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Prämien sparenNun können sich Versicherte mit Telemed-Gerät selber untersuchen

Die Krankenkasse Swica verkauft ihren Versicherten ein neues Gerät, mit dem sie zuhause ihre Lunge abhören, ihren Rachen fotografieren und im Ohr filmen können. Mit dieser Telemedizin-Erweiterung könnten Prämien gespart werden. 20 Minuten hat das Gerät getestet.

von
Janine Gloor

Wie das Gerät funktioniert, siehst du hier.

20 Minuten

Darum gehts

  • Swica verkauft ihren Kunden ein Telemedizingerät zur Selbstuntersuchung.

  • Die Daten der Untersuchung werden an eine Teleärztin geschickt.

  • Die Ärztin entscheidet über weitere Behandlungsschritte.

  • Mit Telemedizin können die Prämien gesenkt werden.

  • Die Krankenkassen stellen bei den telemedizinischen Modellen einen Zuwachs fest.

Zuhause die Herzfrequenz messen, ein Foto vom Rachen aufnehmen oder ein Video des Gehörgangs drehen: Das können Versicherte der Krankenkasse Swica nun zuhause machen. Die Krankenkasse hat ein Diagnosegerät lanciert, mit dem die Patienten verschiedene Untersuchungen selber durchführen können. Das Gerät muss gekauft werden und kostet je nach Versicherungsmodell bis zu 249 Franken.

20 Minuten hat Tytohome bereits getestet (Video oben).

Swica hat das Gerät namens Tytohome des israelischen Unternehmens Tytocare von 2000 Versicherten testen lassen. Über 90 Prozent seien damit zufrieden gewesen, wie Swica mitteilt.

Swicas Telemedizinanbieter ist santé24. «Wenn eine versicherte Person beispielsweise Halsweh hat, kann sie mit dem Gerät eine Aufnahme des Rachens machen und diese via App an santé24 senden», sagt Swica-Sprecherin Silvia Schnidrig zu 20 Minuten. Von santé24 erhalte man dann eine Rückmeldung, welche weiteren Behandlungsschritte nötig seien.

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Das Telemedizingerät Tytocare ist für Kinder und Erwachsene konzipiert worden.

Das Telemedizingerät Tytocare ist für Kinder und Erwachsene konzipiert worden.

Swica
Mit dem Gerät lassen sich beispielsweise Herztöne messen oder Videos machen.

Mit dem Gerät lassen sich beispielsweise Herztöne messen oder Videos machen.

Screenshot Swica
Das Gerät wird mit drei Aufsätzen für verschiedene Untersuchungen geliefert. Es muss gekauft werden.

Das Gerät wird mit drei Aufsätzen für verschiedene Untersuchungen geliefert. Es muss gekauft werden.

Swica

Andere Krankenkassen haben kein Diagnosegerät

Ausser Swica haben unter anderem auch CSS, Visana und Helsana Telemedizin im Angebot. Assura bietet telemedizinische Versicherungsmodelle nur in gewissen Kantonen an, Concordia gar nicht. Ein Modell mit einem Diagnosegerät zuhause ist aber gemäss einer Umfrage von 20 Minuten bei keiner dieser Krankenkassen in Planung.

Der Comparis-Krankenkassenexperte Felix Schneuwly findet das Tytohome-Gerät zwar interessant, sagt aber auch: «Apps mit Onlineexperten für Symptome werden jedoch von den Patienten wohl eher akzeptiert als ein neues Gerät.»

Zudem bestehe die Gefahr, dass vor einer ärztlichen Konsultation – diese kann auch online stattfinden – gerade übervorsichtige Menschen sich mit zu vielen Messungen oder Untersuchungen verunsichern.

Rabatt von bis zu 20 Prozent bei Telemedizin mit Diagnosegerät

Telemedizin ist ein Weg, um Prämien zu senken. «Wenn man Prozesse digitalisiert und dokumentiert, kann man beispielsweise Mehrfachuntersuchungen und unnötige Behandlungen verhindern», sagt Schneuwly. Der Rabatt bei Telemedizinmodellen betrage momentan 10 bis 15 Prozent. Schneuwly kann sich vorstellen, dass mit Tytohome der Rabatt für Telemedizin-Versicherte auf 20 Prozent steigen könnte. «Mehr Potential sehe ich aber bei der datengestützten Wahl der effizientesten und qualitativ besten Spitäler und Rehakliniken.»

Für die Patienten sei jedoch die Qualität der medizinischen Behandlungen wichtiger als der
Prämienrabatt. «Wenn die Qualität der Behandlungen schlecht wäre, würden die Versicherten von Telemedizin wieder zurück zur Standardgrundversicherung oder zu einem anderen Rabattmodell wechseln», so Schneuwly.

Das würde er derzeit aber nicht beobachten. Schneuwly schätzt, dass momentan in der Schweiz zirka 20 Prozent der Versicherten ein Telemedizinmodell gewählt haben. Bei der Swica haben von 845000 Versicherten rund 180000 das Telemodell. Auch Visana und Helsana bestätigen auf Anfrage einen starken Zuwachs bei den telemedizinischen Modellen.

Versicherungsmodell

Standard oder alternativ

Bei den Krankenkassen kann bei der obligatorischen Grundversicherung zwischen dem Standardmodell und verschiedenen alternativen Modellen gewählt werden. Die versicherten Leistungen sind bei jedem Modell die gleichen und nach Krankenversicherungsgesetz (KGV) geregelt. Bei den alternativen Modellen können Prämien gespart werden. Dort bestimmt die Versicherung die erste Anlaufstelle im Krankheitsfall, je nach Modell ist dies zum Beispiel der Hausarzt, eine Gruppenpraxis oder ein Telmed-Anbieter.

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89 Kommentare
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Danydee

13.01.2021, 12:15

Ich denke, es wird so laufen, wie es z.B. mit der Umstellung von brieflichen auf digitale Rechnungen geschehen ist. Da musste man grundlos mehr bezahlen für die gleiche Leistung und nicht etwa weniger, falls man einen elektronischen Weg wählte.

nips

13.01.2021, 11:35

Kein Gerät kann einen Arzt ersetzen. Wer haftet denn bei einer Fehldiagnose?

Glas Patient

13.01.2021, 11:34

Eigendiagnose Daten der Krankenkasse senden wäre für die Versicherer optimal, so könnten zwischen gesunden und kranken Kunden differenziert werden und entsprechend die Preise angepasst werden, na, wäre das etwas?