15.01.2019 05:57

Mehr SicherheitNotrufknopf soll jetzt Prostituierte schützen

Sexbetriebe im Kanton Luzern sollen sicherer werden. Dazu gehören Notrufknöpfe, mit denen Prostituierte Alarm schlagen können. Eine Expertin begrüsst dies.

von
mik

In einem Wolhuser Bordell sind Notknöpfe bereits installiert und sollen für mehr Sicherheit sorgen. (Video: 20 Minuten)

Sexsalons mit mehr als einer Person sollen im Kanton nur noch mit Bewilligung betrieben werden dürfen. Im neuen Gesetzesentwurf der Regierung heisst es, dass die Etablissements Mindestandards erfüllen müssten um eine Bewilligung zu erhalten. Vorgesehen seien etwa Notrufknöpfe und Kameras am Eingang. Zudem soll es der Polizei jederzeit möglich, sein Bordelle zu kontrollieren.

Hintergrund der strengeren Kontrollen ist, dass laut Schätzung der Polizei im Kanton rund ein Drittel der 600 Sexarbeitenden illegal im Land sind oder arbeiten. 80 Prozent der Sexbetriebe könnten nicht kontrolliert werden, da sie nicht gastgewerblich bewilligungspflichtig sind und falls kein ausreichender Verdacht auf strafbare Handlungen bestehe.

Wolhuser Bordell machts vor

Im Wolhuser Etablissement Bar Moulin Rouge sind Massnahmen zur Sicherheit schon seit Jahren Tatsache: Die Eingänge und Flure sind mit Kameras ausgestattet, in jedem Zimmer befindet sich ein versteckter Notrufknopf. Die Frauen können diesen drücken, wenn sie sich in einer schwierigen Situation befinden. «Das können Probleme mit dem Freier sein oder auch, wenn jemand krank ist und Hilfe benötigt», sagt der Geschäftsführer. Nach dem Knopfdruck werde ein Alarm an die Bar weitergeleitet und das Personal sehe, in welchem Zimmer es Probleme gibt. «Wir können so direkt kontrollieren, wo etwas nicht stimmt und eingreifen», so der Geschäftsführer. Laut ihm musste der Knopf aber noch nie wegen einem aggressiven Freier gedrückt werden.

«Problematisch für kleinere Betriebe»

Birgitte Snefstrup, Geschäftsführerin des Vereins Lisa, der sich für die Interessen von Sexarbeitenden einsetzt, begrüsst den Gesetzentwurf: «Für uns ist die Sicherheit der Sexarbeitenden am wichtigsten. Notrufknöpfe und Kameras sollten eingeführt werden.»

Betreffend Polizei-Kontrollen sei es allerdings vor allem bei kleinen Bordellen kritisch, wenn jederzeit die Polizei vor der Tür stehen kann. «Die meisten Frauen leben und arbeiten aus finanziellen Gründen am selben Ort. Wenn die Polizei zu jeder Zeit kontrollieren darf, kann die Privatsphäre nicht gewahrt werden», sagt sie. Problematisch seien auch die administrativen Hürden für kleine Betriebe.

Der Kanton hat diese Argumentation zum Teil in den Gesetzesentwurf einfliessen lassen: Als Resultat der Vernehmlassung verzichtet die Regierung auf die Bewilligungspflicht für Ein-Personen-Betriebe. Einerseits sei dort die Gefahr der Ausbeutung geringer, anderseits könnten diese durch den bürokratischen Aufwand in die Illegalität gedrängt werden.

«Es droht Verlust der Selbständigkeit»

Snefstrup sieht ihre Forderungen «nur teilweise» erfüllt. «Es ist zwar gut, dass allein arbeitende Frauen von der Bewilligungspflicht ausgenommen sind. Es handelt sich zum Beispiel um Frauen, die nicht möchten, dass ihre Vermieter von ihrer Erwerbstätigkeit erfahren.» Allerdings kenne sie viele Sexarbeiterinnen, die zu zweit oder zu dritt in einer Wohnung arbeiten.

Müssten diese ihren Betrieb bewilligen lassen, drohe ihnen unter Umständen der Verlust ihrer Selbstständigkeit, da sie ihre Wohnung verlieren könnten. Deshalb forderte Lisa im Vorfeld, dass die Regelung erst ab einer Etablissement-Grösse von mehr als drei Mitarbeitenden in Kraft treten soll.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.