Gefährliche Akrobatik: Nun tricksen auch die Euro-Retter

Aktualisiert

Gefährliche AkrobatikNun tricksen auch die Euro-Retter

Der europäische Rettungsschirm EFSF muss grösser werden. Zur Beschaffung von Geld könnten jene Finanztricks eingesetzt werden, welche die Finanzkrise mit ausgelöst haben.

von
Sabina Sturzenegger
Österreichische Finanzministerin Maria Fekter: Die Suche nach dem Finanzhebel hat schon begonnen.

Österreichische Finanzministerin Maria Fekter: Die Suche nach dem Finanzhebel hat schon begonnen.

Der Euro-Rettungsschirm, kurz EFSF, wird schon bald selber in die Krise geraten. Die 440 Milliarden Euro reichen wohl nicht aus, um die maroden Staatsfinanzen zu retten. Jetzt wollen die EU-Finanzminister in die Trickkiste greifen, um dem Rettungsschirm mehr Feuerkraft zu verleihen. Eine weitere Aufstockung des Rettungsschirms ist derzeit politisch nicht möglich. Die österreichische Finanzministerin Maria Fekter bestätigte deshalb am Dienstag, dass die Suche nach einem geeigneten Hebel für die Geld-Vermehrung im Rettungsfonds begonnen habe. Oder wie es ein EU-Diplomat formulierte: «Wir suchen einen Mechanismus, wie wir aus einem Euro fünf machen können.»

Sind das nicht die gleichen Tricks, die die Welt vor drei Jahren überhaupt erst in die Finanzkrise gestürzt haben? Sie sind zumindest ähnlich, bestätigt Ökonom Felix Brill. Für ihn sind sie daher problematisch. «Es sind sehr komplexe Konstrukte, und sie beinhalten grosse Unsicherheiten», sagt der Berater von Wellershoff und Partners.

«Es besteht Explosionsgefahr»

Konkret sind zwei Szenarien denkbar: Entweder würde sich die EFSF bei der Europäischen Zentralbank (EZB) refinanzieren. Der Rettungsfonds könnte dann Anleihen von Euro-Staaten aufkaufen, diese als Sicherheit bei der EZB hinterlegen und im Gegenzug von ihr Geld beziehen. Oder der Rettungsfonds würde selber als Versicherung tätig: Die Käufe auf dem Anleihenmarkt würde weiterhin die EZB tätigen, doch würde die EFSF ihr einen Teil des Verlustrisikos abnehmen. Bei der Versicherungslösung sieht Brill sogar «Explosionsgefahr» für die Finanzmärkte. Er glaubt aber auch nicht, dass eine der beiden Finanzhebel-Ideen durchkommt und umgesetzt wird.

«Die EU-Finanzminister sollten stattdessen die Errichtung des ESM, des ständigen Rettungsfonds, vorantreiben», fordert Brill. Der Zeitpunkt, zu dem der ESM in Kraft treten soll – erst Mitte 2013 – sei zu spät.

Griechenland: Schuldenschnitt steht bevor

Am Dienstag verdichteten sich in Luxemburg die Anzeichen, dass für die Rettung Griechenlands ein drastischer Kurswechsel vorbereitet wird: ein Schuldenschnitt, der den Hellenen wirtschaftliche Wiederauferstehung ermöglicht.

Bereits zeichnet sich der Zeitplan ab: Erste Etappe ist die Ratifizierung der EFSF-Reform in allen 17 Eurostaaten. Gebannt blickt die Eurozone in die Slowakei, wo die Parlamentszustimmung auf der Kippe steht. Mitte Oktober soll das erlösende Votum aus Bratislava kommen.

Zweite Etappe ist die nächste Griechenland-Tranche aus dem laufenden Rettungspaket. Sie muss spätestens im November überwiesen werden, um eine Pleite Athens abzuwenden.

Schnitt Anfang 2012

Dritte und letzte Etappe ist die Aushandlung des neuen Griechenland-Pakets. Fließen im November die acht Milliarden aus dem ersten Hilfsprogramm, gibt es ein Zeitfenster bis Anfang 2012. In Diplomatenkreisen wird nicht mehr ausgeschlossen, dass dann der Zeitpunkt für den Schnitt naht. (ap)

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