Hochrangiger Überläufer berichtet – Nordkorea handelt mit Drogen und Waffen, um an Geld zu kommen
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Hochrangiger Überläufer berichtetNordkorea handelt mit Drogen und Waffen, um an Geld zu kommen

Das nordkoreanische Regime soll in den Drogen- und Waffenhandel involviert sein. Die Aussagen eines hochrangigen ehemaligen Ex-Offiziers Nordkoreas decken sich mit den Aussagen anderer Überläufer.

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Kim Jong-un ist seit Dezember 2011 in Nordkorea an der Macht.

Kim Jong-un ist seit Dezember 2011 in Nordkorea an der Macht.

AFP
Die Volksrepublik wird seit 1948 diktatorisch von der Familie Kim regiert. 

Die Volksrepublik wird seit 1948 diktatorisch von der Familie Kim regiert.

AFP
Nordkorea ist international weitestgehend isoliert und setzt auf militärische Abschreckung.

Nordkorea ist international weitestgehend isoliert und setzt auf militärische Abschreckung.

dpa

Darum gehts

  • Ein hochrangiger nordkoreanischer Offizier ist nach Südkorea übergelaufen.

  • Er berichtet, dass Nordkorea ein staatliches Drogenlabor unterhält.

  • Die Volksrepublik soll auch in illegale Waffendeals involviert sein.

  • Der Informant berichtet auch, wie Nordkorea Attentäter auf Staatsfeinde ansetzt.

Nordkorea soll nach Angaben eines Überläufers jahrelang mit staatlich organisiertem Drogenhandel Devisen für die Herrscherfamilie Kim beschafft haben. Er sei in den 1990er-Jahren mit der Aufgabe betraut worden, «revolutionäre Gelder» für den damaligen Machthaber Kim Jong Il zu beschaffen, sagte der Mann der BBC. Das bedeute Drogengelder.

Der Mann, der unter dem Pseudonym Kim Kug Song erstmals in der Öffentlichkeit auftrat, soll jahrelang für den nordkoreanischen Geheimdienst gearbeitet haben und nun für den südkoreanischen Geheimdienst tätig sein. Es ist das erste Mal, dass ein so hochrangiger Offizier aus Pyongyang einem grossen Sender ein Interview gegeben hat. Der Überläufer berichtet weiter, er habe auch Attentäter entsendet, um Kritiker zu töten.

Waffenverkäufe in den Nahen Osten und nach Afrika

Der Informant malt ein Bild einer nordkoreanischen Führung, die verzweifelt versucht habe, mit allen Mitteln Geld zu verdienen, vom Drogenhandel bis zu Waffenverkäufen in den Nahen Osten und nach Afrika.
Der Offizier sagt, dass im Mai 2009 befohlen worden sei, eine «Terror-Taskforce» zu bilden, um einen ehemaligen nordkoreanischen Beamten zu töten, der in den Süden übergelaufen war.

Zu dieser Zeit sei der jetzige Machthaber Kim Jong-un auf die Nachfolge seines Vaters Kim Jong-il vorbereitet worden, der einen Schlaganfall erlitten hatte. «Für Kim Jong-un war dies ein Akt, um seinen Vater zufrieden zu stellen», so der Informant.

«Es wurde eine Terrortruppe gebildet»

«Es wurde eine Terrortruppe gebildet, um Hwang Jang-yop im Geheimen zu ermorden. Ich persönlich habe die Arbeit geleitet und ausgeführt», so der Mann weiter. Jang-yop ist bis heute der ranghöchste Nordkoreaner, der nach Südkorea geflohen war. Er galt als Chefideologe Nordkoreas.

Doch das Attentat ging schief. Zwei nordkoreanische Militärangehörige verbüssen in Südkoreas Hauptstadt Seoul noch immer eine zehnjährige Freiheitsstrafe für das Attentat. Pyongyang hat stets bestritten, an dem Attentat beteiligt gewesen zu sein, und behauptet, Südkorea habe das Attentat inszeniert. Jang-yop verstarb 2010 im Alter von 87 Jahren in Seoul.

Die Aussagen des Überläufers über staatlich betriebene Drogenlabore in Nordkorea können nicht unabhängig überprüft werden, doch sie decken sich mit den Angaben anderer nordkoreanischer Überläufer. Auch Thae Yong Ho, der einst in der nordkoreanischen Botschaft in London gedient hatte, sprach 2019 auf der Menschenrechtskonferenz Oslo Freedom Forum von staatlich gefördertem Drogenhandel Nordkoreas.

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(dpa/job)

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