabt, das war ausgiebig genug.»

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36 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Nika

27.07.2020, 08:47

Bei einem solchen Artikel ist doch eon Shitstorm vorproramiert. Keine Ahnung warum hier die Kommentarfunktion geöffnet wurde. Sehr schade dass das zugelassen wird.

Wolfgang

27.07.2020, 08:43

Da kann und werde ich nicjt gutheissen

Scott

27.07.2020, 08:24

Haben die kein Instagram, um Ihren Geltungsdrang auszuleben und der Welt ihre immens wichtigen Aktivitäten mitzuteilen?