Ukraine-Krieg – Nur 300 Flüchtlinge in Grossbritannien – Johnson verteidigt Zurückhaltung

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Ukraine-KriegNur 300 Flüchtlinge in Grossbritannien – Johnson verteidigt Zurückhaltung

Grossbritannien hat bisher nur sehr wenige ukrainische Flüchtlinge aufgenommen. Doch trotz der geringen Aufnahme rühmt sich die britische Regierung.

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Seit der russischen Invasion in die Ukraine am 24. Februar sind nach UN-Angaben mehr als 1,7 Millionen Menschen aus dem Land geflohen

Seit der russischen Invasion in die Ukraine am 24. Februar sind nach UN-Angaben mehr als 1,7 Millionen Menschen aus dem Land geflohen

AFP
Die meisten davon sind nach Polen aufgebrochen.

Die meisten davon sind nach Polen aufgebrochen.

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Es gibt bislang 17’700 Anträge von Familienangehörigen, die nach Grossbritannien kommen wollen.

Es gibt bislang 17’700 Anträge von Familienangehörigen, die nach Grossbritannien kommen wollen.

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Darum gehts

  • Im internationalen Vergleich hat Grossbritannien bislang nur sehr wenige ukrainische Flüchtlinge aufgenommen.

  • Nur gerade 300 Geflüchteten wurde im Rahmen eines ausgeweiteten Visa-Programms für Familienangehörige von in Grossbritannien lebenden Ukrainern und Ukrainerinnen Zuflucht gewährt.

  • Gemäss Boris Johnson wird Grossbritannien «so grosszügig wie möglich» sein, könne aber Sicherheitskontrollen nicht «vollständig aufgeben».

Die britische Regierung gerät wegen ihrer Zurückhaltung bei der Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge immer stärker in die Kritik. Verteidigungsminister Ben Wallace räumte am Dienstag in einem BBC-Interview ein: «Wir können und werden mehr tun» – er verteidigte das bisherige Vorgehen aber dennoch. Bislang hat das Land im Rahmen eines ausgeweiteten Visa-Programms für Familienangehörige von in Grossbritannien lebenden Ukrainern und Ukrainerinnen lediglich 300 Flüchtlinge aufgenommen, wie aus Zahlen des Innenministeriums von Montag hervorgeht. Insgesamt gibt es demnach bislang 17’700 Anträge von Familienangehörigen, die nach Grossbritannien kommen wollen.

«Sicherheitskontrollen können nicht völlig aufgegeben werden»

Der britische Premierminister Boris Johnson hatte am Montag die Zurückhaltung seiner Regierung bei der Aufnahme von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine verteidigt. Johnson sagte, Grossbritannien werde «so grosszügig wie möglich» sein, könne aber Sicherheitskontrollen nicht «vollständig aufgeben». Tausende Fälle müssten bearbeitet werden und die Lage verändere sich ständig, fügte Johnson nach einem Treffen mit seinen Kollegen aus Kanada und den Niederlanden, Justin Trudeau und Mark Rutte, hinzu.

Johnson erläuterte, es gebe für die Flüchtlinge zwei Wege: die theoretisch unbegrenzt mögliche Familienzusammenführung oder den «humanitären Weg». In den vergangenen Tagen war Kritik laut geworden, weil die Regierung in London zunächst lediglich 50 Visa an ukrainische Bürgerinnen und Bürger im Rahmen des Programms der Familienzusammenführung vergab.

600 Flüchtlinge an der französischen Küste der Ärmelkanals

Einem BBC-Bericht zufolge sollen rund 600 Flüchtlinge in Calais an der französischen Küste des Ärmelkanals festhängen. Nach Angaben französischer Behörden sollen fast 300 Antragsteller wegen fehlender Papiere zurückgewiesen worden sein – oft mit der Aufforderung, stattdessen in Paris oder Brüssel den entsprechenden Antrag zu stellen.

Trotz der bislang vergleichsweise geringen Aufnahme an Schutzsuchenden rühmte sich die britische Regierung mit dem «ersten Visa-Programm der Welt seit Präsident Putins Invasion in die Ukraine». Die EU-Staaten nehmen Asylsuchende aus der Ukraine ohne Visa auf. Premierminister Boris Johnson betonte am Montag, es sei vernünftig, «den Überblick zu haben, wer hineinkommt und wer nicht». Dem «Telegraph» zufolge sollen in der Regierung bereits Sorgen darüber geäussert worden sein, Flüchtlinge könnten aus dem EU-Staat Irland unkontrolliert nach Grossbritannien gelangen.

Seit der russischen Invasion in die Ukraine am 24. Februar sind nach UN-Angaben mehr als 1,7 Millionen Menschen aus dem Land geflohen, mehr als eine Million davon nach Polen. Johnson sagte, der russische Präsident Wladimir Putin sei vom «Niveau der westlichen Geschlossenheit» überrascht worden. Auch in Zukunft sei «nichts vom Tisch», es müsse weitere Sanktionen geben.

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(DPA/AFP/bre)

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