NY wartet auf «Irene»: «Notfalls nageln wir die Fenster mit Brettern zu»
Aktualisiert

NY wartet auf «Irene»«Notfalls nageln wir die Fenster mit Brettern zu»

Das bange Warten auf den Hurrikan «Irene» hat New York in Stille getaucht. Eine Leser-Reporterin berichtet wie es war, als der Sturm die Metropole bedrohte.

von
A. Mustedanagic

New York schläft nicht und New York ruht niemals, doch jetzt ist es ruhig in der Millionenmetropole. Nur einige letzte Wagemutige sind auf der Strasse, nur einige wenige Autos fahren durch die gespenstisch leere Stadt. «Es ist eine komische Stimmung», berichtet Leser-Reporterin Kaja Eggenschwiller. Die 24-Jährige sitzt in ihrer WG in Manhattan und wartet auf Hurrikan «Irene».

Die Vorboten des Tropensturms haben den Big Apple bereits erreicht: «Es regnet und windet heftig», berichtet Eggenschwiler kurz vor 4 Uhr Ortszeit. Noch erinnere das Wetter aber mehr an ein heftiges Sommergewitter, als an einen Hurrikan. «Ob und wie heftig es wird, weiss aber niemand so genau.» Das Auge des Wirbelsturms befand sich zu diesem Zeitpunkt immer noch 190 Kilometer südwestlich von New York und bewegte sich mit etwa 30 Kilometern pro Stunde auf die Millionenstadt zu.

Windböen von 120 km/h

Wie das Nationale Hurrikanzentrum in Miami mitteilte, verliert «Irene» auf leicht an Kraft. Die Sturmwarnung wurde von Kategorie 3 auf 1 herabgesetzt, die Windböen erreichten allerdings immer noch eine Spitzengeschwindigkeit von 120 Kilometer pro Stunde und es mussten über 370 000 Menschen evakuiert werden.

Irene hat ihre Macht bereits demonstriert: In den Staaten North Carolina und Virginia gingen 30 Zentimeter Regen nieder. Fast 1,9 Millionen Haushalte sind bereits ohne Strom. Mindestens zehn Menschen kamen bislang ums Leben, darunter zwei Kinder (siehe Infobox). Erreicht der Hurrikan die Millionenmetropole mit seiner vollen Wucht, könnte die bisherige Bilanz nur ein Bruchteil der Katastrophe sein.

Witze, Partys und die Hoffnung auf eine Übertreibung

Noch sind die New Yorker aber relativ ruhig, sagt Eggenschwiler. In der Bar in ihrer Nachbarschaft hätten die meisten darüber gewitzelt, dass sie sich ein nettes Fresspaket zusammenstellen, mit Unterahltung ausstatten und das Wochenende drinnen verbringen. Andere haben sich zu Hurrikan-Partys versammelt und hoffen, dass die Schliessung der Subway und die Evakuierungen eine Überreaktion der Behörden seien. «Dieses Windchen soll ein Hurrikan sein – hahah», schreiben sie etwa auf Facebook. Viele New Yorker haben sich auch einfach hingelegt, sagt Eggenschwiler. Für sie wird der neue Tag zeigen, ob die Befürchtungen sich bewahrheitet haben.

Eggenschwiler und ihre WG-Gspännli haben sich sicherheitshalber vorbereitet: Sie haben Taschenlampen, Dosenfutter und viel Wasser eingekauft, wie die Behörden es empfohlen haben. Die Schlangen in den Läden am Freitag reichten teilweise vom Eingang bis um einen Block herum. «Man ging in der Warteschlangen durch den Laden», sagt Eggenschwiler. Am Samstag blieben viele Läden zu, weshalb es in den wenigen geöffneten nicht besser aussah.

Angst hat die 24-Jährige nicht, sie ist eher wie der Rest von New York gespannt darauf, was kommt. «Wir wurden genug früh informiert, konnten uns vorbereiten und die möglichen Gefahren durchdenken.» Sie haben Bretter für die grossen Fenster in ihrer Wohnung gekauft. «Notfalls könnten wir sie damit zu nageln.» Sollte auch das nicht mehr gehen, würden sie sich in die beiden Zimmer ohne Fenster zurückziehen. «Wir wissen, dass es laut werden wird», sagt Eggenschwiler. Das sei aber auch die einzige Gewissheit in den kommenden Stunden.

Impressionen aus New York:

Impressionen aus North Carolina:

Stimmen zum Hurrikan:

(Videos: Youtube)

«Irene» tötet zehn Menschen

Die Zahl der Toten durch Hurrikan «Irene» in den USA ist im Laufe des Sonntags auf zehn gestiegen. Die meisten Opfer wurden von entwurzelten Bäumen, herabfallenden Ästen oder herumfliegenden Trümmerteilen erschlagen, wie der Nachrichtensender CNN am Sonntag berichtete. Allein fünf Todesopfer habe es in North Carolina gegeben, drei weitere in Virginia. In Queenstown im Bundesstaat Maryland sei eine Frau in ihrem Haus ums Leben gekommen, als ein umstürzender Baum den Schornstein traf und durch das Dach drückte. Auch der Tod eines 55 Jahre alten Surfers bei starkem Wellengang vor der Küste Floridas wurde «Irene» zugeschrieben. Unter den Toten sollen auch zwei Kinder sein.

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