«SRF am Gotthard»: Nostalgiefahrt für Zug-Fan «eine Katastrophe»
Aktualisiert

«SRF am Gotthard»Nostalgiefahrt für Zug-Fan «eine Katastrophe»

Im Rahmen der SRF-Sendung «Schweiz Aktuell am Gotthard» konnten Bahn-Fans mit einem Dampfzug die alte Bergstrecke befahren. Die Rückfahrt verkam zum Fiasko.

von
bee/daw
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Mit Volldampf voraus: Die Dampflok C5/6 2978 aus dem Jahr 1917 fährt im Rahmen der SRF TV-Sendung «Schweiz Aktuell am Gotthard» von Erstfeld über die Gotthard Bergstrecke nach Biasca ins Tessin. (28. Juli 2016)

Mit Volldampf voraus: Die Dampflok C5/6 2978 aus dem Jahr 1917 fährt im Rahmen der SRF TV-Sendung «Schweiz Aktuell am Gotthard» von Erstfeld über die Gotthard Bergstrecke nach Biasca ins Tessin. (28. Juli 2016)

Keystone/Urs Flueeler
Im Hintergrund die bekannte Kirche von Wassen im Kanton Uri.

Im Hintergrund die bekannte Kirche von Wassen im Kanton Uri.

Keystone/Urs Flueeler
Viele Eisenbahnfans stehen an der Bahnstrecke, um den Dampfzug zu sehen.

Viele Eisenbahnfans stehen an der Bahnstrecke, um den Dampfzug zu sehen.

Keystone/Urs Flueeler

Mit einer alten Dampflok den legendären Gotthard überqueren – für viele Bahnfans ein Traum. In der SRF-Sendung «Schweiz Aktuell am Gotthard» wurde er für mehrere hundert Gäste wahr. In einem Zug aus dem Jahr 1917 traten sie am Donnerstag die Reise zwischen Biasca TI und Erstfeld UR an, genossen die Berglandschaft oder liessen sich im Speisewagen wie vor 100 Jahren verwöhnen.

Während bei der ersten Fahrt, bei der das Schweizer Fernsehen auch gedreht hatte, alles nach Plan verlief, war das Erlebnis für die in Biasca für die Rückfahrt zugestiegenen Fahrgäste weniger gelungen. Leser-Reporter S. F.* aus Olten bezahlte für sich und seine Begleitung 316 Franken für die Fahrt -– und ist von den Veranstaltern schwer enttäuscht. «Der Dampfzug startete ohne uns bekannten Grund schon mit einer erheblichen Verspätung in Biasca. Anschliessend ging es nur stockend weiter.»

Verspätung und technische Probleme

In Rodi-Fiesso TI habe man den Passagieren dann mitgeteilt, dass für all diejenigen, die noch am selben Tag zurück in die Deutschschweiz gelangen möchten, die Reise hier zu Ende sei. «Wir mussten den Zug von Biasca nach Erstfeld nach einem gefühlten Fünftel der Fahrt bereits wieder verlassen – mit einer zweistündigen Verspätung», so der Leser-Reporter, «es war eine Katastrophe.»

F. hält das Vorgehen für völlig inakzeptabel. «Wir wurden nicht nur um ein Erlebnis geprellt, auf das wir uns seit Wochen gefreut hatten. Wir haben auch sehr viel Geld an ein Unternehmen verloren, das sein Versprechen nicht hielt – abgesehen vom Schinken und der Crème-Schnitte.»

Wie 20 Minuten in Erfahrung brachte, war F. nicht der einzige, der sich beim Veranstalter beschwerte. Uri Tourismus, das die Tickets verkauft hatte, bestätigte, dass es eine Reihe von Reklamationen gab. In einem E-Mail an die betroffenen Passagiere bedauert das Unternehmen den Vorfall auch im Namen von SRF. «Leider kam es bei Ihrer Fahrt zu einer erheblichen Verspätung, der Fahrplan konnte nicht eingehalten werden.»

«Wir sind bestrebt, eine Lösung zu finden»

Und weiter: Es sei grundsätzlich keine leichte Aufgabe, beim dichtgedrängten Fahrplan des Personen- und Güterverkehrs auf der Gotthardstrecke, einen Dampfzug einzuplanen, der bergauf nur 30-40 km/h fährt. «In Bellinzona kam es laut SBB zu einem Rückstau von Güterzügen, der von Norden her abgebaut werden musste. Daher kam es bereits in Biasca zur Verspätung bei der Abfahrt. Unterwegs gab es zusätzlich noch technische Probleme beim Wasserfassen in Faido, was zur weiteren Verzögerung führte.»

Beim Schweizer Fernsehen ging lediglich eine Reklamation ein. Wie Mediensprecher Stefan Wyss auf Anfrage sagt, habe man über die Ticketverkaufsstelle Uri Tourismus aktiv den Dialog mit den betroffenen Passagieren gesucht und diese von sich aus angeschrieben. «Ihnen wurden die Gründe für die Verspätung erklärt, zudem haben wir uns dafür entschuldigt», so Wyss. Daraufhin hätten sich einige Reisende bei Uri Tourismus gemeldet.

Ob der frustrierte F. das Geld für die Fahrt zurückbekommt, ist offen. Wyss sagt aber: «Wir sind bestrebt, zusammen mit den SBB eine gute Lösung zu finden.»

*Name der Redaktion bekannt. (bee/daw/20 Minuten)

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