Aktualisiert 06.03.2020 11:43

Eigene Batterie

Nun geben auch die Amerikaner Gas mit Strom

General Motors hat eine modulare Plattform für Elektro-Fahrzeuge und eine eigene Batterie entwickelt.

von
Dave Schneider
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Eigene Plattform, eigene Batterie: GM geht eigene E-Wege.

Eigene Plattform, eigene Batterie: GM geht eigene E-Wege.

Das Herzstück ist ein modulares Antriebssystem sowie eine flexible Plattform zur globalen Anwendung für E-Fahrzeuge der dritten Generation, die mit konzerneigenen «Ultium»-Batterien betrieben werden.

Das Herzstück ist ein modulares Antriebssystem sowie eine flexible Plattform zur globalen Anwendung für E-Fahrzeuge der dritten Generation, die mit konzerneigenen «Ultium»-Batterien betrieben werden.

Steve Fecht
«Unser Team hat sich der Herausforderung gestellt, einen Wandel der Produktentwicklung bei GM zu vollziehen und unser Unternehmen für eine vollelektrische Zukunft zu positionieren», freut sich GM-Chefin Mary Barra.

«Unser Team hat sich der Herausforderung gestellt, einen Wandel der Produktentwicklung bei GM zu vollziehen und unser Unternehmen für eine vollelektrische Zukunft zu positionieren», freut sich GM-Chefin Mary Barra.

Auch die amerikanischen Hersteller haben die Zeichen der Zeit erkannt. Der E-Pionier Tesla aus Kalifornien ist schon lange im Rennen. Chevrolet war mit dem Volt und dem Bolt früh in der Elektromobilität präsent – ausserdem hat der US-Hersteller nun mit dem Chevrolet Menlo EV einen spannenden Elektro-SUV auf dem chinesischen Markt lanciert. Und auch Ford hat mit dem Mustang Mach-E ein spannendes Produkt vorgestellt – bis dieses aber zu den Händlern kommt, wird noch einige Zeit vergehen.

Nun stellt General Motors (GM), der Auto-Gigant mit den Marken Chevrolet, Cadillac, GMC, Buick und Wuling, einen modularen Elektronik-Baukasten vor, eine technische Plattform also, auf der quer durch die Marken und Segmente neue Elektro-Modelle aufgebaut werden können. «Unser Team hat sich der Herausforderung gestellt, einen Wandel der Produktentwicklung bei GM zu vollziehen und unser Unternehmen für eine vollelektrische Zukunft zu positionieren», freut sich GM-Chefin Mary Barra. «Wir haben dazu bei E-Fahrzeugen eine Mehrmarken- und Multi-Segment-Strategie mit Skaleneffekten aufgebaut». Die Flexibilität sei dabei noch grösser als im Full-Size-Truckgeschäft, weil die neue Plattform deutlich weniger komplex sei.

Konzerneigene Batterie

Das Herzstück ist ein modulares Antriebssystem sowie eine flexible Plattform zur globalen Anwendung für E-Fahrzeuge der dritten Generation, die mit konzerneigenen «Ultium»-Batterien betrieben werden. Damit erhält das Unternehmen gemäss eigenen Aussagen Zugang zu nahezu allen Kundensegmenten: von preisgünstigen Kleinwagen über Premiumprodukte und grossen SUV bis hin zu Nutzfahrzeugen oder sportlichen High-Performance-Modellen. «Tausende von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Designern bei GM arbeiten an der Realisierung einer historischen Neuerfindung des Unternehmens», führt GM-Präsident Mark Reuss aus. «Sie stehen dabei an der Schwelle zur Umsetzung eines profitablen E-Fahrzeuggeschäfts, das die Bedürfnisse von Millionen von Kunden erfüllen kann».

Die neue «Ultium»-Batterie, die GM inhouse entwickelt hat, besitzt gross dimensionierten Pouch-Zellen von LG Chem, die sich im Akku-Paket vertikal oder horizontal stapeln lassen. Damit seien sie einzigartig in der Branche, sagt der Hersteller: «Diese Bauart ermöglicht den Ingenieuren eine Optimierung des Energiespeichers und Layouts für jedes Fahrzeugdesign». Die Batteriekapazitäten reichen dabei von 50 bis 200 Kilowattstunden – damit lassen sich nach Schätzungen von GM Reichweiten von bis zu 640 km oder mehr bei Beschleunigungswerten von 0 auf 100 km/h in etwa 3 Sekunden erzielen. Eigenentwickelte Motoren sollen dabei für Vorderrad-, Hinterrad-, Allrad- und Hochleistungs-Allrad-Layouts zur Verfügung stehen. Das Pw-Segment soll überwiegend mit 400-V-Akku-Paketen und 200-kW-Schnellladefähigkeit ausgestattet sein, während die Truck-Plattform über 800-V-Akku-Pakete und 350-kW-Schnellladefähigkeit verfügen soll.

E-Boom in den USA

Chevrolet, Cadillac, GMC und Buick werden alle ab diesem Jahr neue E-Fahrzeuge auf den US-Markt bringen. Das nächste neue Modell ist eine neue Version des Bolt EV, der jetzt gerade zu den Händler rollt. Ihm folgt der Bolt EUV, dessen Markteinführung für Sommer 2021 vorgesehen ist: Er wird das erste Fahrzeug ausserhalb der Marke Cadillac sein, das über «Super Cruise» verfügt, einer Technologie für «echtes freihändiges Fahren auf Autobahnen», wie GM schreibt. Bis 2023 soll «Super Cruise» auf 22 Fahrzeuge ausgeweitet werden, auf 10 davon bereits bis nächstes Jahr.

Der im Januar in San Francisco enthüllte Cruise Origin, die Studie eines selbstfahrenden, elektrischen People-Movers, war das erste von GM vorgestellte Modell der E-Fahrzeug-Plattform der dritten Generation mit «Ultium»-Batterien. Als nächstes folgt der Cadillac Lyriq im April. Die Vorstellung des mit «Ultium»-Batterien betriebenen GMC Hummer folgt am 20. Mai. Seine Produktion soll voraussichtlich im Herbst 2021 im Montagewerk Detroit-Hamtramck anlaufen – dem ersten GM-Werk, das ausschliesslich E-Fahrzeuge produziert.

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