Umstrittenes Malaria-Medikament: Novartis startet Tests mit Corona-Infizierten
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Umstrittenes Malaria-MedikamentNovartis startet Tests mit Corona-Infizierten

Novartis darf in den USA den Wirkstoff Hydroxychloroquine an Covid-19-Patienten testen. US-Präsident Donald Trump preist das Medikament seit Wochen als Heilmittel an.

von
sul
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Novartis hat die Genehmigung für eine klinische Studie mit dem Medikament Hydroxychloroquin erhalten.

Novartis hat die Genehmigung für eine klinische Studie mit dem Medikament Hydroxychloroquin erhalten.

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An den Tests nehmen rund 440 mit dem Coronavirus infizierte, ins Spital eingelieferte Patienten an mehr als einem Dutzend US-Kliniken teil, wie Novartis am Montag mitteilte.

An den Tests nehmen rund 440 mit dem Coronavirus infizierte, ins Spital eingelieferte Patienten an mehr als einem Dutzend US-Kliniken teil, wie Novartis am Montag mitteilte.

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Das jahrzehntealte Malaria-Mittel hat von der FDA eine Notfallzulassung zur Behandlung der Erkrankung erhalten, aber bisher gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass es den Betroffenen hilft.

Das jahrzehntealte Malaria-Mittel hat von der FDA eine Notfallzulassung zur Behandlung der Erkrankung erhalten, aber bisher gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass es den Betroffenen hilft.

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Weltweit läuft die Suche nach Behandlungen gegen die Atemwegserkrankung Covid-19 auf Hochtouren. Auch in der Schweiz: Der Pharmakonzern Novartis etwa will eine klinische Studie mit dem Wirkstoff Hydroxychloroquine fortsetzen.

Für die klinische Weiterentwicklung von Hydroxychloroquine sei mit der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA ein entsprechendes Abkommen abgeschlossen worden, teilte Novartis am Montag mit. Erste Studien hätten bislang gezeigt, dass der Wirkstoff hospitalisierten Covid-19-Patienten helfen könne. Nun soll eine Studie der Phase III mit rund 440 Patienten in den USA die notwendigen wissenschaftlich basierten Untersuchungen ermöglichen.

130 Millionen Gratis-Dosen

Sollte Hydroxychloroquine für die Behandlung von Covid-19 zugelassen werden, will Novartis das intellektuelle Eigentum daran zur Verfügung stellen, um möglichst vielen Patienten den Zugang dazu zu ermöglichen. Ausserdem wollen die Basler bis zu 130 Millionen Dosen von Hydroxychloroquine im weltweiten Kampf gegen Covid-19 gratis zur Verfügung stellen, hiess es weiter. Hergestellt wird Hydroxychloroquine von Sandoz, der Generika- und Biosimilar-Tochtergesellschaft von Novartis.

US-Präsident Donald Trump hatte Hydroxychloroquine in den letzten Wochen wiederholt als Wundermittel gegen das Coronavirus angepriesen – auch zur Vorbeugung, um nicht an Covid-19 zu erkranken. Seither sind die Hamsterkäufe des Medikaments in den USA und weltweit sprunghaft angestiegen.

Molecular Partners testet

Auch das Biotechunternehmen Molecular Partners arbeitet an einer Behandlungsform gegen das Coronavirus. Die Firma mit Sitz in Schlieren will dabei seine DARPin-Technologie für die Bekämpfung von Covid-19 einsetzen. So wird ein Anti-Covid-19-Therapieprogramm unter Nutzung der Multi-Target-Bindung von DARPin-Proteinen zur Neutralisierung des Sars-Cov2-Virus eingeleitet, wie es am Montag in einer Mitteilung hiess.

Das Therapieprogramm sei das erste, welche die Krankheit auf drei Ebenen angehe. Demnach soll der Produktkandidat das Virus auf drei Seiten angreifen, um es daran zu hindern, in die menschlichen Zellen einzudringen. Ausserdem soll verhindert werden, dass das Virus Resistenzen gegen das Medikament entwickeln kann.

Die ersten Testreihen führt Molecular Partners in Zusammenarbeit mit dem Labor in Spiez des Zivilschutzes durch. Molecular Partners geht davon aus, die Produktion eines Wirkstoffs bereits im dritten Quartal aufnehmen zu können. (sul/sda)

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