Morddohungen auf Insta: Nützt die Belohnung für Mobbing-Hinweise etwas?
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Morddohungen auf InstaNützt die Belohnung für Mobbing-Hinweise etwas?

2000 Franken Belohnung setzt ein Vater für Hinweise aus, die zur Mobberin seiner Tochter führen. Doch was kann er damit bewirken?

von
jeb
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Die damals 15-jährige Tochter von Claudio Raschle wurde im Mai 2017 massiv via Instagram bedroht.

Die damals 15-jährige Tochter von Claudio Raschle wurde im Mai 2017 massiv via Instagram bedroht.

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«Ich werde alles tun, damit du stirbst» und ...

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... «Sage deinem Vater, ich werde deine ganze Familie vernichten» sind nur einige von Dutzenden Kommentaren.

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Für Hinweise, die zu einer Anklage und Verurteilung der Mobberin seiner Tochter führen, bietet der Claudio Raschle 2000 Franken Belohnung. Seine Tochter sowie seine Familie bis hin zum Hund wurden auf Instagram mit dem Tod bedroht (20 Minuten berichtete).

Ermittlungsbehörden konnten den Account einer IP-Adresse zuordnen und führten eine Hausdurchsuchung durch, wobei das Handy, von dem die Drohungen ausgingen, gefunden wurde. In der Folge kam es zu einer Gerichtsverhandlung, bei der es aber zu keiner Verurteilung kam. Grund: Das Smartphone hatte keine Displaysperre, weshalb für das Gericht nicht klar war, wer von der Familie für die Drohungen verantwortlich ist, zumal vor Schranken vom Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht wurde.

Doch Claudio Raschle gibt nicht auf. Für Hinweise, die zu einer Anklage und Verurteilung der Mobberin seiner Tochter führen, bietet er 2000 Franken Belohnung. Doch kann der Fall mit neuen Hinweisen neu aufgerollt werden?

Revision möglich

«Sollten neue Beweismittel zum Fall bekannt werden, gibt es die Möglichkeit der Revision des Gerichtsurteils», sagt Beatrice Giger, Sprecherin der Staatsanwaltschaft St. Gallen. Wenn zum Beispiel ein Gspähnli glaubhaft darlegen könnte, von wem die Drohungen ausgegangen sind, könnte der Fall nochmals neu beurteilt werden.

Unter anderem wegen der fehlenden Displaysperre konnte vor Gericht nicht geklärt werden, von wem die Drohung ausgegangen war. In den Kommentaren zum Artikel reagieren viele User mit Unverständnis darauf. «Auch wenn die Displaysperre nicht aktiviert war, irgendwer aus der Familie H. scheint die Nachrichten ja abgesetzt zu haben. Verknackt doch die ganze Familie, eine Kollektivstrafe haben sie anscheinend nötig.»

Keine Sippenhaftung

Solche Forderungen schiessen jedoch weit über das Ziel hinaus. «Das Schweizer Strafrecht kennt keine Sippenhaftung», sagt Giger. Grundsätzlich müsse das Gericht eine Tat mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einer Person zuweisen können. Das sei vorliegend anscheinend nicht der Fall gewesen, weshalb es zu einem Freispruch kam.

Natürlich sei es bedauerlich, dass die Drohung nicht eindeutig zugewiesen werden konnte. Doch in einem Rechtsstaat gelte der Grundsatz in dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten. Ein Gericht darf sich nicht von einem für die angeklagte Person ungünstigen Sachverhalt überzeugt erklären, wenn bei objektiver Betrachtungsweise erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt tatsächlich so zugetragen hat.

Giger weist weiter darauf hin, dass eine beschuldigte Person nicht zur Aussage verpflichtet ist und auch Familienmitglieder oder andere Personen nicht belasten muss. «Jede beschuldigte Person hat das Recht, von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch zu machen.»

Keine Hinweise eingegangen

Bis Freitagnachmittag sind bei Claudio Raschle keine ausreichenden Hinweise eingegangen. Allerdings erhielt er positiven Zuspruch von vielerlei Seite. Sogar Geldspenden seien ihm angeboten werden, er habe diese aber dankend abgelehnt.

Raschle hofft weiterhin, dass er Hinweise bekommt und der Fall neu aufgerollt werden kann. «Ich will Gerechtigkeit», sagt er. Seine Tochter habe massiv unter dem Mobbing gelitten.

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