14.09.2020 01:48

«Arbeitsplatz-Analytics»Novartis kontrolliert die Angestellten im Homeoffice

Der Pharmariese Novartis offeriert Heimarbeit nach Wunsch – im Gegenzug misst der Konzern aber auch, womit die Teams ihre Zeit verbringen, etwa wie oft sie mailen und telefonieren.

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Novartis ermöglicht seinen Angestellten auch nach Corona die Arbeit von Zuhause aus: Eine Frau macht Homeoffice. (Archivbild)

Novartis ermöglicht seinen Angestellten auch nach Corona die Arbeit von Zuhause aus: Eine Frau macht Homeoffice. (Archivbild)

Keystone/Christian Beutler
Weiss ziemlich genau, wie produktiv seine Belegschaft auch von Zuhause aus arbeitet: Steven Baert, Personalchef von Novartis. (Archivbild)

Weiss ziemlich genau, wie produktiv seine Belegschaft auch von Zuhause aus arbeitet: Steven Baert, Personalchef von Novartis. (Archivbild)

Keystone/Anthony Anex
Eine Software kontrolliert die Aktivität der Angestellten auch im Homeoffice.

Eine Software kontrolliert die Aktivität der Angestellten auch im Homeoffice.

Keystone/Georgios Kefalas

Darum gehts

  • Der Pharmakonzern Novartis ermöglicht seinen Angestellten Homeoffice im grossen Stil.
  • Dank «Arbeitsplatz-Analytics» weiss das Unternehmen ganz genau, wie produktiv die Belegschaft ist.
  • Eine Software misst, wie viel gemailt und telefoniert wird.

Novartis ist der erste Schweizer Konzern, der seinen Angestellten im grossen Stil Homeoffice nach Bedarf ermöglicht, auch über die Pandemie hinaus. Das Pharmaunternehmen weiss ziemlich genau, ob und wie das Modell funktioniert: aufgrund sogenannter «Arbeitsplatz-Analytics», wie Personalchef Steven Baert im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» erklärt.

Novartis verwendet demnach Software, welche die Aktivität der Belegschaft misst – wie viel sie mailt, telefoniert, digitale Meetings abhält. Dies bis auf 30 Mitarbeitende genau. Baert betont, das Offenlegen der Aktivitätsdaten sei freiwillig. 97 Prozent der Belegschaft mache mit. So stellte Novartis etwa fest, dass die Angestellten montags und freitags ebenso aktiv sind wie in der Wochenmitte, obwohl an diesen «Randtagen» viel mehr Leute im Homeoffice arbeiten. Ebenso zieht der Konzern aus den Daten den Schluss, dass die Produktivität trotz mehr Home office nicht abgenommen hat.

Weniger Grossraumbüros

Ein grosser Teil der Mitarbeitenden habe ausdrücklich gewünscht, flexibler arbeiten zu können, sagt Steven Baert. Deshalb bekommen nun weite Teile der Belegschaft einmalig rund 680 Franken, um sich ihr Heimbüro einzurichten, wie die Zeitung weiter schreibt,. Die Chefs müssen künftig nicht mehr gefragt werden, ob man auswärts arbeiten könne, nur noch informiert werden.

Baert rechnet damit, dass Novartis auf dem weitläufigen Basler Campus künftig weniger Einzelbüros anbieten wird – stattdessen mehr Kreativräume und Sitzungszimmer. «Wir brauchen sicher keine Grossraumbüros mehr, nur damit der Chef sehen kann, wer was macht», sagt er.

(chk)

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