07.07.2018 09:32

St. Gallen

NS-Raubkunst für 300'000 Franken verkauft

Zwei Objekte aus NS-Raubkunst sind in London für knapp 300'000 Franken verkauft worden. Zuvor waren sie im Völkerkundemuseum St. Gallen gewesen.

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Dieser Pokal wurde im Auktionshaus Sotheby's in London Anfang Juli 2018 versteigert.

Dieser Pokal wurde im Auktionshaus Sotheby's in London Anfang Juli 2018 versteigert.

Historisches und Völkerkundemuseum St. Gallen
Diese Silberschiffe wurden als eindeutig von Nationalsozialisten gestohlene Objekte klassifiziert.

Diese Silberschiffe wurden als eindeutig von Nationalsozialisten gestohlene Objekte klassifiziert.

Historisches und Völkerkundemuseum St. Gallen
Die Schiffe stammten von der jüdischen Kunstsammlerin Emma Budge. Auf dem Bild der Katalog der «freiwilligen Versteigerung» von 1937. Insgesamt besass die deutsch-amerikanische Kunstsammlerin weit über tausend Exponate.

Die Schiffe stammten von der jüdischen Kunstsammlerin Emma Budge. Auf dem Bild der Katalog der «freiwilligen Versteigerung» von 1937. Insgesamt besass die deutsch-amerikanische Kunstsammlerin weit über tausend Exponate.

Historisches und Völkerkundemuseum St. Gallen

Das St. Galler Museum hatte die silbernen Segelschiffe freiwillig an die Erben einer jüdischen Kunstsammlerin zurückgegeben. Ein Pokal sei am Mittwoch im Auktionshaus Sotheby's in London für 100'000 Pfund, der andere für 118'750 Pfund versteigert worden, teilte das Historische und Völkerkundemuseum St. Gallen am Donnerstag mit. Mit diesem Betrag sei ungefähr zu rechnen gewesen.

Der Betrag von umgerechnet 295'000 Franken werde unter den Erben der jüdischen Kunstsammlerin Emma Budge verteilt. Zu den Erbberechtigten gehören 35 Privatpersonen und drei Stiftungen.

Die Pokale hatten dem Historischen und Völkerkundemuseum St. Gallen gehört. Sie waren Teil einer Silbersammlung, die rund 130 Objekte vom 16. bis 18. Jahrhundert umfasst. Die Sammlung hatte das Museum 1968 vom Tessiner Transportunternehmer Giovanni Züst geschenkt bekommen.

Rückgabe von Raubkunst

Bei der Aufarbeitung der Sammlung, der sogenannten Provenienzforschung, hatte sich gezeigt, dass es sich bei den Silberschiffen eindeutig um Objekte handelte, die der jüdischen Kunstsammlerin von den Nationalsozialisten gestohlen worden waren. Deshalb gab das Museum die Kunstgegenstände im vergangenen November freiwillig und ohne Entschädigung an die Erben zurück.

In der Ostschweiz sei diese Rückgabe von NS-Raubkunst eine der ersten überhaupt. Sie habe dem Museum eine gute Gelegenheit gegeben, für das Thema NS-Raubkunst zu sensibilisieren, heisst es in der Mitteilung. (sda)

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