Hochzeit: Nur 2 von 100 nehmen den Namen der Frau an
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HochzeitNur 2 von 100 nehmen den Namen der Frau an

Vor der Heirat müssen Paare entscheiden, welchen Nachnamen sie tragen wollen. Meist gibt die Frau nach – und nimmt den Namen des Mannes an.

von
Silvana Schreier
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Im neuen Namensrecht sind nur noch zwei Optionen möglich: Jeder Ehegatte behält seinen Namen oder die Eheleute beschliessen, einen ihrer Ledignamen als gemeinsamen Familiennamen zu tragen.

Im neuen Namensrecht sind nur noch zwei Optionen möglich: Jeder Ehegatte behält seinen Namen oder die Eheleute beschliessen, einen ihrer Ledignamen als gemeinsamen Familiennamen zu tragen.

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Die Auswertung des BFS zeigt: 70,3 Prozent der Frauen nehmen den Namen des Partners an. Und 95,8 Prozent der Männer behalten ihren eigenen.

Die Auswertung des BFS zeigt: 70,3 Prozent der Frauen nehmen den Namen des Partners an. Und 95,8 Prozent der Männer behalten ihren eigenen.

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Frauen aus der lateinischen Schweiz oder urbanen Kantonen behalten häufiger ihren Namen. Einen Namenswechsel vollziehen oftmals muslimische Frauen, während ältere Frauen gern ihren eigenen Namen beibehalten.

Frauen aus der lateinischen Schweiz oder urbanen Kantonen behalten häufiger ihren Namen. Einen Namenswechsel vollziehen oftmals muslimische Frauen, während ältere Frauen gern ihren eigenen Namen beibehalten.

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Fast alle Männer behalten ihren Nachnamen, wenn sie heiraten. Mit dem neuen Namensrecht, das seit 2013 gilt, könnten auch sie den Namen ihrer Frau annehmen.

Doch eine neue Analyse des Bundesamtes für Statistik (BFS) zeigt, dass kaum ein Mann von diesem Recht Gebrauch macht. Während 70,3 Prozent der Frauen den Namen ihres Ehepartners annehmen, wechselten im Jahr 2016 nur 2,1 Prozent der Männer ihren Nachnamen.

Die BFS-Auswertung zeigt ausserdem:

• Ausländer nehmen häufig den Namen der Schweizer Partnerin an.

• Schweizer wechseln am seltensten zum Namen der ausländischen Partnerin.

• Ausländerinnen behalten am häufigsten ihren Namen, wenn sie einen ausländischen Partner heiraten.

• Fast 80 Prozent der Schweizerinnen, die einen Schweizer heiraten, übernehmen dessen Nachname.

Weiter spielen Wohnkanton, Konfession sowie das Alter eine Rolle. So behalten Frauen aus der lateinischen Schweiz oder urbanen Kantonen häufiger ihren Namen. Einen Namenswechsel vollziehen oftmals muslimische Frauen, während ältere Frauen gern ihren eigenen Namen beibehalten.

«Frau gibt dem Mann zuliebe nach»

Jane Finger, Hochzeitsplanerin bei Jane4Wedding, erlebt hautnah mit, wie sich Paare auf ihre Hochzeit vorbereiten. Auch die Namenswahl wird oftmals in ihrem Beisein diskutiert: «Ich frage die Paare zu Beginn immer, ob sie sich schon für einen Namen entschieden haben. Meist gibt es dann ein Hin und Her, weil sie sich noch keine grossen Gedanken darüber gemacht haben.» Sie gebe ihnen dann jeweils ein Informationsblatt mit nach Hause.

Nur sehr selten erlebe sie es, dass der Mann den Namen der Frau annimmt. «Das ist meist nur der Fall, wenn er einen ausländischen Namen hat und dann den seiner Schweizer Partnerin übernimmt», sagt die Bernerin. Diese Männer würden sich dadurch bessere Jobchancen erhoffen oder sie hätten schon schlechte Erfahrungen mit ihrem Namen gemacht. Finger: «Männer wechseln den Namen nur aus praktischen Gründen, nie aus romantischen Gründen.» Und entstehe eine hitzige Diskussion, dann gebe meist die Frau dem Mann zuliebe nach.

Ärzte und Anwälte behalten ihre Namen

Evelyne Schärer, Hochzeitsplanerin bei Your Perfect Day, sagt: «Bei 80 Prozent der Paare, die wir beraten, nimmt die Braut den Namen des Bräutigams an.» Keine Regel ohne Ausnahme, denn bei akademisch gebildeten Paaren wie bei Ärzten oder Anwälten habe sie schon erlebt, dass beide ihre Namen behalten hätten. Eine Veränderung sieht Schärer nicht: «Ich denke, das wird auch in zehn Jahren noch so sein, dass mehrheitlich die Frau ihren Namen ändert.» Das sei ja auch nicht schlimm, sie selbst sei «stolz darauf, den Namen meines Mannes zu tragen».

Auch Roland Peterhans, Teamleiter des Zivilstandsamts der Stadt Zürich, beobachtet, dass «ein erschlagend grosser Teil der Frauen den Namen des Partners übernehmen». Sei es, weil sie später gleich heissen wollen wie die Kinder oder weil es für sie Tradition sei. Wenn das Paar schon Kinder habe, die den Namen der Mutter tragen, dann komme es manchmal vor, dass der Ehemann den Namen wechsle. Aber: «Es gibt hin und wieder auch Männer, die klipp und klar sagen, dass es für sie überhaupt nicht infrage kommt, den Namen der Frau anzunehmen.»

«Paare wünschen sich Zusammengehörigkeit»

«Dass die Frauen den Namen des Mannes annehmen, ist eine lange Tradition in der Schweiz», sagt Fleur Weibel, Geschlechterforscherin an der Universität Basel. Das neue Namensrecht setze nun auf die Individualität von Mann und Frau, indem beide bei der Hochzeit ihren Namen behalten können. Weibel: «Das Recht allein ändert aber nicht umgehend das Verhalten der Menschen, das tief verankert ist in unserer Gesellschaft.» Schliesslich wünschten sich viele Brautpaare Zusammengehörigkeit, die sich gerade im Hinblick auf gemeinsame Kinder durch den Namen ausdrücke

Werden Paare mit der Namenswahl konfrontiert, greifen laut Weibel die alten Selbstverständlichkeiten und Gewohnheiten. Gerade bei den Frauen: «Frauen würden zwar gern ihren Namen behalten, aber sie sind schlussendlich flexibler. Zudem wird es von ihnen ja eigentlich erwartet, dass sie zum Namen des Mannes wechseln», so die Geschlechterforscherin. Frauen, die ihren Namen behalten, würden damit zwar ihre Eigenständigkeit betonen – «zum Preis, nicht gleich zu heissen, wie die ganze Familie».

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