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Gefährliche PremiereNun zeigts eine Frau den NFL-Cracks

Die amerikanische Football League NFL und die Schiedsrichter liegen sich wegen Geld in den Haaren. Nun müssen zweifelhafte Referees die Partien leiten. Eine Frau erlebt dabei ihre Feuertaufe.

von
heg

Die National Football League NFL ist eine Männerdomäne. Grosse, muskulöse Typen jagen dem Ei nach, tackeln, schenken sich nichts. Die Schiedsrichter – natürlich ebenfalls Männer – haben zum Teil grösste Mühe, zwei Footballer voneinander zu trennen, wenn sich diese in die Haare geraten.

Nun bröckelt diese Männerdomäne, berichtet die «Süddeutsche». Beim Saisonauftakt am letzten Wochenende stand mit Shannon Eastin zum ersten Mal überhaupt eine Frau als Schiedsrichterin bei einem NFL-Spiel im Einsatz. Sie war sich sogar nicht zu schade, einen Streit zwischen zwei Spielern zu schlichten und stürzte sich ins Getümmel. Die 42-Jährige leitet im Normalfall Partien zweitklassiger College-Mannschaften. Sie wurde aufgeboten, weil die Liga mit gewissen Referees im Geldstreit liegt und diese vorübergehend gesperrt hat. Auch Schiedsrichter aus Amateur- und Kinderliegen sowie jene der Frauen-Unterwäsche-Liga kamen zum Einsatz.

Fehler am Laufmeter

Die Aktion der Liga war jedoch nicht von Erfolg gekrönt. Bei jeder Partie am ersten Spieltag kam es zu Fehlentscheidungen. In Arizona diskutierten die Schiris minutenlang darüber, ob Seattle ein Time-Out nehmen darf oder nicht. In Denver pfiffen sie Spielzüge einfach ab und in Cleveland bekam zwei Mal der falsche Spieler eine Strafe aufgebrummt. In Detroit legten die Referees den Ball mehrmals an die falsche Stelle. In New York und Green Bay gab es sogar Entscheidungen, die Einfluss auf die Partien hatten. Es war aber keine Mannschaft benachteiligt, weil auf beiden Seiten Fehler gemacht wurden.

«Die Ersatz-Schiedsrichter sind schrecklich»

Die Massnahme der Liga kommt bei den Spielern gar nicht gut an. «Ich bekam bei fast jedem Spielzug einen Schlag ins Gesicht», ärgert sich Mario Williams von den Buffalo Bills. Der Defense-Spieler glaubt auch, dass die Aushilfs-Schiedsrichter der Aufgabe nicht gewachsen sind. «Ich habe sie darauf hingewiesen, doch sie sehen es einfach nicht. Natürlich ist es einfacher für sie, keine Strafe auszusprechen, weil sie dann nicht im Fokus stehen. Und die Spieler nutzen die Zurückhaltung der Schiedsrichter aus.» Chris Kluwe von den Minnesota Vikings stösst ins gleiche Horn. «Das ist doch peinlich. Die Ersatz-Schiedsrichter sind schrecklich.»

Auch ein ehemaliger Quarterback, der heute als TV-Kommentator tätig ist, äussert sich unzufrieden. «Ich habe sehr viele illegale Aktionen gesehen, die zu schweren Verletzungen führen können. Leider wurde kein einziges dieser Fouls geahndet», sagte Troy Aikman. Es sei reines Glück gewesen, dass es zu keiner schweren Verletzung kam.

Krach ums Geld spitzt sich zu

Die Liga und die Referees liegen sich wegen dem lieben Geld in den Haaren. Ein Schiedsrichter verdient pro Saison zwischen 78 000 und 135 000 Dollar. Meist hat er ein gutes Nebenamt als Polizist, Anwalt oder Arzt. Diese Berufe wollen sie aber nur aufgeben, wenn sie wie die Profis entlöhnt werden. Die Liga will zwar Profi-Schiedsrichter, ist bis jetzt aber nicht bereit, ihnen auch so viel zu bezahlen. Man kann nur hoffen, dass die «Hobby-Pfeiferei» nicht zuerst zu schlimmen Verletzungen führt, ehe die NFL einlenkt und von Ersatz-Schiedsrichtern mit ungenügenden Regelkenntnissen absieht.

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