Dürre-Alarm am Fluss Po: Norditalien will nachts das Trinkwasser beschränken

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Dürre-Alarm am Fluss PoNorditalien will nachts das Trinkwasser beschränken

Die Situation in der Lombardei und im Piemont ist dramatisch: Das Wasser geht im Einzugsgebiet des Flusses zur Neige. Nun soll die nächtliche Trinkwasserversorgung in 125 Gemeinden der Poebene eingestellt werden.

von
Karin Leuthold
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In den nördlichen Regionen Italiens herrscht Dürre.

In den nördlichen Regionen Italiens herrscht Dürre.

AFP
Der Pegel des Flusses Po ist auf ein Rekordtief gesunken.

Der Pegel des Flusses Po ist auf ein Rekordtief gesunken.

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Es ist die schwerste Dürre der letzten 70 Jahre im Norden des Landes.

Es ist die schwerste Dürre der letzten 70 Jahre im Norden des Landes.

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Darum gehts

Der Norden Italiens erlebt derzeit die schwerste Dürre der letzten 70 Jahren: Der Pegel des Flusses Po ist auf ein Rekordtief gesunken, nun fordern mehrere lokale Unternehmen, dass die nächtliche Trinkwasserversorgung in 125 Gemeinden der Poebene eingestellt wird. Der Antrag für Sofortmassnahmen zeigt, wie ernst die Lage ist, denn bald könnte es nicht genügend Wasser für die Kühlsysteme der Kraftwerke geben.

Die 125 Gemeinden liegen im Piemont und in der Provinz Bergamo. «In den Alpen liegt kein Schnee mehr», heisst es in einer Medienmitteilung von Utilitalia, dem Verband öffentlicher Dienstleister, die in den Bereichen Wasser, Umwelt, Strom und Gas tätig sind. Gletscher und hochgelegene Quellen halfen, die Unannehmlichkeiten im Mai abzufedern, aber in den vergangenen Monaten hat es kaum Niederschläge gegeben. Zudem sei die Nachfrage nach Wasser in der Ebene des Flusses Po wegen der hohen Zahl der Einwohner und Einwohnerinnen gross.

Tankwagen müssen Wasser bringen

Die Situation werde sich in den kommenden Jahren verschlimmern, warnt der Unternehmer-Verband, da die Nachfrage nach Wasser für landwirtschaftliche und industrielle Zwecke steigen werde und keine Reserven mehr vorhanden seien. «In Dutzenden von Gemeinden im Piemont und in der Lombardei sind bereits Tankwagen im Einsatz, um Wasser zu liefern, weil die Stauseen an Quellen angeschlossen sind, die es nicht mehr gibt», sagt Meuccio Berselli, Direktor der Po-Flussgebietsbehörde AdBPo zu «Corriere della Sera».

Erschwert wird die Lage wegen der überdurchschnittlich hohen Temperaturen. Der Betreiber des Stromnetzbetreibers Terna erklärte unterdessen, die Dürre habe die Stromerzeugung aus Wasserkraft zum Erliegen gebracht. 

30 bis 40 Prozent der Obstproduktion fällt aus

Die Landwirtschaft ist der am stärksten betroffene Sektor. Ein Drittel der nationalen Landwirtschaftsproduktion, vor allem Obst, Gemüse und Getreide, sind gefährdet. Es drohen Wasserrationierung und begrenzte Feldbewässerung, warnte der italienische Agrarverband Coldiretti gegenüber «La Repubblica». Nach Angaben des Bauernverbands Cia wird ein Rückgang der Obst- und Gemüseproduktion in der Poebene um 30 bis 40 Prozent erwartet. Bei Getreide dürfte der Ausfall noch höher liegen. 

Die Behörden weisen darauf hin, dass die Pegelstände aller Seen, mit Ausnahme des Gardasees, weit unter dem jahreszeitlichen Durchschnitt liegen. Der Pegel des Pos liegt fast drei Meter unter dem üblichen Durchschnitt: In Pontelagoscuro beträgt die Durchflussmenge 301 Kubikmeter pro Sekunde gegenüber dem historischen Minimum von 320. Im Kraftwerk der Gemeinde Ostiglia in der Provinz Mantua in der Lombardei wurde eine der drei Gruppen bereits abgeschaltet, weil das Wasser für die Kühlung des Kraftwerks nicht ausreicht. 

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