Menschenrechtslage in Katar: Haaland und Co mit Katar-Protestshirt vor WM-Quali-Spiel
Publiziert

Menschenrechtslage in KatarHaaland und Co mit Katar-Protestshirt vor WM-Quali-Spiel

Norwegen nutzte das erste WM-Quali-Spiel für eine stille Botschaft zur Menschenrechtslage bei WM-Gastgeber Katar.

1 / 4
Bei der Nationalhymne zeigten sich die Norweger mit der Aufschrift «Human rights – On and off the pitch» (Menschenrechte – auf und neben dem Platz). 

Bei der Nationalhymne zeigten sich die Norweger mit der Aufschrift «Human rights – On and off the pitch» (Menschenrechte – auf und neben dem Platz).

imago images/Bildbyran
Das ganze Team machte mit. 

Das ganze Team machte mit.

imago images/Bildbyran
Martin Ödegaard and Erling Haaland diskutieren. 

Martin Ödegaard and Erling Haaland diskutieren.

imago images/Bildbyran

Darum gehts

  • Norwegen zeigte in Gibraltar eine Botschaft an WM-Gastgeber Katar.

  • Auf ihren Shirts stand «Respect – On and off the pitch».

  • Norwegische Clubs hatten im Februar zum Boykott der WM aufgerufen.

  • In der Schweiz gibt es solche Boykott-Forderungen bisher nicht.

Die norwegische Nationalmannschaft hat ihr erstes Qualifikationsspiel zur Weltmeisterschaft 2022 für eine stille Botschaft zur Menschenrechtslage bei WM-Gastgeber Katar genutzt. Der neue Kapitän Martin Ödegaard, BVB-Stürmer Erling Haaland und ihre Teamkollegen trugen beim Aufwärmen vor der Begegnung gegen Gibraltar (3:0-Sieg Norwegens) zunächst weisse T-Shirts mit der Aufschrift «Respect – On and off the pitch» (Respekt – auf und neben dem Platz). Später hatten sie bei der Nationalhymne ähnliche Shirts mit dem Schriftzug «Human rights – On and off the pitch» (Menschenrechte – auf und neben dem Platz) an.

Auch der neue Nationalcoach und frühere Kölner Stale Solbakken trug eines der Shirts. «Es geht ein wenig um das, worüber wir gesprochen haben, dass wir einen Fokus auf das legen wollen, was ausserhalb des Feldes diskutiert worden ist», sagte er dem norwegischen Sender TV2. «Ich gehe mit gutem Beispiel voran.» Solbakken hatte bereits vor der Partie verraten, dass er und seine Spieler die Katar-Problematik diskutiert und sich auf eine Aktion verständigt hätten. Laut Ödegaard stand die gesamte Mannschaft dahinter. Alle seien sich einig, dass das, was in Katar passiert sei und passiere, nicht gut sei, hatte der offensive Mittelfeldspieler des FC Arsenal gesagt.

In der Schweiz keine Boykott-Forderungen

Die Debatte über die umstrittene WM-Vergabe nach Katar läuft seit Wochen in Norwegen. Ende Februar hatte eine Reihe von norwegischen Erstliga-Clubs das Nationalteam aufgerufen, die WM im Fall einer Qualifikation zu boykottieren. Der norwegische Fussballverband hält am 20. Juni eine Sonderversammlung zur Frage eines WM-Boykotts ab.

Der Schweizerische Fussballverband SFV äusserte sich auf Anfrage von 20 Minuten zu einem möglichen Boykott folgend: «In der Schweiz gibt es seitens der Clubs keine Boykott-Forderungen. Wir stehen bezüglich der Arbeiterrechte in Katar schon länger im Austausch mit der Fifa und auch mit Amnesty International. Grundsätzlich sind wir wie der norwegische Verband der Meinung, dass mittels Dialog nachhaltig mehr erreicht werden kann, als über einen Boykott.»

Der Nati-Fan-Club «Freunde der Schweizer Fussball-Nationalmannschaften» schrieb ebenfalls auf Anfrage: «Wir haben von den Fan-Boykotten in diversen europäischen Ländern Kenntnis genommen und verfolgen die weitere Entwicklung. Der Vorstand der Amici wird sich zu gegebener Zeit ebenfalls mit diesem Thema befassen und sich als Gremium eine Meinung bilden. Für unsere Organisation steht derzeit vorerst im Vordergrund, dass wir eine Perspektive erhalten, wann bei den Länderspielen der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft wieder mit Publikum gespielt werden kann und wir als Verein unsere Aktivitäten wieder aufnehmen und den Puls der Fans wieder spüren können.»

Ausbeutung von Gastarbeitern

Die Fussball-WM 2022 war 2010 an das reiche Emirat vergeben worden. Das Land steht international immer wieder wegen der Ausbeutung von Gastarbeitern in der Kritik. Nach Recherchen des «Guardian» sind in den vergangenen zehn Jahren mehr als 6500 Gastarbeiter aus fünf asiatischen Ländern gestorben. Katars Regierung erklärt hingegen, dass sie in den vergangenen Jahren mit Reformen die Lage der Arbeiter deutlich verbessert habe. Auch Menschenrechtler räumen Fortschritte ein, mahnen aber, die Reformen würden unzureichend umgesetzt.

(dpa/hua)

Deine Meinung