Berater von Kim Jong-Un: Nordkoreas Armeechef entlassen

Aktualisiert

Berater von Kim Jong-UnNordkoreas Armeechef entlassen

Eine mysteriöse «Krankheit» zwingt den nordkoreanischen Armeechef Ri Yong Ho überraschend in die Knie. Er wurde all seiner Aufgaben entbunden. Details zur Nachfolge gaben die Behörden keine bekannt.

Kim Jong-Un, Armeechef Ri Yong Ho und der 2011 verstorbene Kim Jong-Il (von links nach rechts) in einer Aufnahme von 2010.

Kim Jong-Un, Armeechef Ri Yong Ho und der 2011 verstorbene Kim Jong-Il (von links nach rechts) in einer Aufnahme von 2010.

Rund ein halbes Jahr nach dem Führungswechsel in Nordkorea hat das Regime des kommunistischen Landes überraschend Armeechef Ri Yong Ho entmachtet. Grund für die Absetzung sei die angeschlagene Gesundheit des Vize-Marschalls, meldete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA am Montag.

Das Politbüro der herrschenden Arbeiterpartei beschloss bei einem Treffen am Sonntag in Pjöngjang, Ri aus allen seinen Ämtern zu entlassen, wie KCNA berichtete. Genauere Angaben zu seinen gesundheitlichen Problemen wurden keine gemacht. Auch zu Ris Nachfolge äusserten sich die staatlichen Medien nicht.

Ri sei unter anderem aus dem «Präsidium des Politbüros» entfernt und von seinem Posten als «Vizevorsitzender der zentralen Militärkommission» der Partei entbunden worden, hiess es.

Sprecherin des Ministeriums: «Ungewöhnlicher Vorgang»

Von seinem Posten als Armeechef, den er 2009 übernommen hatte, war darin nicht ausdrücklich die Rede.

Doch könne man davon ausgehen, dass Ri auch nicht mehr Generalstabschef der Volksarmee sei, hiess es aus Regierungskreisen in Seoul. Das südkoreanische Verteidigungsministerium wollte dazu keine Stellung nehmen.

Die Tatsache, dass Ri zunächst alle seine Ämter verloren habe und dies nur einen Tag später bekanntgemacht worden sei, sei ein «ungewöhnlicher Vorgang», sagte eine Sprecherin des Ministeriums für Vereinigung in Seoul. Die Situation in Nordkorea werde weiter «mit Interesse» verfolgt.

Mitglied des engsten Führungszirkels

Der Vize-Marschall galt als Vertrauter des im Dezember gestorbenen Machthabers Kim Jong-Il, aber auch von dessen Sohn und Nachfolger Kim Jong-Un. Ri war einer von sieben ranghohen Vertretern aus Partei und Militär, die bei dem Trauerzug für Kim Jong-Il mit dem neuen Machthaber direkt neben dem Wagen mit dem Sarg liefen.

Der 69-Jährige galt deshalb als eines der Mitglieder des engsten Führungszirkels in Pjöngjang, die Kim Jong-Un bei der Übernahme der Macht unterstützten. Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt zu Ehren von Staatsgründer Kim Il-Sung vor einer Woche wirkte Ri gesundheitlich nicht angeschlagen.

Ri wurde in den vergangenen Monaten regelmässig an der Seite von Kim Jong-Un gesehen. Ihr Verhältnis zueinander wurde angesichts zahlreicher gemeinsamer Besuche bei den Streitkräften als vertrauensvoll interpretiert.

Beobachter erwarten weitere Entlassungen

Beobachter vermuteten hinter der Entlassung des Armeechefs mehrere Gründe. Womöglich sei er bei Kim Jong-Un in Ungnade gefallen oder habe einen Machtkampf innerhalb des Militärs verloren, sagte Yang Moo Jin von der Universität für Nordkorea-Studien in Seoul. Paik Hak Soon vom Sejong-Institut mutmasste, das Kim Jong-Un mit der Entlassung Ris die Hoheit der Arbeiterpartei über das einflussreiche Militär stärken wolle.

Beobachtern zufolge dürften in den nächsten Wochen weitere Köpfe rollen. Es wird damit gerechnet, dass Kim Jong-Un ältere Mitglieder der Führungsriege aus der Ära seines Vaters nach und nach gegen jüngere Vertreter auswechseln wird.

Führung unter massivem Druck

Kim Jong-Un war nach dem Tod seines Vaters im Dezember vergangenen Jahres zum neuen Machthaber des verarmten und international isolierten Landes aufgestiegen.

Experten zufolge steht die neue Führung unter massivem Druck, die Legitimität ihrer Herrschaft zu unterstreichen und zugleich gegen die weit verbreitete Unzufriedenheit der Bevölkerung vorzugehen. In der Amtszeit seines Vaters war es mit der Wirtschaft des Landes rapide bergab gegangen. (sda)

Deine Meinung