Aktualisiert 29.06.2016 09:59

MännerbusinessNur 12 Prozent Frauen auf Schweizer Festival-Bühnen

An den grossen Schweizer Openairs treten diesen Sommer rund 310 Bands und Künstler auf. Frauen hat es kaum darunter.

von
Aisha Abdel Dayem
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20 Minuten hat analysiert, verglichen und ausgerechnet, wie viele weibliche Acts beziehungsweise Bands mit Frauen dieses Jahr an den Schweizer Openairs auftreten. Berücksichtigt wurden dabei die aktuellen Line-up-Plakate von den Openairs Frauenfeld, Gampel, St. Gallen, Zürich, dem Greenfield Festival und dem Gurtenfestival. Nachfolgend die Ergebnisse in aufsteigender Reihenfolge.

20 Minuten hat analysiert, verglichen und ausgerechnet, wie viele weibliche Acts beziehungsweise Bands mit Frauen dieses Jahr an den Schweizer Openairs auftreten. Berücksichtigt wurden dabei die aktuellen Line-up-Plakate von den Openairs Frauenfeld, Gampel, St. Gallen, Zürich, dem Greenfield Festival und dem Gurtenfestival. Nachfolgend die Ergebnisse in aufsteigender Reihenfolge.

WENN/cwa
Das Greenfield Festival bildet das Schlusslicht. In Interlaken traten dieses Jahr 59 Bands ins Rampenlicht. ...

Das Greenfield Festival bildet das Schlusslicht. In Interlaken traten dieses Jahr 59 Bands ins Rampenlicht. ...

Screenshot Greenfield Festival
... Davon haben nur vier Acts Frauen an Bord, das sind 6,7 Prozent.

... Davon haben nur vier Acts Frauen an Bord, das sind 6,7 Prozent.

Screenshot Greenfield Festival/aad

Zahlreiche nationale und internationale Bands und DJs werden sich diesen Sommer auf den Schweizer Openair-Bühnen tummeln. Bei den Line-ups fällt auf: Die Sänger, Instrumentalisten und Mischpult-Artisten sind hauptsächlich männlichen Geschlechts. An den Festivals in Frauenfeld, St. Gallen, Zürich, Gampel, Interlaken und auf dem Berner Gurten spielen dieses Jahr insgesamt 310 Acts. Nur bei 39 davon, also 12,6 Prozent, spielen Frauen eine Rolle.

Der Frauenmangel (in tragenden Funktionen) im Musik-Business wird nicht erst 2016 beklagt. Fabienne Amlinger vom Interdisziplinären Zentrum für Geschlechterforschung IZFG an der Universität Bern erklärt: «Das Rock- und Pop-Business war in seiner Entstehung ein männlich geprägtes Feld. Das macht sich bis heute bemerkbar.» Laut Amlinger gibt es durchaus bekannte Leadsängerinnen. «Es scheint aber bei den mehrheitlich männlichen Openair-Veranstaltern kein Bewusstsein zur geringen Anzahl an Frauen auf der Bühne zu existieren – oder kein Wille, das zu ändern», führt sie weiter aus. Das Problem liege auch in der Sozialisation. Es gebe für Mädchen/Jugendliche nicht genug weibliche Vorbilder, mit denen sie sich identifizieren könnten, so Amlinger.

«Wir steuern uns selbst in Mustern»

Auch Regula Frei von der Musikerinnen-Koordinationsstelle Helvetiarockt sieht darin den Hund begraben: «Wir steuern die Kinder und uns selbst in Mustern und merken es gar nicht.» Dazu komme der technische Aspekt. «Selbstvertrauen in der Musik-Technologie zu zeigen, ist für viele Frauen schwierig. Ganz sicher gibt es interessierte Frauen, die sich aber in der Rolle noch nicht wohl fühlen und sich entwickeln können», ist Frei überzeugt.

Den Veranstaltern und Organisatoren der Openairs einfach Sexismus vorzuwerfen, greift zu kurz. «Wir achten bei der Auswahl der Bands in erster Linie auf die Qualität und Aktualität der Musik sowie auf die zu unserer Strategie passenden Stilrichtungen. Danach folgen die Kriterien der Verfügbarkeit», erklärt Sabine Bianchi, Mediensprecherin des Openair St. Gallen. «Es wäre schön, wenn noch mehr Künstlerinnen verfügbar wären, aber wir müssen keine Quote erfüllen.»

«Bei Schweizer Acts ist es einfacher»

Ähnlich sieht das Roman Pfammatter, Programmleiter des Open Air Gampel. Er macht sich aber trotzdem Gedanken über den Frauenmangel auf den Schweizer Festival-Bühnen: «Grundsätzlich gibt es zu wenige Frauen in Bands. Aber ich buche sehr gerne weibliche Acts.» Pfammatter, der zudem seit 24 Jahren Inhaber einer Booking- und Eventmanagement-Firma ist, ist es wichtig, Musikerinnen zu fördern.

«Wir haben gerade noch die letzten drei Bands gebucht und da hatte es glücklicherweise noch ein gemischtes Duo dabei. Ich war froh, dass wir somit eine weitere Frau ins Line-up aufnehmen konnten.» Und er fügt an: «Bei den Schweizer Acts ist es einfacher, gute Musikerinnen zu finden. Diese buchen wir auch oft zur Verstärkung unseres Programms.»

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