07.04.2020 07:05

Coronavirus

«Nur ein Verbot führt zu Reisestopp an Ostern»

Die SBB bitten, auf Ausflugsfahrten über Ostern zu verzichten. Ein Psychologieprofessor erklärt, ob das die Schweizer von Reisen abhalten wird.

von
les
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Normalerweise verbringen viele Deutschschweizer über Ostern ein paar entspannte Tage im Tessin. Doch in Zeiten von Corona ist alles anders.

Normalerweise verbringen viele Deutschschweizer über Ostern ein paar entspannte Tage im Tessin. Doch in Zeiten von Corona ist alles anders.

Keystone/Gaetan Bally
Rein theoretisch ist eine Reise in die Sonnenstube der Schweiz möglich. Die SBB halten auch in Krisenzeiten ein Grundangebot aufrecht.

Rein theoretisch ist eine Reise in die Sonnenstube der Schweiz möglich. Die SBB halten auch in Krisenzeiten ein Grundangebot aufrecht.

Keystone/urs Flueeler
Ein solches Bild wird sich an diesen Ostern jedoch nicht zeigen: Alle Restaurants sind geschlossen.

Ein solches Bild wird sich an diesen Ostern jedoch nicht zeigen: Alle Restaurants sind geschlossen.

Keystone/Karl Mathis

Ostern steht vor der Tür. Das strahlend schöne Wetter schreit förmlich danach, ein paar entspannte Tage in der Sonnenstube der Schweiz zu verbringen. Über Ostern strömen die Deutschschweizer normalerweise scharenweise ins Tessin und am Gotthard bildet sich kilometerlanger Stau.

Doch in Zeiten von Corona fordern die Behörden die Bevölkerung auf, Reisen in den Süden zu unterlassen. Auch die Tessiner machen klar, dass Touristen nicht willkommen sind. Verboten ist die Reise aber nicht. Die SBB stellen auch über Ostern stündliche Verbindungen ins Tessin zur Verfügung. Allein am Gründonnerstag werden 17 Schnellzüge von Zürich Richtung Lugano fahren.

«Bleiben Sie zu Hause»

«Die ÖV-Branche hat vom Bund den Auftrag, in dieser ausserordentlichen Lage ein Grundangebot für die Gesellschaft und die Wirtschaft aufrecht zu erhalten. Eine weitere Ausdünnung ist derzeit nicht vorgesehen», sagt SBB-Sprecher Martin Meier auf Anfrage von 20 Minuten.

Jedoch wird der Osterfahrplan nicht wie in früheren Jahren ausgebaut. Laut Meier wird der gesamte ÖV der Schweiz an Ostern keine längeren Züge anbieten. Auch werde die SBB keine Extrazüge führen.

Auf der Webseite bitten die SBB ihre Passagiere, auf Ausflugsfahrten zu verzichten. «Bleiben Sie wenn möglich zu Hause. So können jene Personen, die auf den ÖV angewiesen sind, die Social-Distancing-Regeln einhalten.»

Verbot kann problematisch sein

Doch reicht es, an die Vernunft und Solidarität der Bevölkerung zu appellieren? «Nicht bei allen wird das ausreichen», sagt Sebastian Gluth, Assistenzprofessor für Entscheidungs- und Neuropsychologie an der Universität Basel. «Der Appell wird jedoch umso erfolgreicher sein, je besser er begründet ist und je mehr Kanäle für die Verbreitung genutzt werden.»

Nur ein Verbot führe zu einem vollständigen Reisestopp, so Gluth. Doch auch das kann problematisch für die menschliche Psyche sein: «Die persönliche Freiheit wird so eingeschränkt. Ausserdem signalisiert man den Menschen damit, dass man ihnen nicht zumutet, selber eine vernünftige Entscheidung zu treffen.»

«Verhalten des Umfelds ist wichtig»

Laut Gluth hängt es von vielen Faktoren ab, ob man über Ostern ins Tessin fährt oder zu Hause bleibt. «Dazu gehören etwa die Bedeutung der Reise, der soziale Druck und die Angst vor einer Ansteckung. Auch Persönlichkeitsmerkmale spielen eine Rolle: Wie gewissenhaft ist man? Wie gut gelingt es einem, auf aktuelle Belohnungen zum Wohle der Gesellschaft verzichten zu können? Da gibt es grosse Unterschiede zwischen den Menschen.»

Auch das Verhalten des Umfelds ist wichtig für die persönliche Entscheidung: «Wir achten stark darauf, was unsere Mitmenschen machen, besonders wenn sie uns ähnlich sind», erklärt Gluth. Wenn man kommuniziere, dass die überwältigende Mehrheit der Schweizer dieses Jahr auf den Osterurlaub im Tessin verzichte, dann könne das auch den Rest davon überzeugen, zu Hause zu bleiben.

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