Skandal-Verdikt: Nur 30 Tage Haft nach Schul-Vergewaltigung
Aktualisiert

Skandal-VerdiktNur 30 Tage Haft nach Schul-Vergewaltigung

Ein US-Lehrer hat eine 14 Jahre alte Schülerin drei Mal missbraucht, bevor sich das Mädchen das Leben nahm. Nun wurde er zu einer obszön niedrigen Strafe verurteilt.

von
phi
Stacey Rambold beim Polizeifotografen (Bild: Yellowstone County Police Department).

Stacey Rambold beim Polizeifotografen (Bild: Yellowstone County Police Department).

Ein früherer High-School-Lehrer ist von einem Gericht im Yellowstone County im US-Bundesstaat Montana des mehrfachen Missbrauchs einer 14-Jährigen schuldig gesprochen worden. Das Mädchen beging zwei Jahre später Selbstmord. Das Urteil für den Angeklagten ist ein Schlag ins Gesicht der Hinterbliebenen: Der 54-jährige Vergewaltiger muss bloss läppische 30 Tage ins Gefängnis.

«Bitte stecken sie ihn hinter Gitter»

Die Tragödie begann im April 2008, als die Senior High School in Billings davon erfuhr, dass Lehrer Stacey Dean Rambold ein Verhältnis mit einer 14-jährigen Schülerin gehabt haben soll. Der Direktor nahm den Vorwurf ernst: Rambold war vier Jahre vorher bereits nachgesagt worden, er habe Schülerinnen betatscht. Der Pädagoge wurde damals verwarnt, berichtete der Lokalsender KTVQ.

Nachforschungen erhärteten den Verdacht, dass der Erwachsene mit Cherice Morales Sex hatte: Der damals 49-jährige wurde beurlaubt. Nach drei Monate kündigte er und gab seine Lehr-Berechtigung ab. Seinem Opfer erging es schlecht: Wenige Wochen vor ihrem 17. Geburtstag nahm sich Cherice das Leben. Die Vergewaltigung habe dabei eine grosse Rolle gespielt, sagte Mutter Auliea Hanlon. «Bitte stecken sie ihn hinter Gitter», flehte sie am Montag Richter G. Todd Baugh an.

Ermittlungen ruhen nach Deal mit Staatsanwalt

Dass der Fall erst jetzt verhandelt wurde, hat mit dem Suizid zu tun. Rambold wurde zwar im Oktober 2008 der dreifachen Vergewaltigung angeklagt, doch nach dem Selbstmord verliefen die Ermittlungen im Sande. Im Juli 2010 schloss die Staatsanwaltschaft deshalb einen Deal mit dem Angeklagten ab: Die Beamten liessen den Fall drei Jahre lang ruhen. Solange Rambold in diese Zeitraum ein Programm für Sexualstraftäter absolviert und weitere Auflagen erfüllte, sollte das Verfahren eingestellt werden.

Im November 2012 fiel Rambold jedoch aus dem Therapie-Programm heraus, weil er Sitzungen geschwänzt und eine sexuelle Beziehung zu einer Frau verschwiegen hat. Ausserdem war er mit Minderjährigen allein zusammen, was ihm durch die Auflagen streng verboten war. Es handelte sich dabei laut der Lokalzeitung «Billings Gazette» allerdings um Verwandte Rambolds, wie das Gericht später entlastet festhielt.

Richter: 14-Jährige war «weiter als ihr chronologisches Alter»

Sein Fall wurde deshalb im Dezember wieder aufgerollt, am Montag forderte der Staatsanwalt vor Gericht zehn Jahre Haft für den Vergewaltiger. Sein Anwalt hielt dagegen, sein Mandant habe sich schuldig bekannt und so Frau, Job und Haus verloren. Ausserdem sei er im Internet an den Pranger gestellt worden. Seine Therapie habe er wieder aufgenommen: Der neue Coach glaube, es bestehe kaum Rückfallgefahr.

«Bedenken Sie, wie sehr er bis hierher gelitten hat», sagte Anwalt Jay Lansing in Richtung Richter Baugh – und der sah das offenbar genau so. Dass Rambold überhaupt aus der Therapie flog, so dass es zum Prozess kam, sei überzogen gewesen, urteilte er. Ausserdem habe sich der Rechtsprecher Aufnahmen früherer Verhöre des Opfers angehört: Das Mädchen habe trotz ihrer Probleme genau wie der Erwachsene gewusst, worauf sie sich einlasse und sei «weiter als ihr chronologisches Alter».

Das Verdikt des Richters: 15 Jahre Gefängnis für Rambold, von denen er aber nur 30 Tage absitzen muss. Ausserdem gabs einen Eintrag ins Register für Sexualstraftäter. Cherices Mutter Auliea Hanlon konnte es nicht fassen. «Ihr kotzt mich alle an», rief sie im Gerichtssaal.

Deine Meinung