Druckmaschinen bereit: Notenbanken wappnen sich für den Euro-Crash
Aktualisiert

Druckmaschinen bereitNotenbanken wappnen sich für den Euro-Crash

Niemand gibt es offen zu, denn nur schon die geäusserte Absicht könnte zum Desaster führen. Dennoch bringen mehrere Zentralbanken Europas das Auseinanderbrechen der Euro-Zone vor.

von
Sandro Spaeth
Wie lange hält der Euro noch? Zentralbanken rüsten sich fürs Äusserste.

Wie lange hält der Euro noch? Zentralbanken rüsten sich fürs Äusserste.

Bricht der Euro auseinander, wäre Europa politisch gescheitert. Dieser Tage versuchen die 27 EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel erneut die Rettung. Der Kampf gehe in die entscheidende Phase, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn bereits Anfang Dezember. Offiziell sehen die Regierungen und Notenbanken keine Alternative zum Euro, denn nur schon die Äusserung des Gedankens vom Euro-Zusammenbruch könnte zum Desaster, zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden.

Im Hintergrund rüsten sich aber verschiedene europäische Zentralbanken für einen Austritt aus der Eurozone. Sie haben den Zusammenbruch der Währungsunion längst durchgerechnet. Das renommierte und stets gut informierte «Wall Street Journal» berichtet unter Berufung auf einen Insider, dass sich einige Notenbanken bereits darum kümmern würden, wo sie ihre neuen Währungen drucken könnten.

Montenegro und Irland rüsten sich

Insbesondere die Zentralbank Irlands halte Ausschau nach zusätzlichen Kapazitäten zum Gelddrucken, falls plötzlich wieder eine eigene Währung eingeführt werden müsste. Irland ist einer der pleitegefährdeten Staaten in der Eurozone und war das erste Land, das 2010 unter den Rettungsschirm flüchtete, sprich um Notkredite gebettelt hatte. Die Vorsichtsmassnahme der Bank of Ireland erstaunt, weil ein Euro-Austritt bisher nie ein Thema war.

Ganz anders in Athen. Selbst Angela Merkel hatte den Griechen mit dem Rausschmiss gedroht. Würde die schuldengeplagte Nation die Eurozone verlassen müssen, sollte die griechische Notenbank laut «Wall Street Journal» über genügend Druckmaschinen verfügen, um wieder eigene Noten herzustellen.

Angeblich ist auch die Notenbank Montenegros in Sorge. Der Kleinstaat ist zwar nicht Mitglied der Eurozone, benützt die Gemeinschaftswährung aber als offizielles Zahlungsmittel. Die Zentralbank-Ökonomen denken nun an Szenarien wie die Übernahme einer anderen oder die Einführung einer eigenen Währung.

Widmer-Schlumpf: «Wir sind vorbereitet»

Der mögliche Euro-Crash beschäftigt aber auch die Schweizerische Nationalbank (SNB). Für sie hätte ein Zusammenbruch massive Konsequenzen. Der Schweizerfranken dürfte unter starken Aufwertungsdruck geraten, da Anleger aus aller Welt in die sichere helvetische Währung flüchten würden. Seit dem 6. September verteidigt die SNB eine Kursuntergrenze zum Euro von 1.20 Franken und betont immer wieder, dass man notfalls bereit wäre, unbegrenzt zu intervenieren. «Im Falle eines Auseinanderbrechens der Eurozone dürfte die SNB aber Mühe haben, die Marke von 1.20 zu verteidigen», so UBS-Schweiz-Chefökonom Daniel Kalt zu 20 Minuten Online.

Bei der SNB gibt man sich auf Fragen zu Szenarien für den Fall eines Euro-Crashs zugeknöpft. «Die SNB prüft permanent alle Massnahmen, die zur Erfüllung ihres gesetzlichen Mandates nötig sind», sagt SNB-Sprecher Walter Meier. Etwas konkreter äusserte sich am Mittwoch Eveline Widmer-Schlumpf im Parlament. «Wir sind selbstverständlich auf mögliche Alternativen vorbereitet und haben Szenarien entwickelt». Laut der Finanzministerin verfolgt eine Expertengruppe aus SNB, Finma und Finanzdepartement die Entwicklung und plant die notwendigen Massnahmen.

Prognose des Schwarzmalers

Selbst die Grossbanken scheinen am Euro zu zweifeln. So rät der US-Bankriese JP Morgan seinen Anlegern, sich gegen den Euro-Kollaps abzusichern. Die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenbruchs beträgt laut den JP-Morgan-Spezialisten 20 Prozent. Noch pessimistischer ist der US-Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini. In seinem Blog beziffert er die Wahrscheinlichkeit eines Crashs der Eurozone während der nächsten zwei bis drei Jahre auf 50 Prozent. Soll man ihm glauben? Immerhin ist Roubini einer der ganz wenigen, die die Finanzkrise vorausgesagt haben.

Deutsche trauen dem Euro nicht mehr

Unsere nördlichen Nachbarn bangen wegen der Schuldenkrise um den Wert ihres Geldes. Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts TNS Infratest gaben 89 Prozent an, sie befürchteten einen Anstieg der Lebensunterhaltskosten. 46 Prozent rechnen ausserdem mit inflationsbedingten Vermögensverlusten. Auch das Vertrauen in den Euro hat gelitten. 33 Prozent der Befragten sthen der Gemeinschaftswährung skeptisch gegenüber. Nur 30 Prozent haben weiterhin Vertrauen in den Euro.

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