Apps für Büsi & Co.: Nun gibt es schon spielsüchtige Haustiere
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Apps für Büsi & Co.Nun gibt es schon spielsüchtige Haustiere

Katzen, die auf dem iPhone rumtapsen, Hunde, die am iPad lecken: Game-Apps für Tiere liegen im Trend. Doch der Gesundheit der Vierbeiner ist das nicht immer zuträglich.

von
S. Heusser

Ob Katzen, die nach elektronischen Leuchtfischen tapsen oder Frösche, die mit geöffnetem Mund ein iPhone anspringen, weil sie darauf rennende Ameisen erkennen: Apps für Tiere sind im Trend. «Immer mehr Leute geben ihren Tieren Apps zum Spielen», erklärt Tierpsychologin Eva Waiblinger. Zwar halte das Interesse nicht ausserordentlich lange an, dennoch berge die Entwicklung Gefahren. «Vernachlässigte Tiere, die an ein reizarmes Leben gewöhnt sind, reagieren stark auf solche Reize. Das kann zu Zwangsfixierungen führen.» Sie kennt selber einen Fall von einem Hund, der Laserpointer-süchtig war. Solche Obsessionen seien nur schwer therapierbar. Im Grossen und Ganzen schätzt sie die Spiel-Apps als wenig problematisch ein.

Ein neuer Trend

Seit Programm-Entwickler die Tier-Apps entdeckt haben, boomt das Geschäft. Das Konzept der Spiele ist meist einfach: Über den Bildschrim schwimmen Fische, rennen Mäuse oder Ameisen, und das Haustier ist angehalten, mit der Pfote danach zu tapsen. Trifft es schnell genug, gibt es Punkte. Je grösser das Display umso höher sind auch die Erfolgsaussichten. Futterproduzenten wie Friskies preisen auf ihrer Website eine ‚Tasty Treasures Hunt' an: Nach animierten Katzenkeksen, Käsestückchen oder gar nach kleinen Hühnchen sollen die Samtpfötchen schlagen.

Auf Youtube findet sich eine Fülle von Videos, die Katzen und andere Tiere beim App-Spielen zeigen. Sie drücken ihre feuchten Nasen auf die bewegten Objekte, stehen zwei- oder vierbeinig auf's Display, oder tigern angeregt darum herum. Begleitet werden die Filmaufnahmen von lauten Lachern im Hintergrund – die Herrchen haben Freude.

Wohnzimmerkatzen sind gefährdet

Suchtgefährdet sind Tiere, die in miserablen Verhältnissen aufgewachsen, oder Wohnzimmerkatzen, die Reizarmut gewohnt sind. «Wenn keine Reize da sind, sucht das Tier sie. Dies kann zu Fixierungen auf einen Reiz führen.» Sie spricht von Verhaltensweisen, die an das Kaspar-Hauser-Syndrom (KHS) erinnern. Das KHS beschreibt einen schweren Entwicklungsrückstand, der durch andauernde Vernachlässigung entsteht.

Frustgefahr bestünde hingegen kaum – selbst wenn der eifrige Jäger die virtuelle Beute gar nie fangen kann. «Eine Katze ist relativ frustresistent, was das Jagen angeht», erklärt Waiblinger, «beim Mäusefangen hat sie auch nicht jedes Mal Erfolg.» Ergonomische Schäden, wie sie bei Kleinkindern befürchtet werden, die häufig ein iPhone oder iPad nutzen (20minuten berichtete), erwartet sie nicht: «Die Katzen spielen dafür nicht lange genug. Ausserdem rennen Mäuse auch am Boden rum.» Das Pendant zum iPad-Nacken, die iPad-Pfote, ist in absehbarer Zeit nicht zu erwarten.

Auf das Frosch-Video angesprochen meint Robert Zingg, Kurator des Zoo Zürich: «Die grösste Gefahr besteht wohl darin, dass der Frosch verhungert.» Da Amphibien über ein gering ausgebildetes visuelles System verfügten, würde ein Frosch gar nicht erkennen können, dass er auf ein iPhone blickt. «Er sieht die Bewegung, die für ihn in der freien Natur mit einem Beuteobjekt in Verbindung steht. Aber er versteht nicht, um was für eine Ameise es sich handelt.»

«Ein Frosch kann ein iPhone nicht erkennen», sagt Robert Zingg vom Zoo Zürich. Quelle: Youtube/PandaySing

Hier machen sich gleich zwei Katzen ans Werk. Schlau wie sie sind, vermuten sie das Versteck der Maus unter dem iPad. Quelle: Youtube/tlindstr

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