«Time-out»: Nur Benjamin Conz kann den SCB stoppen
Aktualisiert

«Time-out»Nur Benjamin Conz kann den SCB stoppen

Der SC Bern steht im Finale. Letztlich war der EV Zug halt doch ein Freilos. Jetzt kann nur noch Gottéron-Goalie Benjamin Conz den Titelgewinn der Berner verhindern.

von
Klaus Zaugg
Hier, bei einem Spiel im September, muss sich Benjamin Conz dem SCB-Stürmer Ryan Gardner geschlagen geben. Doch der Gottéron-Goalie hat das Potenziel, die Berner im Final zur Verzweiflung zu treiben.

Hier, bei einem Spiel im September, muss sich Benjamin Conz dem SCB-Stürmer Ryan Gardner geschlagen geben. Doch der Gottéron-Goalie hat das Potenziel, die Berner im Final zur Verzweiflung zu treiben.

Marc Lüthis «Shedden-Experiment» ist definitiv geglückt: Der SCB-General hat durch alle Böden hindurch an Trainer Antti Törmänen festgehalten. So wie die Zuger damals im Herbst 2008 an Doug Shedden. Die Zuger sind mit fünf Halbfinals in Serie belohnt worden. Der SCB nun mit zwei Finals hintereinander

Beim SC Bern treten die alten Leitwölfe – Martin Plüss (35), Ivo Rüthemann (36), Byron Ritchie (35) und Marco Bührer (33) – zum «letzten Hurra» an. Sie stehen alle im Herbst ihrer Karriere. Alle vier haben zwar auch einen Vertrag für nächste Saison – aber vielleicht bekommen sie jetzt die letzte Chance, einen weiteren Titel zu gewinnen.

Sie wissen, wie Meisterschaften gewonnen werden. Sie haben jetzt in den Playoffs 2013 den SCB fünfmal in einem Spiel der letzten Chance zum Sieg geführt. Ein Blick zurück auf diese Partien, die der SCB gewinnen musste, um nicht auszuscheiden, zeigt den Wert dieser Leitwölfe.

Im Viertelfinale:

Spiel 5, SCB-Servette, 2:1 n.V.: Ein Tor und ein Assist von Byron Ritchie. Marco Bührers Fangquote: 97,62 Prozent.

Spiel 6, Servette-SCB, 3:4 n.P.: Zwei Tore von Byron Ritchie. Marco Bührers Fangquote: 92,68 Prozent und alle Penaltys gehalten.

Spiel 7, SCB-Servette, 4:1: Je ein Tor und ein Assist von Byron Ritchie und Martin Plüss. Marco Bührers Fangquote: 95,65 Prozent.

Im Halbfinale:

Spiel 6, Zug-SCB, 3:4: Ein Tor durch Martin Plüss. Ein Tor und ein Assist durch Ivo Rüthemann. Marco Bührers Fangquote: 90,63 Prozent.

Spiel 7, SCB-Zug 4:1: Je ein Tor von Martin Plüss und Ivo Rüthemann. Marco Bührers Fangquote: 94,44 Prozent.

Der skandinavisch-sozialistische Führungsstil von Trainer Antti Törmänen funktioniert. Die Spieler übernehmen die Verantwortung. Die Leitwölfe führen die Mannschaft auf und neben dem Eis. Es ist unerheblich, ob Törmänen so führt, weil er überfordert ist und nicht anders kann oder ob er es bewusst so macht, weil er spürt, dass er die Spieler in die Verantwortung nehmen darf.

Am Ende des Tages zählt nur das Resultat. Im letzten Frühjahr hatte sich der freundlichen Finne im siebten Finalspiel wie ein Anfänger auscoachen lassen und nach einer 3:1-Final-Führung den Titel vergeigt. Diese Schmach ist mit der Finalqualifikation nun getilgt.

Arroganz und Erfahrung: Die Pluspunkte des SCB

Selbstvertrauen über die Grenze der Arroganz hinaus, genährt von der unerschütterlichen Überzeugung, es doch zu schaffen, ist eine der wichtigsten Eigenschaften eines Meisterteams. Genau das ist die Stärke des SC Bern, diesem Bayern München unseres Hockeys.

Erfahrung ist eine weitere Qualität der SCB-Spieler. Auch in diesem Bereich ist der SCB Fribourg-Gottéron überlegen. Das bedeutet: Nun ist genau das eingetreten, was die arroganten SCB-Strategen auf ihren Playoff-Kartentischen vorausgesehen hatten: Nach dem Einlösen der zwei «Freilose» Servette und Zug stehen sie nun im Finale.

Berner nun klare Favoriten

Der SC Bern ist gegen Gottéron klarer Favorit. Das Selbstvertrauen und die Arroganz der Berner sind stärker als der heilige Zorn Gottérons. Stärker auch als die Kraft, die aus der Mission kommt, endlich, endlich, endlich einmal Meister zu werden und die Finalschmach von 1992 gegen den SCB zu tilgen.

Nur einer kann den SCB stoppen: Torhüter Benjamin Conz.

Es gibt ganz wenige Torhüter, die dazu in der Lage sind, eine Mannschaft besser zu machen. Benjamin Conz ist so ein Goalie. Obwohl er erst 21 Jahre alt ist. Der Jurassier hexte die Schweizer 2010 bei der U 20-WM ins Halbfinale. Er ermöglichte im Frühjahr 2011 den SCL Tigers die einzigen Playoffs ihrer Geschichte. Er brachte Lugano, im Vorjahr in den Playouts, wieder in die Playoffs. Und nun hat er Fribourg-Gottéron das erste Finale seit 1994 ermöglicht.

Conz lässt sich durch nichts ablenken

Benjamin Conz ist einer der ganz seltenen «Astronauten-Goalies»: Er lässt sich durch das, was hockeytechnisch um ihn herum passiert oder durch einen haltbaren Treffer so wenig beeinflussen und ablenken wie ein Astronaut in einer Raumstation vom Geschehen auf der Erde.

Gottérons Trainer Hans Kossmann ist ein grosser Bandengeneral. Nach dieser Finalqualifikation steht er auf Augenhöhe mit Arno Del Curto, Doug Shedden oder Kevin Schläpfer. Er wird weiterhin alles richtig machen. Aber das allein wird nicht reichen. Erst Benjamin Conz kann Gottéron zum ersten Titel hexen. Weil seine Ruhe stärker sein kann als die Erfahrung, das Selbstvertrauen und die Arroganz der Berner.

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