Work-Life-Balance: Novartis-CEO checkt keine Mails am Wochenende
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Work-Life-BalanceNovartis-CEO checkt keine Mails am Wochenende

Novartis-CEO Vas Narasimhan beantwortet Mails am Wochenende nicht. Und ist damit laut Experten Vorbild einer neuen Generation.

von
Dorothea Vollenweider
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Novartis-CEO Vas Narasimhan treibt sechs Tage pro Woche 45 bis 60 Minuten Sport, meist frühmorgens.

Novartis-CEO Vas Narasimhan treibt sechs Tage pro Woche 45 bis 60 Minuten Sport, meist frühmorgens.

Keystone/Patrick Straub
Er ernährt sich vegetarisch, meditiert fast täglich und schläft mindestens sieben Stunden pro Nacht.

Er ernährt sich vegetarisch, meditiert fast täglich und schläft mindestens sieben Stunden pro Nacht.

Keystone/Georgios Kefalas
Seine fünf Wochen Ferien sind ihm heilig. Genauso wie die Wochenenden. Deshalb beantwortet er von Freitags um 22 Uhr bis Montagmorgens keine Mails.

Seine fünf Wochen Ferien sind ihm heilig. Genauso wie die Wochenenden. Deshalb beantwortet er von Freitags um 22 Uhr bis Montagmorgens keine Mails.

Keystone/Georgios Kefalas

Die Leistung eines CEO ist mit der eines Leistungssportlers vergleichbar, findet Vas Narasimhan. Er erklärt seinen Followern in den sozialen Medien, man müsse sich ähnlich wie ein Athlet darauf vorbereiten, Bestleistungen zu erbringen. Wie genau er das macht, führt er in einem Artikel auf Linkedin aus.

Narasimhan treibt sechs Tage pro Woche 45 bis 60 Minuten Sport, meist frühmorgens. Er ernährt sich vegetarisch, meditiert fast täglich, fastet 15 bis 16 Stunden pro Tag und schläft mindestens sieben Stunden pro Nacht. Seine fünf Wochen Ferien sind ihm heilig. Genauso wie die Wochenenden. Deshalb beantwortet er von Freitag um 22 Uhr bis am Montagmorgen keine Mails. «Mir ist klar, dass jedes Mail, das ich verschicke, zu 100 bis 500 Folgemails in der Organisation führt», erklärt er den Entscheid und wird damit in der Handelszeitung zitiert.

Der «Unboss» will Vorbild sein

Für einen CEO eines Weltkonzerns ist das ein ungewöhnlicher Schritt. Und dürfte grossen Einfluss haben. Zumindest auf die rund 130'000 Mitarbeiter von Novartis. Diese führt Narasimhan seit rund eineinhalb Jahren. Wobei führen bei ihm das falsche Wort wäre – denn Narasimhan ist der «Unboss». So heisst die neue Firmenkultur, die er seit seinem Antritt eingeführt hat. Sein erklärtes Ziel: Hierarchien abschaffen und den Mitarbeitern die Führung überlassen.

«Endlich ein CEO eines Grosskonzerns, der die oft zitierten neuen Ansprüche an Leadership vorlebt», freut sich Personalexperte Michel Ganouchi. Auch Alexandra Cloots, Professorin an der FHS St. Gallen, findet für Narasimhans Anleitung für eine bessere Work-Life-Balance nur positive Worte: «Unsere New-Work-Studien zeigen, dass Führungskräfte aufgrund ihrer Vorbildfunktion einen hohen Einfluss auf das Verhalten der Mitarbeitenden haben», sagt sie. Möchte ein Unternehmen also dafür sorgen, dass die Mitarbeitenden ihr Wochenende auch als Wochenende wahrnehmen, so muss dies entsprechend durch die Geschäftsleitung und Führungskräfte vorgelebt werden.

Jederzeit erreichbar zu sein, ist ungesund

Weshalb ist es überhaupt so wichtig, am Wochenende abzuschalten? «In der heutigen Arbeitswelt vermischen sich Privat- und Berufsleben immer mehr», sagt Cloots. «Studien zeigen, dass dies längerfristig Auswirkungen auf die Gesundheit der Mitarbeitenden hat.» Die über die letzten zehn Jahre sprunghaft gestiegene Erwartungshaltung, jederzeit erreichbar zu sein, habe viele negative Effekte generiert, meint auch Ganouchi. «Hier brauchen wir eine Änderung der Geisteshaltung.»

Viele Firmen haben laut Ganouchi erkannt, dass Work-Life-Balance nicht nur gefordert wird, sondern auch sinnvoll ist. «Entsprechend versuchen sie, dafür Rahmenbedingungen zu schaffen», so der Inhaber der auf HR-Marketing spezialisierten Firma Recruma. «Nur tun sich viele Unternehmen noch schwer damit, dies auch tatsächlich zu leben.» Weil eben genau die Führung als Vorbildfunktion diesbezüglich versage.

Narasimhan teilt sein Leben auf Instagram mit Tausenden Followern.

Dass Narasimhan in den sozialen Medien so offen über sein Leben schreibt, sieht Ganouchi nicht als Problem. «Jüngere Führungskräfte haben einen natürlicheren Umgang damit, sich über digitale Kanäle darzustellen», sagt er. Das könne für seine Person wie auch sein Unternehmen enorme positive Strahlkraft haben, wenn es denn authentisch sei.

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