Aktualisiert 05.03.2008 13:46

Nordirland: «Dr. No» tritt zurück

Nordirlands Regierungschef Ian Paisley hat überraschend seinen Rücktritt angekündigt und damit das Ende einer Ära in der einstigen Konfliktregion eingeläutet.

Er werde nächsten Mai nach fast 40 Jahren auch den Posten als Chef der protestantischen Unionistenpartei DUP aufgeben, sagte der 81-Jährige am Dienstag in Belfast.

Nach einem jahrzehntelangen blutigen Konflikt hatte Paisley im Mai 2007 zusammen mit seinem Erzfeind Martin McGuiness, dem ehemaligen Kommandanten der Terrororganisation IRA und Politiker der pro-irischen Sinn Fein Partei, eine gemeinsame Regierung gebildet.

Die Entscheidung, gemeinsam zu regieren, wurde als Versöhnung zwischen den einst verfeindeten Protestanten und Katholiken in Nordirland gewertet. Nach fünf Jahren unter der Verwaltung aus London hatte Nordirland damit wieder eine eigene Regierung.

Dem Nordirland-Konflikt waren seit 1969 mehr als 3500 Menschen zum Opfer gefallen. Die Grundlage für die friedliche Lösung wurde 1998 durch das Karfreitagsabkommen gelegt, an dem neben den Konfliktgegnern auch die Regierungen in Dublin und in London beteiligt waren.

Berühmter Nein-Sager

Der britische Premier Gordon Brown würdigte Paisleys «riesigen Beitrag» zur Politik in Nordirland. Auch Browns Vorgänger Tony Blair, der zusammen mit Irlands Regierungschef Bertie Ahern massgeblich für den Friedensprozess verantwortlich war, strich Paisleys Verdiente heraus.

«Der Mann, der für sein «Nein» berühmt war, wird in die Geschichte eingehen, weil er «Ja» gesagt hat», erklärte Blair. Ahern sagte, er hoffe, die Zusammenarbeit mit Paisleys Nachfolger laufe ebenfalls «harmonisch» ab.

Mit dem Rücktritt gab Paisley dem seit längerem wachsenden Druck innerhalb seiner Partei nach. Dieser hatte auch mit der Rolle seines Sohnes zu tun, der wegen angeblichen Verbindungen zu Bauträgern in die Schlagzeilen geraten und als Juniorminister zurückgetreten war.

«Pakt mit dem Teufel» geschlossen

Paisley, auch «Dr. No» genannt, prägte über fünf Jahrzehnte die nordirische Politik. Er galt als besonders starrköpfiger Hardliner und hatte lange Zeit eine Vereinbarung mit der Sinn Fein-Partei als «Pakt mit dem Teufel» abgelehnt. Dann stimmte er - für viele überraschend - doch noch einer gemeinsamen Regierung zu.

Als wahrscheinlicher Nachfolger Paisleys gilt der DUP-Vizechef und nordirische Finanzminister Peter Robinson. Paisley wird nach eigenen Angaben Abgeordneter bleiben. (dapd)

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