«Voodoo»-Studie – Novak Djokovics Firma für Virus-Forschung – Prädikat unseriös
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«Voodoo»-StudieNovak Djokovics Firma für Virus-Forschung – Prädikat unseriös

Der serbische Tennisstar Novak Djokovic hält Anteile an einer Firma, die eine Therapie gegen das Coronavirus entwickeln will. Doch es gibt Zweifel an der Seriosität des Unternehmens.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Novak Djokovic soll im Juni 2020 an der Gründung eines dänischen Biotech-Unternehmens beteiligt gewesen sein.

Novak Djokovic soll im Juni 2020 an der Gründung eines dänischen Biotech-Unternehmens beteiligt gewesen sein.

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Laut dem dänischen Unternehmensregister halten Djokovic und seine Frau Jelena 80 Prozent der Anteile an der Firma.

Laut dem dänischen Unternehmensregister halten Djokovic und seine Frau Jelena 80 Prozent der Anteile an der Firma.

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Es handelt sich um die Firma Quantbiores, die auf der eigenen Website nicht all zu viel über sich preisgibt. Ein Impressum ist genauso wenig zu finden wie Informationen darüber, wer eigentlich hinter Firma und Forschung steckt. Statt echten Bildern von Mitarbeitern und Einblicken ins Labor findet man Symbolbilder ohne Aussagekraft vor.

Es handelt sich um die Firma Quantbiores, die auf der eigenen Website nicht all zu viel über sich preisgibt. Ein Impressum ist genauso wenig zu finden wie Informationen darüber, wer eigentlich hinter Firma und Forschung steckt. Statt echten Bildern von Mitarbeitern und Einblicken ins Labor findet man Symbolbilder ohne Aussagekraft vor.

Screenshot quantbiores.com

Darum gehts

Die Tennis-Weltnummer eins Novak Djokovic ist nicht nur für ihre sportlichen Leistungen bekannt, sondern auch für ihre impfkritische Haltung. Gerade erst haben ihn australische Richter des Landes verwiesen – weil Djokovic mit seiner Anti-Impf-Einstellung eine Bedrohung für die Bevölkerung sei. Und schon früher war er mit Aktionen aufgefallen, die zeigten, dass er das Coronavirus nicht ganz so ernst nimmt.

Umso mehr überraschte am Donnerstag die Meldung, dass er und seine Frau Jelena Mehrheitseigner der Firma Quantbiores sind, die laut Aussage des CEOs, Ivan Loncarevic, der sich selbst als Entrepreneur bezeichnet, an einer Therapie gegen das Virus arbeitet. Doch es gibt Zweifel an der Seriosität des Unternehmens – und an seinen Methoden.

Website ohne Infos

Viel ist nicht zu Quantbiores bekannt. Die Angaben auf der Website sind dürftig. Ein Impressum ist genauso wenig zu finden wie Informationen darüber, wer eigentlich hinter Firma und Forschung steckt. Statt echten Bildern von Mitarbeitern und Einblicken ins Labor findet man Symbolbilder ohne Aussagekraft vor.

Die letzte – und einzige – News stammt aus dem Sommer 2020. Demnach wollte das Unternehmen im Juli 2020 mit «der Erprobung des Deaktivierungsmechanismus für Covid-19» beginnen. Um was es sich konkret handelt und was daraus geworden ist, bleibt unklar. Denn beim Klick auf den «Learn more»-Button passiert nichts. Eine Anfrage von 20 Minuten an die offizielle E-Mail-Adresse blieb unbeantwortet, die der «Süddeutschen Zeitung» kam als nicht zustellbar zurück.

Verwirrung um Gründungsdatum

Auch die verfügbaren Informationen geben Rätsel auf. Denn gibt man die Adresse auf GoogleEarth ein, findet man sich in einer Wohngegend in der Agglomeration von Kopenhagen wieder. Diesen Eindruck bestätigt die Website Datacvr.virk.dk, auf der alle öffentlich registrierten Daten zu Unternehmen in Dänemark aufgelistet sind: Bei der angegebenen Anschrift handelt es sich um eine ℅-Adresse. Dorthin geschickte Post dürfte direkt beim CEO zuhause landen.

Auffällig sind auch die Unstimmigkeiten in punkto des Gründungsdatums: Während Loncarevic in seinem Linkedin-Profil «August 2020» angibt, erfolgte der Startschuss gemäss offiziellen Quellen bereits im Juni 2020. In diesem Monat soll auch der Tennisspieler die Beteiligung erworben haben, wie die Nachrichtenagentur Reuters schreibt.

«Noch nie von der Methode gehört»

Gegenüber der Agentur erklärte Loncarevic, man schaffe an einem bioaktiven Peptid, das das Coronavirus daran hindert, menschliche Zellen zu infizieren. Erste klinische Versuche sollen bereits im Sommer in Grossbritannien starten.

Bei der Entwicklung setzt die Firma laut eigenen Angaben die sogenannte «Resonant Recognition Model»-Technologie (RRM) ein, die «elektromagnetische Frequenzen zur Analyse makromolekularer Funktionen» nutzt. Das Verfahren sei «einzigartig und neuartig», heisst es auf der Website. Anderen Fachleuten ist es dagegen völlig unbekannt: «Ich habe noch nie etwas von der Methode gehört», erklärt Johannes Nemeth, Oberarzt Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am USZ. Er merkt an, dass die Website «offenbar keine wissenschaftlichen Arbeiten zitiert».

Voodoo und Lehre der Bioresonanz

Wie die Technologie funktionieren soll, wird in einem auf der Website veröffentlichten Artikel (PDF) erklärt. Fachleute, die laut Sueddeutsche.de anonym bleiben wollen, sind nicht überzeugt: «Ich würde diese Publikation im Reich der Fantasie besser verankert sehen», erklärt der eine. Der andere bezeichnet sie als «Voodoo».

Als Autoren des Artikels zeichnen neben Quantbiores-CEO Loncarevic auch Irena und Drasko Cosic verantwortlich. Letztere sind bei Amalna Consulting tätig. Das Unternehmen gibt an, die RRM-Technologie selbst entwickelt zu haben, und bietet unter anderem «Beratung auf dem Gebiet des Bioelektromagnetismus» an. Auch die umstrittene Lehre der Bioresonanz, die in der naturheilkundlichen und alternativmedizinischen Praxis angewendet wird, zählt die Firma zu ihrem Aufgabenbereich. Diese ist aufgrund fehlender wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweise in einigen Ländern verboten.

Es ist entsprechend fraglich, ob die von Loncarevic getätigten Ankündigungen wirklich zu einem wirksamen und wissenschaftlich bestätigten Therapeutikum gegen Covid-19 führen werden.

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Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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