Aktualisiert 01.10.2010 05:37

Bundesliga-Söldner

Nur dabei statt mittendrin

Die Schweizer Spieler haben in der neuen Bundesliga-Saison noch keine grossen Akzente setzen können. Dies soll sich nach der Nati-Pause ändern.

von
Hardy Hasselbruch
Tranquillo Barnetta, Diego Benaglio und Eren Derdiyok. In der Bundesliga mit aufsteigender Tendenz. (Bild: Keystone)

Tranquillo Barnetta, Diego Benaglio und Eren Derdiyok. In der Bundesliga mit aufsteigender Tendenz. (Bild: Keystone)

Gut Ding will Weile haben. So oder ähnlich haben sie es sich wohl gedacht. Aber vielleicht ist es auch nur der Tribut, den sie nach der für sie relativ kurzen, aber wohl dennoch schlauchenden WM-Endrunde in Südafrika jetzt in der Bundesliga zollen.

Nur dabei statt mittendrin – unter dem Motto standen bisher die Leistungen der Schweizer Legionäre im deutschen «Exil». Eher mühselig wirkte der Start der sieben eidgenössischen Profis im Land der Nachbarn. Die Highlights nach den ersten sechs Spieltagen haben jedenfalls andere gesetzt. Die Tabellenführer aus Mainz, mit den Youngstern Holtby oder Schürrle, oder die «Rasselbande» aus Dortmund. Mit einem «Spiritus rector» namens Sahin und einem «Springinsfeld» aus Fernost: Shinji Kagawa, einem Schnäppchen-Japaner (350 000 Euro zahlte der BVB an Ausbildungsentschädigung u. a. an seinen vormaligen Verein Cerezo Osaka), der die Liga im Sturm eroberte.

«Von Spiel zu Spiel besser»

Da standen die Schweizer bisher eher im Schatten. Doch das soll sich ändern. «Ich spüre», so liess Nationalspieler Tranquillo Barnetta sich vernehmen, «dass ich nach meinem Virusinfekt fast wieder bei 100 Prozent meiner Leistungsfähigkeit bin. Es wird von Spiel zu Spiel besser», hofft der Schweizer Flügelmann von Bayer Leverkusen wieder auf bessere Zeiten. Eine erste kräftige Duftmarke konnte der 25-Jährige schon beim 4:1-Erfolg am vergangenen Wochenende beim VfB Stuttgart setzen. Barnetta wirbelte auf der linken Seite, so wie sie es beim Werksklub von ihm kennen und erwarten, und bereitete den Führungstreffer des finnischen Veteranen Sami Hyypiä mit einer Flanke vor. Tranquillo Barnetta jedenfalls ist derzeit auf dem besten Weg, seine Form rechtzeitig vor dem nächsten EM-Qualifikationsspiel am kommenden Freitag gegen Montenegro zu finden. Eine Nachricht, die Nati-Coach Ottmar Hitzfeld gerne hören wird, nachdem er bei den letzten Spielen Anfang September auf den Leverkusener verzichten musste.

Eine ähnlich erfreuliche Steigerung konnte wie Barnetta auch Angreifer Eren Derdiyok vermelden. Als einzige Spitze im 4-1-4-1-System von Trainer Jupp Heynckes imponierte der Ex-Basler mit enorm viel Einsatz, wich auch die Flügel aus und präsentierte sich als spielstarker Vorbereiter. Bei den Treffern von Balitsch (zum 1:3) und später von Sam (zum 1:4-Endstand) legte Derdiyok glänzend auf. Zu einem eigenen Torerfolg langte es für den Schweizer in der Bundesliga noch nicht. «Wer sich bemüht, der wird eben belohnt», verteilte Sportchef Rudi Völler Lob, das nicht nur Derdiyok galt, sondern dem gesamten Team. Die Mannschaft hat es jedenfalls bisher glänzend verstanden, die Ausfälle von Ballack und den Stürmern Kiessling und Helmes zu kompensieren. Auch ein Verdienst von Barnetta und Derdiyok. Letzterer konnte zumindest im Europa-League-Spiel vom Donnerstag gegen Atlético Madrid einen Torerfolg verbuchen.

Benaglio mit Wolfsburg auf Siegstrasse zurück

Auf dem besten Weg zu alter Stabilität ist auch Goalie Diego Benaglio beim VfL Wolfsburg. Der Ex-Meister hat nach dem fatalen Fehlstart mit drei Niederlagen den Aufschwung mit drei Siegen geschafft – eine positive Entwicklung, die Benaglio wieder zu alter Stabilität und Souveränität verholfen hat. So, wie es inzwischen auch Pirmin Schwegler bei der Frankfurter Eintracht erlebt. Mit Schwegler als nimmermüder Triebfeder konnte gegen Nürnberg endlich ein befreiender zweiter Saisonsieg eingefahren. Auf der Gegenseite allerdings wurde erneut der Langzeitverletzte Albert Bunjaku schmerzlich vermisst. Ohne den zwölfmaligen Torschützen der Vorsaison geht dem «Club» ein Grossteil der Torgefahr ab.

Eines jedenfalls machte der Spieltag vom Vorwochenende deutlich: Der Trend bei den Schweizer Nationalspielern zeigt deutlich nach oben. Diese haben vor dem wegweisenden Auswärtsspiel in Montenegro in einer Woche schon am Wochenende in der Bundesliga nochmals eine Chance, dies zu bestätigen. Gut Ding will eben Weile haben.

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