Kahlschlag bei Zurich: Nun bangt eine ganze Branche um ihre Jobs
Aktualisiert

Kahlschlag bei ZurichNun bangt eine ganze Branche um ihre Jobs

Die Zurich-Versicherung streicht in der Schweiz rund 750 Jobs. Zuvor kündeten Banken den Kahlschlag an. Viele Angestellte fürchten um ihren Arbeitsplatz.

von
F. Lindegger

Der Versicherungskonzern Zurich will bis 2018 eine Milliarde Dollar sparen. Weltweit sind «8000 Positionen betroffen», wie es Zurich ausdrückt. Konkret: 8000 Stellen werden abgebaut, zusammengelegt oder verlagert. In der Schweiz sind laut der Versicherung rund 750 Stellen vom Sparprogramm betroffen, wobei der bereits angekündigte Abbau von 300 Schweizer Arbeitsplätzen schon in dieser Zahl enthalten ist, wie Zurich-Chef Tom de Swaan erklärt. Hierzulande beschäftigt die Zurich 5000 Personen.

«Der Abbau von 750 Arbeitsplätzen in der Schweiz und das Sparprogramm sind ein einschneidendes Signal an die Mitarbeitenden – die Verunsicherung steigt», sagt Karin Oberlin vom Kaufmännischen Verband zu 20 Minuten. Sie verlangt, dass der Sozialplan für die Angestellten nun angewendet werde.

«Negativer Trend in Versicherungsbranche»

In der Versicherungsbranche geschehe jetzt, was bei den Banken bereits weiter fortgeschritten sei, erklärt Oberlin: «Durch die Digitalisierung und die Verlagerung von Stellen ins günstigere Ausland verschwinden hierzulande hunderte Arbeitsplätze.» Oberlin spricht von einem negativen Trend in der Branche.

Dass im Finanzsektor bisher vor allem bei den Banken Stellen verloren gingen, zeigen die Zahlen des Bundesamts für Statistik: Zwischen dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 und 2014 wurden rund 6000 Vollzeitarbeitsplätze abgebaut. Damit liegt die Zahl der Vollzeitstellen bei den Banken wieder etwa auf demselben Niveau wie im Jahr 2000. Bei den Versicherungen blieb die Zahl der Vollzeitstellen gemäss einer Untersuchung des BAK Basel zwischen 2008 und 2014 stabil.

Credit Suisse sorgt für Verunsicherung

Mit dem Abbau von 750 Stellen beim Versicherungskonzern Zurich gehen die schlechten Nachrichten für die Angestellten auf dem Finanzplatz Schweiz weiter. Bereits im vergangenen Oktober kündigte die Credit Suisse den Abbau von 1600 Arbeitsplätzen in der Schweiz an. Bei der Präsentation der Zahlen für 2015 erklärte die Bank vergangene Woche, dass dieser Prozess nun beschleunigt werde. Im letzten Jahr gaben verschiedene Privatbanken den Abbau von mehreren hundert Arbeitsplätzen bekannt.

Nach der Ankündigung der Credit Suisse zeigte sich der Schweizerische Bankpersonalverband besorgt darüber, dass der Abbau kaum ohne Massentlassungen bewerkstelligt werden könne. Der Entscheid der Grossbank sorge für grosse Verunsicherung bei den Angestellten in der Schweiz.

Hohe Wertschöpfung durch Versicherungen

Der Schweizer Finanzsektor bot 2014 rund 218'000 Vollzeitarbeitsplätze, wie Zahlen des BAK Basel zeigen, wobei rund die Hälfte auf die Banken entfiel und rund 52'000 auf die Versicherer.

Die Versicherungsbranche zählt zu den produktivsten Sektoren der hiesigen Wirtschaft. Das BAK Basel berechnet, dass Versicherungen 2014 pro Arbeitsstunde eine Wertschöpfung von rund 240 Franken generierten. Das sei mehr als das Dreifache des gesamtwirtschaftlichen Durchschnitts. Auch innerhalb des Finanzsektors weise die Versicherungsbranche die höchste Wertschöpfung aus. Gemäss BAK Basel betrug die Stundenproduktivität der Banken 2014 rund 118 Franken.

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