Aktualisiert 22.05.2020 10:29

Studie zeigt

Nur 7,3 Prozent der Stockholmer entwickelten Antikörper im Blut

Schwedens Hauptstadt ist besonders von Covid-19 betroffen. Eine Studie der Gesundheitsbehörde zeigt nun, dass sich bei weniger Bewohnern Antikörper ausgebildet haben als gedacht.

von
Ann Guenter
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Die Testergebnisse zeigen, dass man in Schweden von einer Herdenimmunität noch weit entfernt ist: Selbst im stark vom Virus betroffenen Stockholm hatten nur 7,3 Prozent der Bewohner Antikörper entwickelt.

Die Testergebnisse zeigen, dass man in Schweden von einer Herdenimmunität noch weit entfernt ist: Selbst im stark vom Virus betroffenen Stockholm hatten nur 7,3 Prozent der Bewohner Antikörper entwickelt.

Foto: Reuters
Diese Zahlen liegen unter den früheren Berechnungen der Gesundheitsbehörde und des Chefepidemiologen Anders Tegnell. Sie hatten damit gerechnet, das Anfang Mai bereits rund ein Viertel der Einwohner Stockholms infiziert sind oder schon waren.

Diese Zahlen liegen unter den früheren Berechnungen der Gesundheitsbehörde und des Chefepidemiologen Anders Tegnell. Sie hatten damit gerechnet, das Anfang Mai bereits rund ein Viertel der Einwohner Stockholms infiziert sind oder schon waren.

via REUTERS
Die Zahlen seien «nicht weit von denen des Modells entfernt», so Epidemiologie Tegnell. «Es waren 7 Prozent um Woche 15, das ist also ziemlich lange her. Diese Leute waren in Woche 18 immun, das heisst, sie wurden irgendwann in Woche 14 oder 15 krank.» Man liege damit zwar etwas niedriger als erwartet, aber: «Es sind jetzt keine sieben Prozent. Wir liegen irgendwo bei 20 Prozent plus in Stockholm.»

Die Zahlen seien «nicht weit von denen des Modells entfernt», so Epidemiologie Tegnell. «Es waren 7 Prozent um Woche 15, das ist also ziemlich lange her. Diese Leute waren in Woche 18 immun, das heisst, sie wurden irgendwann in Woche 14 oder 15 krank.» Man liege damit zwar etwas niedriger als erwartet, aber: «Es sind jetzt keine sieben Prozent. Wir liegen irgendwo bei 20 Prozent plus in Stockholm.»

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Darum gehts

  • Das schwedische Gesundheitsamt hat erste Ergebnisse einer Studie zur Immunität vorgestellt.
  • Es zeigt sich, dass selbst im schwer betroffenen Stockholm nur 7,3 Prozent der Bewohner Antikörper entwickelt hatten.
  • Von einer «Herdenimmunität» ist man damit noch weit entfernt. Doch darum gehe es auch nicht, so Epidemiologe Andres Tegnell.

Schweden geht im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie einen Sonderweg: Es hofft, dass immer mehr Menschen nach einer Infektion Antikörper entwickeln und sich so im Volk eine Immunität einstellt. Gleichzeitig steht das Land wegen seiner moderaten Schutzmassnahmen und den vergleichsweise hohen Zahl an Todesfällen international im Fokus.

Jetzt hat die schwedische Gesundheitsbehörde Folkhälsomyndigheten die Ergebnisse einer ersten Testserie auf Antikörper präsentiert. Sie zeigen, dass im am schlimmsten von der Pandemie betroffenen Stockholm lediglich 7,3 Prozent der Bewohner Antikörper entwickelt haben. In anderen Teilen des Landes lagen die Zahlen für die Antikörper-Träger noch niedriger, wie «Dagens Nyheter» und der Sender SVT berichten.

Eigentlich sollte ein Viertel infiziert sein

Diese Zahlen liegen unter den früheren Berechnungen der Gesundheitsbehörde und des Chefepidemiologen Anders Tegnell. Sie hatten damit gerechnet, dass Anfang Mai bereits rund ein Viertel der Einwohner Stockholms infiziert sind oder schon waren.

Grundsätzlich ist unklar, wie viele Menschen gegen das Virus immun sein müssen, um seine Ausbreitung zu stoppen. Bisher wird davon ausgegangen, dass dafür mindestens 60 Prozent der Bevölkerung immun sein müssten. Die neue Studie zeigt nicht nur, dass Stockholm davon noch weit entfernt ist. Die niedrigen Zahlen entsprechen zudem jenen aus anderen Ländern, beispielsweise aus Spanien mit nur 5 Prozent.

