Nord-Stream-Explosionen waren Sabotageakt mit Sprengstoff

Aktualisiert

UntersuchungNord-Stream-Sabotage – «Sprengstoffrückstände an fremdartigen Objekten» gefunden

Eine Untersuchung kommt zum Schluss, dass die Schäden durch Sabotage verursacht wurden. Russland hat in der Vergangenheit schon mehrmals die Energiezufuhr gekappt, um Gebiete unter Druck zu setzen. 

von
Benedikt Hollenstein

Laut den schwedischen Behörden wurden die Lecks an den Nord-Stream-Pipelines durch Sabotage verursacht.

20min/al

Darum gehts

  • Eine schwedische Untersuchung hat «Sprengstoffreste an fremdartigen Objekten» bei den beschädigten Pipelines gefunden.

  • Moskau warf Grossbritannien vor, die Explosionen koordiniert zu haben.

  • Der Kreml hat in puncto Pipeline-Sabotage derweil eine Vorgeschichte.

Ermittler haben bei den beschädigten Nord-Stream-Pipelines Hinweise auf Sabotage gefunden. Wie die Nachrichtenagentur Reuters mit Berufung auf den leitenden schwedischen Staatsanwalt Mats Ljungqvist schreibt, seien vor Ort «Sprengstoffrückstände auf mehreren fremdartigen Objekten» gefunden worden. Nähere Angaben zur Art der Objekte und ihrer möglichen Herkunft gibt es derzeit nicht – laut den schwedischen Behörden werde eine laufende Untersuchung nun genauer unter die Lupe nehmen, ob es mögliche Verdächtige geben.

Bereits im Oktober kam eine Untersuchung, die von Dänemark in Auftrag gegeben wurde, zum Schluss, dass die Lecks an den beiden Pipelines durch starke Explosionen verursacht worden waren. Nach insgesamt vier Detonationen traten über Wochen Unmengen an Gas aus den Pipelines aus – insgesamt düften es mehr als 400’000 Tonnen Methan gewesen sein. Die Lecks befanden sich teils in der dänischen, teils in der schwedischen Wirtschaftszone, weshalb beide Länder den Vorfall untersuchten.

Moskau beschuldigt Grossbritannien

Für die Sabotage an den Pipelines, die russisches Gas bis nach Deutschland führen und den europäischen Energiemarkt versorgen, machte Russland nach dem Vorfall schnell die britische Regierung verantwortlich. So seien die Explosionen von Grossbritannien «gesteuert und koordiniert» worden. Aber auch der Kreml hätte wohl grosses Interesse daran, die sowieso schon prekäre Energielage in Europa weiter zu destabilisieren und so die Unterstützung für die Ukraine zu untergraben. Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass Russland durchaus dazu in der Lage ist.

So kam es im Januar 2006 an der Mosdok-Tbilisi-Pipeline in Georgien zu zwei Explosionen, woraufhin der Gastransport über längere Zeit eingestellt wurde. Der Sabotageakt ging einher mit der Kappung von Stromleitungen, die grosse Teile Georgiens in der Dunkelheit versinken liessen, und fand zu einem Zeitpunkt statt, als das Wetter in Georgien besonders kalt war. Im August 2008, kurz vor Ausbruch des Kaukasuskrieges, bei dem von Russland unterstützte Separatisten versuchten, Georgien an Russland anzuschliessen, kam es an einer Pipeline im Osten der Türkei zu einer weiteren Explosion. Laut dem US-Geheimdienst wurde die Explosion durch Softwaremanipulation, die von russischen Spezialtruppen durchgeführt worden war, ausgelöst.

Kreml hat Erfahrung mit Pipeline-Sabotage

Turkmenistan warf Russland derweil 2009 vor, absichtlich einen Schaden an einer Pipeline verursacht zu haben, die turkmenisches Gas nach Russland befördert. Damals nahm die Nachfrage nach Gas aus Europa ab, wodurch Russland nicht mehr auf den Einkauf von turkmenischem Gas zwecks Weiterverkauf an EU-Staaten angewiesen war. Laut turkmenischen Offiziellen habe Russland damals extra eine sogenannte «Vakuum-Bombe verursacht». Dabei werde der Gasfluss absichtlich ohne Vorwarnung eingestellt, was zu enormen Schäden an der Pipeline führen kann.

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