Nach Felssprengung: Nun beginnt der Wettlauf mit der Zeit für die SBB
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Nach FelssprengungNun beginnt der Wettlauf mit der Zeit für die SBB

Der Fels ist weg, der Hang gesichert: 300 Arbeiter krampfen fortan im 24-Stunden-Betrieb, damit die Gotthard-Linie ab 2. Juli wieder befahrbar ist.

von
A. Müller/D. Galka

2500 Kubikmeter Gesteinsmassen wurden am 18. Juni 2012 in Gurtnellen gesprengt.

Ein roter Blitz, ein lauter Knall, dann stürzten Gesteinsmassen so gross wie 500 Lastwagenladungen ins Urner Reusstal. Einige besonders grosse Brocken knallten kurz nach 12.30 Uhr auf das mit Gummipneus geschützte Gotthard-Bahntrassee.

Wenige Augenblicke nachdem 300 Kilogramm Plastiksprengstoff das Gestein pulverisiert hatten, hüllte eine dichte Staubwolke das Tal ein.

Der Felssturz aus der Luft

Phillippe Gauderon, Leiter Infrastruktur SBB, atmete trotzdem auf: «Es ist eine riesige Erlösung für die SBB, dass die Felsmassen endlich heruntergekommen sind und der Hang wieder sicher ist», sagte er unmittelbar nach der Detonation zu 20 Minuten Online.

«Alles im grünen Bereich»

Wenige Minuten nach der Sprengung flog SBB-Chefgeologe Marc Hauser mit dem Heli ins Abbruchgebiet und kreiste während rund 15 Minuten über dem Hang. Nach dem ersten, für einen Arbeiter tödlichen Felssturz am 5. Juni hatte Hauser mit einem Georadar jeden Zentimeter des kritischen Felsgebietes unter die Lupe genommen.

«Ich kenne jede einzelne Furche des Felsens», sagte er noch vor der Sprengung. Kurz nach der Landung im Steinbruch vis-à-vis der Abbruchstelle verkündete er vor über 50 Medienschaffenden: «Die Sprengung ist nach Plan verlaufen, der Fels ist wie geplant entlang der Kluft abgebrochen. Alles ist im grünen Bereich.» In den nächsten 24 Stunden müsse sich das weggesprengte Gestein aber noch etwas setzen.

300 Arbeiter packen an

Dann beginnt für die SBB ein Wettlauf mit der Zeit: «300 Arbeiter werden im 24-Stunden-Betrieb das Geröll wegräumen und das Bahntrassee reparieren», so Gauderon. Dazu werde der ganze Hang mit Flutlicht ausgeleuchtet.

Der Grosseinsatz kommt nicht von ungefähr: Bereits ab dem 2. Juli - also noch vor dem grossen Ferienverkehr - wollen die SBB die Gotthard-Bahnlinie wieder ohne Einschränkungen in Betrieb nehmen.

Gotthard bleibt unberechenbar

Nach den Arbeiten soll dieser Teil der Gotthard-Strecke sicherer sein denn je: Mit dem weggesprengten Gestein verstärken die SBB den Hang unterhalb des Bahngeleises. Zudem wird ein weiterer Schutzdamm sowie eine Steinschlag-Alarmanlage in den Felsen eingebaut. «Sicherer kann die Gotthard-Strecke gar nicht mehr werden», betont Infrastruktur-Chef Gauderon.

Doch die Vergangenheit hat bereits mehrmals gezeigt: Die steilen Hänge im Gotthardgebiet sind und bleiben immer für eine Überraschung gut - Felsmassen können sich weiterhin ohne Vorwarnung lösen.

Sehen Sie hier den Moment des grossen Knalls:

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