Novartis-Chef Dan Brindle hält Lobrede auf China an Parteikongress
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«Grosse Erfolge» ChinasNovartis-Chef hält Lobrede an chinesischem Parteikongress

An einem Parteikongress in China lobte der dortige Novartis-Chef die Regierung in den höchsten Tönen. Für Experte Ralph Weber ist klar: «Man muss dort ein gutes Verhältnis zum Parteistaat haben.»

von
Noah Knüsel
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Dan Brindle, der Chef von Novartis China, war an das «Gipfeltreffen der Kommunistischen Partei China und politischer Parteien der Welt» eingeladen.

Dan Brindle, der Chef von Novartis China, war an das «Gipfeltreffen der Kommunistischen Partei China und politischer Parteien der Welt» eingeladen.

Screenshot cpc100summit.org
Brindle hielt dort eine Lobrede auf China: Er sprach etwa über die «grossen Erfolge» Chinas und bedankte sich für die Unterstützung der Regierung. Kritische Themen sprach er nicht an. 

Brindle hielt dort eine Lobrede auf China: Er sprach etwa über die «grossen Erfolge» Chinas und bedankte sich für die Unterstützung der Regierung. Kritische Themen sprach er nicht an.

AFP
Um im Land Geschäfte machen zu können, sei ein gutes Verhältnis zum chinesischen Parteistaat nötig, sagt Politologe Ralph Weber von der Universität Basel: «Brindles Aussagen folgen also vor allem wirtschaftlichen Überlegungen.»

Um im Land Geschäfte machen zu können, sei ein gutes Verhältnis zum chinesischen Parteistaat nötig, sagt Politologe Ralph Weber von der Universität Basel: «Brindles Aussagen folgen also vor allem wirtschaftlichen Überlegungen.»

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Darum gehts

  • «Grosse Erfolge», «schnelle Entwicklung»: So lobte der Chef von Novartis China die chinesische Regierung in einer Rede.

  • Um im Land Geschäfte machen zu können, müsse man ein gutes Verhältnis zum Parteistaat haben, sagt China-Experte Ralph Weber.

  • Öffentliche Kritik sei dagegen riskant.

  • Bei Novartis äussert man sich nicht zum Inhalt der Rede.

Chinas Verhältnis mit dem Westen ist angespannt. Jüngst wurde bekannt, dass die Regierung sogar einen Schweizer Biologen erfand, um die WHO-Untersuchung zum Ursprung des Coronavirus in ein schlechtes Licht zu rücken.

Auch ausländische Unternehmen müssen sich an das chinesische System anpassen: So hielt Dan Brindle, der China-Chef des Schweizer Pharmariesen Novartis, kürzlich an einem wichtigen Parteikongress (siehe Box) eine Rede, in der er die Regierung in den höchsten Tönen lobte.

«Kritik ist riskant»

Brindle sprach etwa über die «grossen Erfolge» Chinas und bedankte sich für die Unterstützung der Regierung. Zudem lobte er die «schnelle Entwicklung und Erneuerung Chinas, von der ich in den letzten 20 Jahren Zeuge wurde.» Kritische Themen, etwa die Behandlung der muslimischen Minderheit der Uiguren, sprach er nicht an.

Um im Land Geschäfte machen zu können, sei ein gutes Verhältnis zum chinesischen Parteistaat nötig, sagt Politologe Ralph Weber von der Universität Basel: «Brindles Aussagen folgen also vor allem wirtschaftlichen Überlegungen.» Öffentliche Kritik am chinesischen System sei dagegen riskant für ein Unternehmen: «Wenn man bei der Regierung in Ungnade fällt, kann das schmerzhafte wirtschaftliche Konsequenzen haben.»

«Dieser Anlass ist sehr wichtig für China»

Brindle hielt seine Rede am «Gipfeltreffen der Kommunistischen Partei China und politischer Parteien der Welt». Dieses fand im Juli im Rahmen des 100-jährigen Jubiläums der Kommunistischen Partei statt. «Sogar deren Generalsekretär und Staatspräsident Xi Jinping hielt da eine Rede», so Experte Weber. «Das zeigt, wie wichtig der Anlass für den Parteistaat ist.» Bei solchen Veranstaltungen wolle man der Bevölkerung zeigen, dass die Partei auch international grosse Unterstützung geniesst: «Das soll ihren autoritären Machtanspruch rechtfertigen.» Ein Firmenchef wie Brindle sei innerhalb der vielen Parteivertretungen zwar ziemlich kurios, so Weber: «Grundsätzlich folgt das aber der gleichen Logik.»

Angespannte Situation

Mit der momentan angespannten politischen Situation ergäben sich natürlich auch für westliche Unternehmen Probleme, so Weber: «Ihre wirtschaftlichen Interessen stehen immer öfter im Gegensatz zu den politischen Interessen ihrer Heimatländer.»

Viele wirtschaftliche Akteure und Akteurinnen sagten, sie wollten keine Interessenspolitik für ihre Heimatländer betreiben, so Weber: «Das ist auch völlig legitim.» Trotzdem gebe es natürlich einen Spielraum zwischen öffentlicher Kritik und dem Wiederholen chinesischer Propagandapunkte: «Dass Novartis so klar die Nähe zum chinesischen Machtzentrum sucht, kann durchaus auch als politisch angesehen werden.»

Bei Novartis heisst es, man sei als Vertreterin multinationaler Unternehmen an die Veranstaltung eingeladen worden. Wie Sprecherin Anna Schäfers schreibt, habe Dan Brindle als Vertreter der Firma teilgenommen. Zum Inhalt von dessen Rede nahm sie nicht Stellung.

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