Aktualisiert 23.07.2019 16:33

CVP-Béglé verteidigt sichNordkoreaner «trinken Bier und amüsieren sich»

Die Nordkorea-Schwärmereien von CVP-Nationalrat Claude Béglé sorgten für scharfe Kritik. Jetzt erklärt er sich.

von
pam/daw
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Nordkoreas Herrscher Kim Jong-un ist wegen seiner Raketentests gefürchtet.

Nordkoreas Herrscher Kim Jong-un ist wegen seiner Raketentests gefürchtet.

Laut Amnesty International reicht der Mindestlohn in einigen Regionen gerade mal für ein Kilo Reis pro Monat. «Wer aufmuckst, dem droht Arbeitslager.»

Laut Amnesty International reicht der Mindestlohn in einigen Regionen gerade mal für ein Kilo Reis pro Monat. «Wer aufmuckst, dem droht Arbeitslager.»

AP/Wong Maye-e
Im kommunistischen Land leiden laut Amnesty International viele unter Mangelernährung.

Im kommunistischen Land leiden laut Amnesty International viele unter Mangelernährung.

AP/Charles Dharapak

Claude Béglé macht Ferien in Nordkorea. Er besuchte mitunter eine Seidenspinnerei und war angetan. Auf Twitter schrieb er: Die Löhne seien tief, aber «alles wird kostenlos vom Staat zur Verfügung gestellt: der Reis und die wichtigsten Grundnahrungsmittel, die Unterkunft, die Gesundheit, die Bildung. Und es funktioniert um einiges besser, als man es sich hätte vorstellen können». Dafür wurde er scharf kritisiert: Er sei in die Propaganda-Falle getappt, warf ihm etwa Amnesty International vor. Auch die CVP Waadt ging auf Distanz zu seinen Aussagen.

Jetzt nimmt Béglé auf Twitter ausführlich Stellung. Er sei nach Nordkorea gereist mit mehreren Zielen: Er wolle mit eigenen Augen sehen und verstehen, was im Land ablaufe, sich ein Bild vom Friedensprozess und der atomaren Abrüstung machen. Es handle sich um eine private Reise. Die Kommentare beträfen einzig ihn selbst.

Er betont, die Organisation der Reise sei zwar vom Regime sichergestellt worden, er habe sich in Nordkorea aber immer frei bewegen können, ohne Begleiter. Er habe sich in Wohnquartieren seiner Wahl unter die Leute mischen können. «Man hat mich gewähren lassen.» Er habe das Regime auch aufgefordert, dass er die weniger schönen Seiten des Landes sehen könne. «Ich bin in Fabriken, auf Märkte und aufs Land gegangen», schreibt Béglé. Er habe die Normalbürger Nordkoreas nicht als unterdrückt wahrgenommen, so der Nationalrat. «Sie mögen es, Bier zu trinken und sich zu amüsieren.»

Auf die Kritik an den Tweets geht er nicht ein, schreibt aber, die Situation in Nordkorea sei viel komplexer als man sich vorstellen könne. «Auf der einen Seite handelt es sich um ein kommunistisches System, das sich von der Öffentlichkeit abschottet», so Béglé. Andererseits müsse man in Betracht ziehen, dass Nordkorea nach 1945 eine erniedrigende Beherrschung durch Japan erlitten habe.

Béglé schliesst damit, dass er immer noch in Nordkorea sei und nur beschränkten Zugang zu Kommunikation habe. Es werde einfacher sein, seinen Standpunkt nach der Rückkehr zu erklären. «Nichts ist einfach hier, aber alles ist sehr interessant.»

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