Geldsorgen in Wengen und Adelboden: Nun soll der Kanton unsere Ski-Klassiker retten
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Geldsorgen in Wengen und AdelbodenNun soll der Kanton unsere Ski-Klassiker retten

Den Veranstaltern der Weltcup-Rennen in Wengen und Adelboden geht das Geld aus. Eine Motion fordert nun, dass der Kanton ihnen finanziell unter die Arme greift.

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sul
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Abfahrtssieger Beat Feuz lässt sich von den Fans feiern. Den Veranstaltern ist indes nicht nur zum Jubeln zumute.

Abfahrtssieger Beat Feuz lässt sich von den Fans feiern. Den Veranstaltern ist indes nicht nur zum Jubeln zumute.

Keystone/Anthony Anex
Die finanzielle Lage in Adelboden und Wengen ist angespannt, die Ski-Events verursachen jährlich hohe Defizite.

Die finanzielle Lage in Adelboden und Wengen ist angespannt, die Ski-Events verursachen jährlich hohe Defizite.

Keystone/Peter Klaunzer
Zusätzliche Einnahmequellen müssen dringend her. Die Veranstalter (hier Lauberhorn-OK-Chef Urs Näpflin) fordern deshalb vom Kanton mehr Unterstützung.

Zusätzliche Einnahmequellen müssen dringend her. Die Veranstalter (hier Lauberhorn-OK-Chef Urs Näpflin) fordern deshalb vom Kanton mehr Unterstützung.

Keystone/Anthony Anex

Mit ihren Siegen bei den Weltcup-Rennen im Berner Oberland liessen Daniel Yule und Beat Feuz die Herzen der Schweizer Ski-Fans höher schlagen. Bei den Organisatoren dagegen herrscht nicht nur eitel Sonnenschein: Die finanzielle Lage in Adelboden und Wengen ist angespannt, die Ski-Events verursachen jährlich hohe Defizite. Zusätzliche Einnahmequellen müssen her, wenn Lauberhorn und Chuenisbärgli weiterhin Teil des Weltcup-Kalenders bleiben sollen. Die Veranstalter wollen deshalb auch mit dem Kanton das Gespräch suchen.

«Kanton kann nicht zuschauen»

Hierbei erhalten sie nun Rückenwind aus der Politik: In einer Motion fordern die BDP-Grossräte Jan Gnägi, Francesco Rappa und Peter Gerber vom Regierungsrat, dass dieser mit den Veranstaltern die Verhandlungen aufnehme. Aufgrund der weltweiten Ausstrahlung müsse sich der Kanton Bern finanziell an den Rennen beteiligen, schreiben die Motionäre. Andernfalls sei künftige Durchführung «ernsthaft gefährdet». Auch das Wallis und Graubünden würden etwa einen Drittel an den Gesamtaufwand ihrer Weltcup-Rennen beisteuern. Bern dagegen leiste keine direkte Finanzhilfe, sondern unterstütze die Organisationen lediglich in Form von Arbeitsstunden des Zivilschutzes.

Mitunterzeichner Jan Gnägi findet zwar nicht, dass der Kanton die Rennen in den letzten Jahren zu wenig unterstützt habe. «Nur reicht das jetzt offenbar nicht mehr», sagt der BDP-Grossrat. Auf eine Höhe der jährlichen Finanzspritze will sich Gnägi nicht festlegen; dies müsse der Regierungsrat bei den Verhandlungen austarieren. «Eine Möglichkeit wäre aber sicher, sich dabei an den anderen Kantonen zu orientieren.» Auch nach weiteren Finanzquellen müssten die Organisatoren Ausschau halten, räumt Gnägi ein. Aufgrund der Wichtigkeit der beiden Events für die Tourismus-Politik stehe für ihn jedoch ausser Frage, dass die öffentliche Hand tätig werden müsse: «Der Kanton kann nicht zuschauen, wenn die Zukunft der Rennen in Gefahr ist.»

Beiträge für «aussterbenden» Event sinnlos

Doch es gibt auch Widerstand gegen die Pläne: Für Natalie Imboden von den Grünen käme eine kantonale Finanzspritze einem Anachronismus gleich, wie sie auf Anfrage erklärte. Schliesslich spreche im Moment alles davon, Massnahmen gegen die Klimaerwärmung zu ergreifen. «Die Ressourcen darin zu investieren, hat für die Grünen ganz klar Priorität», so die Co-Präsidentin der Kantonalpartei.

Imboden erinnert daran, dass die Veranstalter ihre Defizite mitunter damit begründen, dass der Aufwand zur Bekämpfung des Schneemangels gestiegen sei. Da sei es absurd, die finanziellen Beiträge zu erhöhen: «Es macht doch keinen Sinn, Kantonsgelder für einen Anlass zu sprechen, der aufgrund des Klimawandels mittelfristig bedroht ist.»

Auch das Tourismus-Argument lässt Imboden nicht gelten – und verweist auf das Bild vom «schmalen weissen Band» im Grünen, das sich in Adelboden und Wengen in den vergangenen Jahren immer wieder präsentierte. Die Prognosen der Klimaforschung seien eindeutig: Über kurz oder lang werde es auf dieser Höhe keinen Schnee mehr geben. «Wenn man nicht mehr Ski fahren kann, ist es sinnlos, Skifahren zu propagieren», so Imboden. Vielmehr müsse das Berner Oberland auf alternative Tourismus-Angebote umstellen.

Regierungspräsident will Gespräch suchen

Die Klagen über die finanziellen Probleme der beiden Ski-Weltcup-Klassiker und die Forderung nach mehr Unterstützung durch den Kanton vernahm der Berner Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann aus den Medien, wie er zu 20 Minuten sagt. «Die Erwartungen wurden bislang nicht auf dem offiziellen Weg an mich herangetragen.» Er nehme jedoch die «Sorgensignale» ernst und werde mit den beiden Veranstaltern im Nachgang zu den Rennen das Gespräch suchen. «Wir müssen nun schauen, wo wie viel Geld fehlt, wer welchen Teil dazu beitragen soll und welche weitergehende Rolle der Kanton dabei übernehmen kann oder muss», so der Regierungspräsident.

Eine direkte Finanzhilfe der Skirennen sei grundsätzlich denkbar, sagt Ammann. Er verweist auf die Revision des Tourismusentwicklungs-Gesetzes 2017, mit der wiederkehrende Grossanlässe wie die Ski-Weltcuprennen besser unterstützt werden können. Bei einem Kreditgeschäft werde es letztlich eine politische Debatte geben.

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