Odyssee im Parkhaus: Nun könnte es für die Auto-«Hetzer» eng werden
Aktualisiert

Odyssee im ParkhausNun könnte es für die Auto-«Hetzer» eng werden

Eine 25-Jährige verfährt sich heillos in einem Parkhaus. Eine tobende Menge filmt sie dabei, das Video wird zum Youtube-Hit. Jetzt könnten die Gaffer ins Visier der Justiz geraten.

von
Felix Burch

Hier probiert ein Autofahrerin ein Parkhaus zu verlassen.

Zehntausende Schweizer haben es bereits gesehen. Das Youtube-Video, das eine Fahrerin zeigt, die ihr Auto einfach nicht aus einem Parkhaus manövrieren konnte. Viele amüsierten sich darüber, andere waren empört. Mittlerweile ist das Video nicht mehr auf Youtube.

Was war geschehen? In der Nacht auf den 12. November versuchte eine 25-jährige Fiat-Lenkerin verzweifelt, ihren Wagen aus der Fussgängerpassage des Parkhauses Burggraben in St. Gallen zu fahren. Mehrere Versuche scheiterten, die Frau demolierte dabei die Parkhaus-Mauer und ihr Auto. Der Polizei gelang es später die Lenkerin ausfindig zu machen. Sie wurde angezeigt, der Fall liegt bei der Staatsanwaltschaft.

Eine Gruppe Jugendliche filmte den gesamten Vorgang und grölte bei jedem Manöver. Dies stiess vielen sauer auf. Zahlreiche 20-Minuten-Online-Leser liessen sich darüber aus, dass der Frau nicht geholfen, sie stattdessen in die Enge getrieben wurde. Gar von «Hetze» und «Nötigung» war die Rede.

Privatsphäre verletzt

Robert Huber* geht noch einen Schritt weiter. Er überlegt sich, die Jugendlichen wegen «verweigerter Hilfeleistung», wie er es nennt, anzuzeigen. Stapo-Sprecherin Petra Ludewig bestätigte die Anfrage des Mannes gegenüber 20 Minuten Online. «Antragsdelikte betreffen jedoch die Kantonspolizei, das habe ich ihm mitgeteilt», so Ludewig weiter. Bei der Kantonspolizei St. Gallen kennt man den Fall. «Eine Anfrage betreffend einer Anzeige liegt bisher nicht vor», sagt Kapo-Sprecher Hans Peter Eugster.

Weiteres Ungemach droht den Grölern aus datenschutzrechtlichen Gründen. «Die Fahrerin könnte eine Klage wegen Verletzung der Privatsphäre einreichen», erklärt Kosmas Tsiraktsopoulos, Leiter 1 des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten. Die Privatsphäre der Frau wurde verletzt, weil Bildmaterial ohne ihre Einwilligung auf Youtube gestellt wurde. Im Video, welches mittlerweile entfernt wurde, war das Nummernschild klar sichtbar.

*Name von der Redaktion geändert

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