GV-Protokolle: Nur die Hälfte der SMI-Konzerne überzeugt

Aktualisiert

GV-ProtokolleNur die Hälfte der SMI-Konzerne überzeugt

Nur 10 der 20 Unternehmen im Swiss Market Index SMI haben im letzten Jahr ihre Generalversammlung ausführlich protokolliert. Dabei schreibt das Gesetz dies so vor.

von
Yves Hollenstein
Der Pharmariese Roche erhält für seine GV-Protokolle die Bestnote. Im Bild CEO Severin Schwan (links) und Verwaltungsratspräsident Franz B. Humer.

Der Pharmariese Roche erhält für seine GV-Protokolle die Bestnote. Im Bild CEO Severin Schwan (links) und Verwaltungsratspräsident Franz B. Humer.

Die Generalversammlung (GV) ist für viele Aktionäre ein wichtiger Termin im Jahr. Besonders gross ist das Interesse bei den 20 im Swiss Market Index SMI dotierten Unternehmen.

Doch genau bei diesen Grosskonzernen lässt die Transparenz teilweise zu wünschen übrig. Nur die Hälfte protokollierte im letzten Jahr ihre Generalversammlung ausführlich – einzelne veröffentlichten gar kein Protokoll und verschickten nur eine Medienmitteilung. Dies zeigt eine Untersuchung der Aktionärsvereinigung Actares.

Für ein nachhaltiges Wirtschaften sei eine Offenlegung von aussagekräftigen GV-Protokollen aber unerlässlich für ein SMI-Unternehmen, liess die Vereinigung am Freitag in einer Medienmitteilung verlauten. Dabei verlange auch das Gesetz (Obligationenrecht, Art. 702), dass ein Protokoll angefertigt wird.

Geheimniskrämerei

Actares erwartet von den Unternehmen, dass sie «wenigstens die Generalsversammlungen ausführlich protokollieren und diese Papiere den Aktionären einfach zur Verfügung stellen», sagt Actares-Geschäftsführer Roby Tschopp zu 20 Minuten.

Für Tschopp ist es schleierhaft, warum einzelne Unternehmen so ein Mysterium um die GV-Protokolle machen: «Eine GV ist ja nichts Geheimes, sondern für viele tausende Aktionäre – und somit quasiöffentlich.» Ein börsenkotiertes Unternehmen trage schliesslich auch eine Verantwortung gegenüber den Aktionären.

Actares hat die GV-Protokolle der SMI-Konzerne auf Zugänglichkeit, Vollständigkeit und Wiederauffindbarkeit untersucht. Mit zwei bis vier Klicks sollten die Protokolle auf der Unternehmensseite gefunden werden können. Dazu soll das Protokoll ausführlich über den Gesprächsverlauf der GV berichten – inklusive aller Voten und Redner. Und auch die Protokolle früherer Jahre sollten leicht auffindbar sein.

Baer will reagieren

Die Konzerne ABB, Adecco, Geberit, Holcim, Roche, Swiss Re und Swisscom erfüllen diese Kriterien vollauf und erhielten dabei 4,8 von 5 Punkten. Zu überzeugen vermochten auch die Credit Suisse, Givaudan und Syngenta (4,6 Punkte).

Ganz schlecht schneiden dagegen Swatch und Transocean (1,0 Punkte), Nestlé (1,2), SGS (1,4), Julius Baer (1,6) und Richemont (1,8) ab. Das Mittelfeld teilen sich Actelion (2,4), UBS (2,6) sowie Novartis und Zurich (je 3,0 Punkte).

Von den kritisierten Konzernen haben bis zur Veröffentlichung des Artikel vier Unternehmen auf die Anfrage von 20 Minuten reagiert. Die Bank Julius Baer gesteht Verbesserungspotenzial ein: «In Zukunft planen wir, das Protokoll zu veröffentlichen», sagt Sprecher Jan Vonder Mühll. Bei Novartis heisst es, man werde sich mit der Kritik auseinandersetzen. Allerdings: «Entgegen der Feststellung von Actares benötigt es auf der Website von Novartis maximal zwei Klicks, um auf die Protokolle zu stossen», sagt Sprecherin Esther Keller.

Offen für Verbesserungsvorschläge gibt sich auch die UBS. Sie macht aber darauf aufmerksam, dass sie, als eines der wenigen Unternehmen in der Schweiz, die GV live in Deutsch und Englisch via Webcast überträgt. «Zudem sind unsere Kurzprotokolle jeweils innert drei Tagen nach der GV auf der UBS-Website abrufbar», sagt Sprecherin Dominique Schweiwiller.

Bei der Swatch Group heisst es, man könne bestätigen, dass nach jeder GV das Beschlussprotokoll umgehend an die Börse geschickt werde.

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