Nach Angaben der Gesundheitsbehörde stammen die Ergebnisse von rund 1200 Proben, die vor drei Wochen entnommen worden waren.

Abstand zwischen Ansteckung und Antikörper-Bildung

Chefepidemiologe Tegnell erklärt den Unterschied zwischen diesen ersten Resultaten und seinen Berechnungen mit dem Abstand zwischen dem Zeitpunkt einer Infektion und dem Moment, in dem der Mensch Antikörper ausbildet. Zum Beispiel geht man derzeit davon aus, dass es bei Todesfällen im Schnitt 23 Tage vorher zur Infektion gekommen war.

Zudem dauert es einige Wochen, bis der Körper ausreichend Antikörper entwickelt, dass sie nachweisbar sind. Daher sagte das schwedische Gesundheitsamt: «Die Zahlen spiegeln den Zustand der Epidemie Anfang April wider, da es einige Wochen dauert, bis das körpereigene Immunsystem Antikörper entwickelt.»

«Wir liegen irgendwo bei 20 Prozent plus»

Die Zahlen seien aber«nicht weit von denen des Modells entfernt», so Tegnell. «Es waren 7 Prozent um Woche 15, das ist also ziemlich lange her. Diese Leute waren in Woche 18 immun, das heisst, sie wurden irgendwann in Woche 14 oder 15 krank.» Man liege damit zwar etwas niedriger als erwartet, aber: «Es sind jetzt keine 7 Prozent. Wir liegen irgendwo bei 20 Prozent plus in Stockholm.»

Es ist allerdings unklar, wie hoch die Immunität nach einer Infektion mit dem Virus überhaupt ist. Mehrere Studien haben laut WHO gezeigt, dass infizierte Menschen zwar einige Antikörper ausbilden, die «ein gewisses Mass an Schutz» gegen eine erneute Ansteckung bieten würden. Es gibt jedoch noch keine Beweise dafür, ob oder wie lange Menschen vollständig immun sind.

Antikörper vor allem bei 20- bis 64-Jährigen

«Wann wir ein Niveau erreichen, das die Ausbreitung von Infektionen erheblich verringert, wissen wir immer noch nicht wirklich, und deshalb haben wir die Herdenimmunität nie zum Ziel erklärt», sagt der Epidemiologe dazu. Das Ziel sei vielmehr, Massnahmen zu ergreifen, um die Ausbreitung von Infektionen so gering wie möglich zu halten. So würde das Gesundheitssystem entlastet, und es könnten eventuell einige Restriktionen gelockert werden. «Damit die Krankheit verschwindet, müssen Immunität und Impfungen kombiniert werden», so Tegnell.

Die Studie zeigte auch, welche Bevölkerungsgruppe am stärksten vom Virus betroffen ist: So hatten sich Antikörper vor allem bei Menschen zwischen 20 und 64 Jahren gebildet (6,7 Prozent). Am wenigsten Antikörper hatten die über 65-Jährigen (2,7 Prozent) – wohl, weil sie sich an die Empfehlungen der Behörden gehalten hatten und auf Distanz gegangen waren.

Junge Menschen bis 19 Jahre hatten 4,7 Prozent Antikörper entwickelt. Damit sieht sich Tegnell in der Annahme bestätigt, dass es in dieser Altersgruppe keine grosse Verbreitung des Virus gibt.

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79 Kommentare
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FakeNews

22.05.2020, 14:49

Könnt Ihr auch mal positiv über andere Ideen berichten. Schweden macht vielleicht nicht alles richtig, aber auch nicht alles falsch. Es kommt einem vor, ihr sucht euch die Fakten raus, die eure Meinung unterstreichen (Schwedenweg = falsch). Dadurch macht ihr euch aber unblaubwürdig und die Menschen wenden sich ab von der Presse. Zu Recht.

Jansen

22.05.2020, 15:12

Kann auch einfach heissen, dass Corona vom Körper gar nicht erst als Bedrohung wahrgenommen wird. Schweden macht es schon richtig und erst noch ohne die Wirtschaft an die Wand zu fahren.

Christ

22.05.2020, 15:22

Super Ergebnis. Ein Land mit rigorosen Massnahmen und ein Land mit beinahe keinen Massnahmen weisen gleiche Zahlen an infizierten auf. Ist da nicht etwas in anderen Ländern schief gelaufen?