Bern: Nun geben auch viele Imker auf
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BernNun geben auch viele Imker auf

Wie viele Bienen den Winter nicht überlebt haben, sehen die Imker in diesen Tagen. Doch viele von ihnen schmeissen nun den Bettel hin.

von
Simone Hubacher
Ruedi Ritter beschäftigt sich beruflich und privat mit Bienen. (Foto: mar)

Ruedi Ritter beschäftigt sich beruflich und privat mit Bienen. (Foto: mar)

«Wir haben noch immer zwei Riesenprobleme. Es ist dramatisch», sagt Ruedi Ritter, Projektleiter Bienen am Inforama Rütti in Zollikofen. Neben der Varroamilbe, der Hauptverantwortlichen für Winterverluste, hält die Sauerbrut die Imker auf Trab. Diese bakterielle Erkrankung kostete im vergangenen Jahr vielen Bienen das ­Leben und sei leider noch nicht überwunden. Die befallenen und schwachen Völker habe man mit Hilfe des Kantons zwar konsequent vernichtet – auch er selbst habe sechs seiner zwanzig Völker verloren. Aber erst mit der Brutbeobachtung in der warmen Jahreszeit werde sich der Verlauf der Sauerbrut zeigen. «Die Thematik wird uns auch heuer noch beschäftigen», ist auch Kantonstierarzt Reto Wyss überzeugt.

Ein weiteres Problem: Sterben die Bienen, schmeissen auch viele Imker den Bettel hin, vor allem ältere. Regionale Imkerverbände schlagen nun Alarm. Zahlenvergleiche sind aber schwierig, da sich die Imker erst seit 2010 registrieren lassen müssen. 2010 gabs im Kanton noch rund 3500 aktive Imker. «Ich schätze, dass die Völkerzahlen im Vergleich zu 2009 um zehn, die Anzahl Imker um fünf bis zehn Prozent abgenommen haben», so Ritter. «Auf der anderen Seite stehen aber auch Junge, die die Imkerei als faszinierendes Hobby entdecken.»

Experte zum Wert der Bienen

«30% der Nahrung und 70% der Futterpflanzen sind von Bestäubung durch Insekten abhängig, wobei die Honigbiene eine zentrale Rolle spielt», sagt Dr. Peter Neumann vom Schweizer Zentrum für Bienenforschung. Der Wert der Bestäubung für die europäische Landwirtschaft werde auf 22 Mia. Euro pro Jahr geschätzt. «Machen die Imker nichts gegen das Problem Nummer eins, die Varroamilbe, sterben die Völker in zwei bis drei Jahren», so Neumann.

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