Aktualisiert 04.10.2011 14:37

Nach dem Urteil

Nun läuft die Geldmaschine Knox an

Amanda Knox ist am Montag aus der Haft entlassen worden. Ganz frei ist sie deswegen noch nicht: Ihre Eltern haben bereits Dutzende Medientermine für die 24-Jährige organisiert.

von
Karin Leuthold

Mit ihrer Freilassung beginnt für Amanda Knox ein neues Leben. Ruhe und Erholung wird sie aber so schnell kaum finden: Die 24-Jährige wird ab der Sekunde, in der sie in ihrer Heimatstadt Seattle landet, von der US-Presse belagert werden. Amanda Knox ist frei – und doch nicht: Sie «gehört» den Medien.

Kurz nachdem das Berufungsgericht ihre Strafe aufhoben hatte, wurde die Familie Knox mit Anfragen für Exklusiv-Interviews, Talkshows, Dokumentarfilme und Bücher überschüttet. War Amanda Knox aufgrund ihres attraktiven Aussehens ein beliebtes Medienobjekt, ist sie jetzt als Ex-Knasti erst recht spannend. Und hatten einige Medien noch Skrupel, eine verurteilte Mörderin zu Wort kommen zu lassen, wurde auch dieser Vorbehalt nun aus der Welt geschafft.

Knox' Sicht wird sehnlichst erwartet

Über Amanda Knox sind bereits mehrere Bücher geschrieben worden. Unter fantasievollen Titeln wie «Engelsgesicht: Der fatale Vorteil ihrer Schönheit» oder «Das Monster von Perugia» wurde der Mordfall Meredith Kercher in den letzten drei Jahren aus verschiedenen Blickwinkeln behandelt. Doch was bisher fehlte, war Knox' eigene Sicht der Dinge. Die US-Medien werden ihr nun reichliche Gelegenheit geben, diese ausführlich darzustellen.

Medienexperte Gene Grabowski sieht zwei Möglichkeiten: «Sie kann ein erstes Interview geben und die Medien beruhigen. Dann hätte sie etwas Ruhe und könnte sich zurückziehen und sich erholen. Oder sie könnte das Interesse an ihrer Person voll ausschöpfen und verschiedene millionenschwere Verträge aushandeln», sagt er gegenüber dem Sender «MSNBC».

Jemand muss die Anwaltskosten zahlen

Die Familie Knox hat sich für die zweite Variante entschieden - schliesslich stehen hohe Anwaltskosten und die Entschädigung wegen Verleumdung an Patrick Lumumba an. Neben Auftritten in Talkshows und diversen Interviewterminen haben sie für ihre Tochter bereits Lizenzen für Filmprojekte verkauft. Für einen Film über ihre Zeit im Knast gibt es angeblich bereits konkrete Pläne: Wie britische Medien berichten, soll Regisseur Michael Winterbottom angefragt worden sein, die Geschichte mit Hollywood-Star Colin Firth zu verfilmen.

Angst vor der medialen «Überexponierung» hat PR-Experte Grabowski nicht. «Ihr Name und ihr Gesicht sind interessant. Und schliesslich sind wir die Vereinigten Staaten der Unterhaltung», witzelt er. «Hier gibt es ein konstantes Bedürfnis nach Unterhaltung.» Er persönlich würde Knox raten, erst einmal eine Woche lang keinen Kommentar abzugeben. «Eine falsche Aussage in dieser Phase könnte alles ruinieren», meint der PR-Experte.

Sein britischer Kollege Max Clifford rät Amanda Knox, einen Teil des Erlöses aus dem Verkauf ihrer Geschichte - etwa über Interviews, Bücher und Filmrechte - an die Familie Kercher zu spenden. «Das würde ihr zumindest ein wenig öffentliche Unterstützung sichern», sagte Clifford.

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