Aktualisiert 28.02.2012 11:31

Playoff-Vorschau Teil 2

Nur ein fades Gottéron kommt ins Halbfinal

Der HC Fribourg-Gottéron hat erstmals seit den «Russischen Flugjahren» wieder das Talent zum Titel. Ausgerechnet Luganos taktischer Langweiler Larry Huras kann diese Träume beenden.

von
Klaus Zaugg
Wer geht als Sieger aus der Viertelfinalserie zwischen dem HC Lugano und Fribourg-Gottéron.

Wer geht als Sieger aus der Viertelfinalserie zwischen dem HC Lugano und Fribourg-Gottéron.

Der HC Lugano hat seit der Meisterfeier von 2006 keine Playoffserie mehr gewonnen. Zweimal (2011 und 2008) mussten die Tessiner sogar durchs finstere Tal der Playouts schreiten. Im gleichen Zeitraum entwickelte sich der HC Fribourg-Gottéron vom «Playoutisten» (2006, 2007) zum Meisterschafts-Favoriten. Der dritte Rang nach der Qualifikation hat historische Dimensionen: Besser war Gottéron letztmals 1998 (2.). Gottéron hat mit der teuersten Mannschaft seiner Geschichte erstmals seit der «Belle epoque» mit Bykow senior und Chomutow (1990 bis 1998) Titelchancen.

Die zwei Seiten von Fribourg-Gottéron

Aber welches Fribourg werden wir im Viertelfinale sehen? Es gibt nämlich das Fribourg, das in der Offensive singt und lacht: Mit drei Stürmern in den Top Ten der NLA-Skorerliste (2. Julien Sprunger, 6. Simon Gamache, 9. Beni Plüss). Und an einem guten Abend mahnt Andrej Bykow an seinen Vater Slawa Bykow. Mit 156 Treffern ist Gottérons Sturm exakt gleich stark wie jener von Titelverteidiger Davos und weht mit meisterlicher Windstärke.

Es gibt aber auch das Gottéron, das in die Hände spuckt und Defensive Schwerarbeit leistet (120 Gegentore): Nur Kloten und Davos (je 117) haben weniger Treffer kassiert. Trainer Hans Kossmann hat ein Wunder vollbracht: Die Mannschaft liess noch im letzten Jahr 154 Gegentreffer zu. Und nun sind es in der soeben abgelaufenen Qualifikation bloss 120. Auch in der Abwehr ist die Mannschaft gut genug für den Titel.

Hans Kossmann hat es also in seinem ersten Jahr als Cheftrainer fertig gebracht, dem offensiven Formel 1-Boliden die defensiven Winterreifen aufzuziehen. Er hat umgesetzt, was er zuvor sieben Jahre lang in Genf von Chris McSorley und dann zwei Jahre lang bei Larry Huras in Bern gelernt hat. An einem guten Abend sehen wir das defensiv solideste Gottéron seit dem Aufstieg (1980). Mit Stanley Cup-Sieger Cristobal Huet hat Gottéron erstmals einen Torhüter, der gut genug ist, um einen Titel zu gewinnen. Und genug Spieler, die wissen, wie man Meisterschaften gewinnt (Huet, Dubé, Gamache, Gerber, Jeannin).

Bringt Larry Huras Lugano erneut den Titel?

Gottéron ist zum ersten Mal beides: Ein offensiver Zirkus und eine defensive Akademie. Und doch muss Hans Kossmann (49) damit rechnen, gegen seinen letztjährigen Chef Larry Huras (57) bereits im Viertelfinale auf der Strecke zu bleiben. Huras hat Lugano gleich nach seiner Entlassung in Bern am 21. Oktober vom altmüden Barry Smith (61) übernommen. Der Kanadier ist in Lugano der Architekt der Meistertitel von 2003 (damals kam er am 14. November 2002 als Nothelfer für Jim Koleff) und 2006 (damals wurde er am 10. März 2006 während der Viertelfinals gefeuert und durch Harold Kreis ersetzt).

Viele Namen auf den meisterlichen Leibchen von 2006 sind geblieben: Petteri Nummelin, Julien Vauclair, Steve Hirschi, Flavien Conne, Kevin Romy, Raffaele Sannitz oder Sébastien Reuille. Und mit Benjamin Conz hat auch Lugano erstmals seit Ronnie Rüeger (wechselte im Sommer 2006 zu Kloten) wieder einen Goalie, der einen Titel gewinnen kann. Lugano gewann das letzte Spiel der Qualifikation in Zug mit nur zehn Strafminuten 1:0. Das mag eine Warnung sein: Auch Lugano hat den Coach, das Spielkonzept, die Disziplin und die Einzelspieler, um eine Meisterschaft zu gewinnen.

Stabilere Defensive spricht für Fribourg

Die Erfahrung lehrt, dass die defensiv bessere Mannschaft Playoffserien gewinnt. Lugano hat 150 Gegentore zugelassen, 20 mehr als Gottéron. Die alles entscheidende Frage ist also: Findet Gottérons Trainer Hans Kossmann die richtige Abstimmung? Mit einem offensiven Zirkus zieht er nicht ins Halbfinale ein. Nur ein langweiliges Gottéron, das mit einer konservativen Spielweise in erster Linie auf fehlerlose Defensivarbeit achtet, und nicht in die von Larry Huras ausgelegten taktische Falle tappt, kann Lugano aus den Playoffs kippen.

Prognose: Fribourg-Gottéron setzt sich mit 4:2 durch

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