Nordkanada verbannt Raucher in die Kälte
Aktualisiert

Nordkanada verbannt Raucher in die Kälte

Was es heisst, die kalte Schulter gezeigt zu bekommen, können nordkanadische Raucher vom 1. Juni an neu erleben.

Denn von da an darf in den arktischen Northwest Territories und der Region Nunavut nur noch im Freien geraucht werden. Die Strafen reichen von umgerechnet knapp 50 Euro, wenn zu nah an Hauseingängen geraucht wird, bis zu 3.000 Euro für Geschäftsleute, die das Qualmen auf ihrem Gelände zulassen.

Das bereits am 1. Mai eingeführte, aber bislang noch nicht durchgesetzte Verbot scheint bereits Wirkung zu zeigen. In dem riesigen Gebiet von Alaska bis zum Atlantik wurden bislang nur wenige mündliche Verwarnungen ausgesprochen. Die Behörden sind überrascht. «Die Leute akzeptieren es wirklich. Sie sind sehr verständnisvoll», sagt die Anti-Raucher-Expertin Erin Levy, die für die Nunavut-Regierung in Iqaluit auf der Bassin-Insel arbeitet. Doch das könnte sich im Winter ändern, wenn die Temperaturen auf minus 40 Grad Celsius sinken. Ende Mai wird es in der 6.000-Einwohner-Stadt tagsüber oft nur 0 Grad warm und selbst an «heissen» Julitagen steigen die Temperaturen kaum über 18 Grad.

Einige Bars bauen bereits Raucherschutzhütten. Behörden zufolge haben sich die Wirtsleute und Gäste gut an das neue Verbot angepasst. «Ich glaube nicht, dass die Bars leerer sind als früher. Es gibt immer noch riesige Schlangen davor», sagt die Nichtraucherin Levy. Bereits 2002 wurde ein Rauchverbot für öffentliche Gebäude in Iqaluit eingeführt, dass jetzt auf Bars und Büros ausgedehnt wurde.

Das strenge Rauchverbot hat einen ernsten Hintergrund: Von den 68.000 Einwohnern, die meisten davon Eskimos, sind etwa 62 Prozent Raucher. Unter Teenagern sind es sogar 80 Prozent. Das Gesundheitssystem gibt viel Geld aus, um Krebspatienten in Krankenhäusern in Südkanada zu behandeln. Männer erkranken in dem Gebiet doppelt so häufig an Krebs wie normal, Frauen sogar vier Mal so häufig. Durch ihre rauchenden Eltern leiden Kleinkinder oft an Atemwegsinfektionen. (dapd)

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