Deutsche Moderatorin: Nur der Manager versteht die SVP-Kritik
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Deutsche ModeratorinNur der Manager versteht die SVP-Kritik

Schweizerdeutsch für Schweizer Sendungen, fordert die junge SVP und will ein deutsches Playmate aus dem Internetprogramm kippen. Während selbst Hardliner Hans Fehr inzwischen zurückrudert, kann der Manager des Playmates, das auf usgang.tv eine Sendung moderiert, die Kritik verstehen.

von
Katharina Bracher und Philipp Dahm

«Grundsätzlich vertrete ich dieselbe Meinung wie die SVPler», sagt Alena Gerbers Manager Claudio Catrambone gegenüber 20 Minuten Online. Das 20-jährige Playmate ist vor einem Monat nach Zürich gezogen, um Moderatorin auf usgang.tv zu werden. Von SVP-Exponenten hagelte es heute Kritik an ihrer Person. Der Grund: Sie spreche kein Schweizerdeutsch und habe eine typisch deutsche Arroganz, wie Erich Hess, Präsident der jungen Schweizer SVP gegenüber der deutschen Zeitung «Bild» sagte (20 Minuten Online berichtete).

Alina Gerbers Manager kann zwar verstehen, dass die SVP Kritik an der deutschen Einwanderung in die Schweiz übt, findet aber, dass die Politik sich nicht in die Unterhaltungsindustrie einmischen solle. «Die Schweiz hat jetzt weitaus wichtigere Probleme», kritisiert Catrambone.

Fehr: «Ich habe den Sack statt den Esel geschlagen»

SVP-Nationalrat Hans Fehr forderte einen Schweizerdeutsch-Kurs für alle deutschen Führungskräfte in der Schweiz. Wie 20 Minuten Online in Erfahrung brachte, belegt Alena Gerber, im Gegensatz zu den zahlreichen deutschen CEOs in der Schweiz, bereits einen Kurs in Schweizer Mundart. Die Münchnerin versteht ausserdem mühelos Schweizerdeutsch. Fehr dazu: «Das habe ich nicht gewusst.» Wenn das so sei, dann habe sie den Test bestanden: «Sie ist ein gutes Beispiel für gelungene Integration.»

Im Übrigen habe er nichts gegen Alena Gerber, er habe nicht einmal ihre Moderation gesehen. Andere hätten ihm Gerber beschrieben und er sei zum Schluss gelangt, dass die deutsche Blondine ein «maschinengewehrartige Hochsprache» spreche, die an Steinbrück, Müntefering und Konsorten gemahne.

Fehr sah darin einen Aufhänger, um das Thema der deutschen Zuwanderung und die Personenfreizügigkeit allgemein auf den Tisch zu bringen. «Ich habe den Sack statt den Esel geschlagen», meint Fehr entschuldigend. Er wolle aber betonen, dass er die ganze Angelegenheit auch nicht todernst genommen habe. Trotzdem ist er der Meinung: Vor allem in hiesigen Medienhäusern müsse man darauf achten, Schweizer Talente zu bevorzugen.

«Alena Gerber ist ein Ausnahmetalent, wie man es in der Schweiz nicht findet»

Manager Catrambone sagt, die Macher von usgang.tv hätten die Qualitäten von Alena Gerber sonst nirgendwo in der Schweiz gefunden. Die schöne Deutsche sei ein Ausnahmetalent. «Sie weiss Frechheit, Schönheit und Humor miteinander zu verbinden.» Man habe bislang nur positive Reaktionen von den Zuschauern erhalten.

Erich Hess, Präsident der jungen SVP , der Alena Gerber «deutsche Arroganz» vorwarf, bleibt trotzdem dabei: «Man hätte eine Schweizerin mit denselben Qualitäten gefunden», sagt er gegenüber 20 Minuten Online. Angesichts der Tatsache, dass es in der Schweiz einfach zu viele deutsche Arbeitnehmer gebe, müsse sich jeder Unternehmer darum bemühen, Schweizer zu bevorzugen.

Zu den Integrationsbemühungen von Alena Gerber sagt der Berner: «Schweizerdeutsch lernt man nicht von heute auf morgen.» Ausserdem gehörten zur Integration nicht nur die Sprache, sondern auch Wissen über Schweizer Themen. «Ein Mundart- und ein Integrations-Kurs für alle Deutschen in der Schweiz - das wäre das Richtige», resümiert Hess.

Alena Gerber moderiert ihre eigene Show auf usgang.tv. (Video: YouTube)

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